Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management mit Moritz Zumbühl berichtet Thomas Maeder:

Hat’s neben Facebook noch Platz für andere Social Networks oder Communities? Wann macht der Aufbau von einem/-r eignen Social Network/Online Community Sinn – und wie geht man dabei vor? Moritz Zumbühl, geboren an der Grenze zum Digital-Native ;-), gab uns hierzu heute spannende Gedanken mit auf den Weg.

Social Networks und Online Communities kommen und gehen. Dies zeigt zumindest die Wikipedia list of social networking sites, der schon ein bisschen ältere Artikel Social Network Sites: Definition, History, and Scholarship von D.M. Boyd und N.B. Ellison oder auch das Conversation Prism von B. Solis.

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Leider ist es nicht vorhersehbar, welche Plattformen diejenigen sind, die langfristig “überleben”. Auch wenn es aus heutiger Sicht fast undenkbar ist, gibt es keine Garantie, dass z.B. Facebook auch im Jahr 2020 noch so dominant wie heute sein wird. Wie dem auch sei. Es gibt auf jeden Fall gute Gründe für den Aufbau von eigenen, eigenständigen Networks/Communities. Aber Vorsicht: Der Aufwand hierfür ist nicht zu unterschätzen, und es braucht nebst einer durchdachten Strategie vor allem einen “langen Atem” – sprich Ressourcen für mehrere Iterationen. Bis sich eine Plattform wirklich durchgesetzt hat, dauert es i.d.R. mehrere Jahre. Dies zeigt die Entstehungsgeschichte von allen heutigen, erfolgreichen Social Networks/Online Communities.

Wieso sollte ich ein eigenes Netzwerk / eine eigene Community aufbauen? Was ist der Nutzen?

Social Networks/Online Communities vernetzen Menschen digital. Mit einem eigenen Netzwerk schafft man die Möglichkeit, eine Langzeitbeziehung zu und innerhalb einer spezifischen Zielgruppe zu schaffen. Netzwerke/Communities sind i.d.R. sehr nahe am Leben der Zielgruppe. Es entsteht ein konstanter, relevanter Dialog und Austausch. Die Community-Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer wiederum hinterlassen wertvolle Spuren in Form von Daten. Diese Informationen können z.B. für die Weiterentwicklung der Plattform selber oder für die Bereitstellung von spezifischen, personalisierten Funktionen, Produkten, Dienstleistungen oder von Content etc. genutzt werden.

Ein erfolgreiches eigenes Netzwerk kann somit verschiedenste Nutzenpotenziale erschliessen, von der Gewinnung von Business Insights, der Prozessoptimierung oder Crowdsourcing bis hin zur Grundlage für ein eigenes, neues Business Model.

3 Tipps für den Aufbau eines eigenständigen Netzwerks / einer eigenständigen Community

1. Ohne überzeugenden USP geht’s schief

Mittlerweile gibt es die verschiedensten etablierten Social Networks/Online Communities; v.a. allgemeine, sogenannte “general purpose”-Netzwerke wie Facebook oder LinkedIn. Ein neues, eigenes Netzwerk braucht also eine klare Differenzierung, einen USP, indem z.B. eine Nische im Sinne einer spezifischen Zielgruppe mit einem spezifischen Bedürfnis adressiert wird.

2. Fail fast, fail often

Es ist unmöglich, beim Aufbau einer eigenständigen neuen Community gleich von Beginn weg alles richtig zu machen. Fehler sind erlaubt und erwünscht. Wichtig sind deshalb Iterationen, also kontinuierliche Verbesserungen der Plattform aufgrund der Aktivitäten und des Feedbacks der Nutzerinnen und Nutzer, sowie bereits erwähnt ein genügend langer Atem.

3. Maximale Aufmerksamkeit erzeugen

Netzwerke/Communities leben vom Netzwerk-Effekt. Es braucht also rasch eine angemessene Anzahl Nutzerinnen und Nutzer, um die kritische Masse bzw. Nutzungsintensität zu erreichen. Hierzu ist es unerlässlich, alle möglichen Marketingaktivitäten (gleichzeitig) zu initiieren, um bei der entsprechenden Zielgruppe die nötige Aufmerksamkeit zu erzeugen und die aktive Partizipation im Netzwerk zu erwirken. Dazu eigen sich durchaus auch eher klassische Mittel wie E-Mail-Marketing, technische Lösungen wie z.B. die Nutzung des Facebook-Login, um die Einstiegshürden zu senken, sowie modernere Ansätze wie etwa Gamification.

Vielfältige Chancen und Möglichkeiten

Persönlich sehe ich vor allem noch ein grosses Potenzial für eigne Social Networks/Online Communities im B2C- und B2E-Bereich. Ein Unternehmen im B2C-Bereich kann z.B. eine Kundencommunity aufbauen, in welcher sich Kundinnen und Kunden gegenseitig helfen oder wo sie sich aktiv bei der Produktentwicklung einbringen können. Im B2E gibt es vor allem bei grösseren Unternehmen noch ein riesiges Potenzial, Mitarbeitende, welche sich für ein spezifisches Fachthema interessieren,  in Communities zu vernetzen und so auch schrittweise ein Enterprise Social Network zu etablieren.

Technisch sind die Hürden mittlerweile relativ tief. Es gibt sowohl fixfertige Open-Source-Lösungen wie auch kommerzielle Software für den Aufbau von Social Networks/Online Communities. Innert kürzester Zeit ist so eine neue Plattform bereit – aber eben, dann fängt die (Community-)Arbeit erst richtig an …