LeBron James ist gemäss der amerikanischen Sportzeitschrift Sports Illustrated der wertvollste Basketballspieler unserer Zeit. Doch “King James”, wie er von seinen Fans genannt wird, begann sein Leben auf dem harten Boden der Realität, in einem armen Viertel der Industriestadt Akrion im Nordosten von Ohio. Seine Mutter war 16, als er geboren worden war; da hatte sein Vater die beiden bereits verlassen. Was dieser American Dream mit Unternehmen und Digital zu tun hat? Ganz einfach: James hat nicht aufgehört hart und diszipliniert zu trainieren, sobald er oben angekommen ist. Im Gegenteil: Seine beispielhafte Karriere beruht auf knallharte Arbeit – jeden Tag aufs Neue. Any given day.

Dass die Besten der Besten meist die sind, die am unermüdlichsten an ihren Leistungen feilen gilt für fast alle Bereiche im Leben. So auch in der Wirtschaft, speziell im digitalen Sektor, ist schnell weg vom Fenster, wer sich auf den Lorbeeren vergangener Erfolge ausruht. Nur: Wohin die digitale Transformation in Zukunft steuert, wissen nicht mal die Klassen-Primi so recht. Nicht umsonst hat Zuck bei Facebook in den vergangenen Jahren mit Geld quasi um sich geschmissen und WhatsApp, Instagram und Oculus VR dazugekauft. Frei nach dem Motto: Wer sich nicht weiterentwickelt stirbt aus.

Dass es auch anders geht zeigt aktuell Netflix. Einst als DVD-Verleih gestartet, hat der Online-Streaming-Service heute 81 Mio. Nutzerinnen und Nutzer und investiert jährlich 5 Mia. Dollar in die Produktion von Videomaterial. Netflix gilt als Muster-Disruptor. Doch nun gerät das System Netflix ins Stocken. Andere Streaming-Plattformen wie Hulu drängen auf den Markt und die Studios beginnen die Kosten für ihre Shows in die Höhe zu schrauben oder gar gleich eigene Streaming-Apps zu entwickeln. Das Ergebnis? Netflix muss regelmässig Schulden machen, um flüssig zu bleiben. Der Umsatz ist zwar hoch – rund 2 Mia. im ersten Quartal dieses Jahres – doch der Gewinn betrug zur gleichen Zeit “nur” rund 28 Mio. Die Lösung? Noch mehr Kunden-Zuwachs oder die Abonnementskosten zu erhöhen. Doch das könnte eine Abwanderung der Nutzer führen und wenn es auch kommen würde; die Partnerunternehmen werden sicher einen Teil des Zusatzeinnahmen-Kuchen für sich beanspruchen, was den finanziellen Teufelskreis nur weiter antreiben würde. Frisst die 

Vor einem ähnlichen Problem stand Apple mit seinem iTunes-Geschäftsmodell. Vor rund 15 Jahren stellte der Noch-Computerhersteller die Musikbranche auf den Kopf: Plötzlich lud man sich die Lieblingssongs zu Hause vom Internet auf den iPod, anstatt zum Plattenladen an der Ecke zu spazieren. Eine Entwicklung, die im Musikgeschäft einem Erdbeben gleichkam. Doch nach dieser bahnbrechenden Innovation wurde Apple etwas gar gemütlich. Während ein schwedisches Start-up mit dem Geschäftsmodell des Musik-Streamings (schon wieder) die Musikbranche revolutionierte, musste man bei Apple die Musik immer noch downloaden. Als Tim Cook & Co. endlich aufwachten, scheint es zu spät zu sein – das unfehlbare Apple läuft das Risiko tatsächlich von Spotify “disrupted” zu werden. Dass man dann mit Apple Music schliesslich doch noch einen vergleichbaren Dienst lancierte, brach dem einstigen First-Mover eher Spott als Lob.

Frisst die Digitale Disruptive Revolution hier etwa ihre eigenen Kinder? Die Antwort lautet JA. Siehe Telefon-SMS-Whatsapp oder TomTom-Google Maps oder Blackberry-Apple Denn auch für sie alle gilt Disrupt or be disrupted. Die Zeichen sind klar: Disruptionen sind unvermeidbar, ja schon fast ein Naturgesetz in der digitalen Welt und werden uns in den nächsten Jahren stetig begleiten. Noch mehr, die Geschwindigkeit der Innovationen wird noch zunehmen. Und die Konsumenten werden nicht mehr Monate oder gar Jahre brauchen, um ein neues Produkt oder eine Dienstleistung zu übernehmen. Nein. Es wird, wie so oft, über Nacht geschehen, ohne, dass die Platzhirsche darauf reagieren können. Weitsichtige Managers (oder sollte man sagen, Leaders) tun sich gut daran, sich darauf einzustellen und ihre Geschäftsmodelle stetig zu erweitern und steigt auf die Probe zu stellen. Ein Prototyping-Perpetuum sozusagen. Vergessen Sie den Glanz von Silicon Valley. Die digitale Zukunft klingt mehr nach “In Northeast Ohio, nothing is given. Everything is earned. You work for what you have.”, LeBron James.

Manuel P. Nappo

* Dieser Kommentar ist zuerst in der Handelszeitung erschienen