Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Online-Shops und die Entwicklung des sogenannten stationären Handels: Das wird wohl die interessanteste Story sein, was die nahe Zukunft des Konsums betrifft. Im Moment ist eines klar: Händler, die mit ihrem stationären Laden überleben wollen, müssen auch online für ihre Kundinnen und Kunden sichtbar sein. Das finden auch die Konsumierenden, von denen sich eine grosse Mehrheit wünscht, lokale Anbieter schnell und einfach im Internet zu finden.

Bis zu 50 % weniger Detailhandelsflächen

Ob die Ladengeschäfte in Shopping-Centers und in den Städten erfolgreich um Kunden buhlen können, ist eine Frage, die nicht nur die betroffenen Händler interessieren darf. Verödete Innenstädte und leere Läden wirken sich auf die Lebensqualität eines grossen Teils der Bevölkerung aus. Wie das dann aussehen kann, sieht man jetzt schon in den USA, wo sich die Shopping-Center entleeren:

In Nordamerika, wo die Distanzen riesig sind und die Verödung der Innenstädte schon vor Jahren mit dem Bau riesiger Einkaufszentren ausserhalb der Stadtgrenzen begonnen hat und auch im Internet-Zeitalter unaufhaltsam scheint, sind es nicht mehr nur die Innenstädte, denen die E-Commerce-Umsätze fehlen. Es sind die Malls, die grossen Einkaufszentren, wo immer mehr Läden schliessen. Experten rechnen damit, dass sich die Detailhandelsflächen hier in den nächsten 10 Jahren um bis zu 50 Prozent verringern werden.

Auch in der Schweiz nimmt Online-Handel zu

Allerdings läuft die Entwicklung in der Schweiz sehr ähnlich, wie auch die letzte Ausgabe der Onlinehandels-Studie der Universität St. Gallen gezeigt hat: Die zweijährlich erscheinende Untersuchung zum Online-Handel in der Schweiz kommt zum Schluss, dass der Einkauf immer häufiger im Internet beginnt und weitere Verschiebungen zu Lasten des stationären Handels zur Folge haben wird:

Die Verschiebungen gehen zulasten des Einkaufs im Laden, der in allen Branchen an Beliebtheit verliert. In einigen Branchen, wie dem Bekleidungshandel, könnte es in den nächsten (Jahren) zu einer Online-Kaufrevolution kommen,  sagt Prof. Dr. Thomas Rudolph, Direktor des Forschungszentrum für Handelsmanagement (IRM-HSG). Insbesondere die weibliche Kundschaft kaufe seit zwei Jahren Textilien wesentlich öfter online ein und suche im Netz nach Inspiration für neue Artikel.

Umso wichtiger wäre es, dass die lokalen Läden auch im Internet sichtbar sind, was gemäss einer neuen Studie meistens nicht der Fall ist – zumindest sehen das die Konsumierenden so.

Die Ansprüche wachsen

Viele Nutzerinnen informieren sich vor oder während ihres Einkaufsbummels im Internet. “Online suchen, stationär kaufen” ist ein durchaus logischer Ablauf in den Zeiten des mobilen Internets. Den Studienergebnissen zufolge findet aber nur eine Minderheit, was sie sucht. Bei der Online-Recherche nach stationären Anbietern – seien es Geschäfte, Restaurants, Dienstleister oder Handwerker – wird gemäß der Yatego-Local-Studie in Deutschland nur jeder Zweite auch tatsächlich fündig. Das seien “viel zu wenig”, meinen die Auftraggeber der Studie. Tatsächlich gehört die schnelle und leichte Auffindbarkeit lokaler Anbieter heute einfach dazu. Der Grossteil der Kunden erwartet, dass jeder Anbieter Informationen über Kontaktmöglichkeiten und Öffnungszeiten auf seiner Website bereitstellt. Aber auch Online-Infos über das Preisniveau, aktuelle Angebote und das verfügbare Sortiment halten heute bereits über die Hälfte der Befragten für selbstverständlich. Ebenfalls mehr als jeder Zweite erwartet, dass aussagekräftige Fotos ein Bild davon vermitteln, wie es vor Ort im Geschäft, Lokal oder in den Geschäftsräumen des Anbieters aussieht. Ausserdem schätzen die potentiellen Kundinnen die Möglichkeit, per PC, Tablet oder Smartphone zu bestellen oder zu reservieren.


Felix Walker ist Journalist, Autor und Übersetzer. In seiner Arbeit, zu der auch der Digital Society Report gehört, befasst er sich vorwiegend mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Er lebt in Novia Scotia, Kanada.