Aus dem Unterricht des CAS Fintech & Blockchain Economy über Open Banking-Ökosysteme mit Julia Holzgreve berichtet Simone Gross.

Vom Fintech-Hack zum Open Banking-Ökosystem mit Marktplatz

Lange vor den Open Banking-Ökosystemen haben Nicht-Banken den Bedarf der Kundinnen und Kunden nach Sofort-Überweisungen bedient. Zum Beispiel Fintechs im US-amerikanischen Raum. Bis vor wenigen Jahren mussten Kundinnen und Kunden dafür noch ihre Bank-Zugangsdaten beim „Screen Scraping“ diversen Risiken aussetzen. Heute ist die Sofortüberweisung in EU/UK durch die Zahlungsrichtlinie PSD II vorgeschrieben.


Quelle: developer.okta.com (15.10.2020)

Auch ohne Regulierung in der Schweiz sind Multibanking-Services durch marktwirtschaftliche Open Banking-Ökosysteme in den Grossbanken angekommen. Das trifft zumindest für die Unternehmen unter den Multibankern zu. Noch dominiert das Plattform-Banking. D.h. überwiegend eigene Services auf eigener Plattform. Erste Banken wagen sich bereits ins Marketplace Banking. In eigenen, fremden oder hybriden Marktplätzen treffen diese auf Fintechs, vertikale Partner, bisweilen Mitbewerber. Diese Zusammenarbeit in Ökosystemen ist die Reaktion auf nicht mehr wie bisher funktionierende Produkte und Geschäftsmodelle. Laut McKinsey versprechen im Retail-Geschäft gerade Finanz-Ökosysteme das grösste Ertragspotenzial. Wie zum Beispiel Housing Mortgages.


Quelle: IHS World Industry Service; Panorama by McKinsey; McKinsey analysis

Schnappschuss: Multibanking mit Contovista

Laut Claudia Dietschi freuen sich AKB-Firmen-Kundinnen und -Kunden bereits über Finanzplanung, Liquiditätsmanagement und Überweisungen von Drittbankkonten. Und das über nur eine Anmeldung. Wie Urs Bolliger im Video. Für Privat-Kundinnen und -Kunden heisst es bis auf Weiteres „Hasta La Contovista“.

Quelle: YouTube https://youtu.be/uHQHUu0IKfA (15.10.2020)

Neue Geschäftsmodelle: Banken werden zu Fintechs

Geschäftsmodelle wie Orchestrator erinnern nicht zu Unrecht an Dinosaurier wie Oviraptor. API-Plattformen ermöglichen durch offene Schnittstellen auch den Dinosauriern unter den Banken neue Fintech-ähnliche Geschäftsmodelle. So verschiebt sich die Grenze zwischen Banken und Fintechs. Folgende Geschäftsmodelle funktionieren zunehmend auch für Banken:

  • Aggregator: Banken vereinen Services Dritter. Beispielsweise ING-DiBa über den Kauf von Yolt.
  • Distributor: Banken werden zum Service-Provider Dritter mit Kundenschnittstelle. Sowie die Citi Bank mit Transaction-Banking für SAP.
  • Orchestrator: Banken integrieren eigene Services und Services Dritter für alle Kundinnen und Kunden. UBS geht aktuell diesen Weg mit dem Key4 Marketplace.

 Schnappschuss: Digitale Anlage-Assistentin Selma


Quelle: selma.io (15.10.2020)

Von der dänischen Kundenerlebnis inspiriert, hat Patrick Oliver Schär mit seinen Studienkollegen Selma ins Leben gerufen. Dank Automatisierung fehlt es Ihr auch nicht an “Schweizer Gründlichkeit”. Ein N(ot)I(nvented)H(ere)-Syndrom steht also nicht bevor. Vielmehr differenziert sich Selma gegenüber Mainstream-Algorithmen und expandiert nach Europa.

Banking as a Service oder #MakeBankingSaxo

Und die Grenze zwischen Fintech und Banken verschiebt sich weiter. Im Modell Banken als Distributor sind es mittlerweile auch Fintechs, die mit Banken schneller auf den Markt kommen. Ein Grund für Selma mit der Saxo Bank dänischer Herkunft und dem Vermögensverwalter VZ VermögensZentrum zusammenzuarbeiten. Konkret für die Säule 3a-Produkte. Dabei geht die automatisierte UX-Expertin Selma eine Symbiose mit dem Pionier des Plattform-Bankings ein. Auch die Hypothekarbank Lenzburg bietet Banking as a Service. Zum Beispiel für den Open- und Neobanker Neon. Laut Andrea Strange vom Venture Capitalist-Unternehmen Andreessen Horowitz alias „a16z“ wird die Grenzverschiebung weit über Banken und Fintechs hinausgehen: „Every Company Will Be a FinTech Company”.

Schnappschuss: Next Digital Finance-Plattform ndgit

Das Unternehmen bietet mehr als 30 Banken in Europa eine API-Plattform. Darunter sind UBS und die Hypothekarbank Lenzburg in der Schweiz. Diese ermöglicht es, das beste der zwei Welten von Banken und Fintechs (vielleicht bald allen Unternehmen) zu Ökosystemen verbinden. Auch wenn ndgit Mitarbeiter #1 Abel Japon als Erfolgsfaktor in der Schweiz noch die Einigung auf einen einzigen API-Standard vermisst.

Open Banking-Ökosysteme Swiss Made sind nicht 08/15

Die grösste Herausforderung zeigt sich schon beim Multibanking im Kleinen: verschiedene Standards existieren nebeneinander. Was die Schweizer API-Initiativen betrifft, sind es mehrere technische Lösungen, Koalitionen und Plattformen. Zunächst überrascht dieses Konkurrieren im marktwirtschaftlichen Ansatz nicht. Allerdings trägt dieses hierzulande nicht gerade zum Kundenvorteil bei. Vielmehr erhöht es die im Ökosystem so kritischen Transaktionskosten. Und damit die Wartezeit auf Mehrwert-Banking-Services. Was die Diskussion darüber noch aufrecht halten wird, ob Regulierung oder Marktwirtschaft die bessere Basis für Open Banking-Ökosysteme ist.

„Step by Step“: Open Banking-Ökosystem mit Marktplatz auf der Blockchain

Nach dieser Unterrichtseinheit ist klar: Fintechs, Banken, Unternehmen rücken enger aneinander. Auch Distributed Ledger-Modelle wie Blockchain kommen mit Marketplace Banking den lang ersehnten Killer Use Cases näher. Langsam bewegen sich die Geschäftsmodelle von föderalistischen Konsortien, privaten Blockchains zu öffentlichen Netzwerken. Das heisst von Effizienz-Anwendungen zu buchstäblich neuen Wertschöpfungsketten.