Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management zum Thema Personal Branding mit Yves Schneuwly berichtet Rahel Lehmann.

Als Einstieg ins Thema lässt uns Yves Schneuwly, Geschäftsführer von XING Schweiz, 5 Minuten unseren Sitznachbarn googeln. Es erstaunt nicht, wieviel wir im Netz über die Kollegen erfahren – ausser jemand entscheidet sich bewusst, nicht auffindbar zu sein. Warum aber ist dieser digitale Fussabdruck so wichtig auf dem heutigen Arbeitsmarkt? Und was muss man beim Personal Branding beachten?

“Your brand is what other people say about you
when you‘re not in the room.”
Jeff Bezos, CEO Amazon

Machtverschiebung auf dem Arbeitsmarkt

Die Arbeitswelt von heute unterliegt einer kompletten Transformation. Durch die Digitalisierung werden bis ins Jahr 2030 ein Drittel unserer Jobs verschwinden. Dafür entstehen neue Berufe, die wir noch gar nicht kennen. Geschäftsmodelle verändern sich, Uber, Airbnb und Coople lassen grüssen. Damit geraten auch die Unternehmen unter Druck. Wer die digitale Transformation verschläft, der verliert.

Man schätzt, dass in den USA im Jahr 2020 40% der Arbeitnehmer als Freelancer arbeiten werden. In der Schweiz sind es zurzeit 13%, Tendenz steigend. Um auf diesem fluiden Arbeitsmarkt an die richtigen Projekte (und die richtige Bezahlung!) zu kommen, braucht es Personal Branding. Wer keine digitale Präsenz hat, den gibt es nicht in dieser “lauten” Welt, in der im Internet alle 60 Sekunden Beachtliches passiert.

 

2018 This is what happens in an Internet minute

Für die nicht traditionellen Arbeitnehmer (Freelancer) bietet die Digitalisierung viele Vorteile. Der geplante Einstieg von Google in den Stellenmarkt wird auch in der Schweiz zu mehr Lohntransparenz führen. Die zunehmende Transparenz und der Kampf um Talente verschiebt die Macht weg vom Arbeitgeber hin zum Arbeitnehmer. Deshalb gelten für die Arbeitswelt von morgen neue Gesetze: Der Lohn bleibt wichtig, der Chef gewährt Mitbestimmung, man strebt nach weniger Belastung und mehr Freizeit, Familie und Beruf lassen sich vereinbaren durch flexible Arbeitszeiten, und immer mehr Menschen werden ihr eigener Unternehmer sein wollen.

5 Gesetze für die Arbeitswelt von morgen

5 neue Gesetze in der Arbeitswelt von morgen.
© Quelle: Marketagent Studien “Arbeitnehmer in der Deutschschweiz”, Februar 2018, “Neue Arbeitswelt”, Januar 2018.

Recruiting 4.0

Der Recruiter von heute arbeitet smart und nutzt alle Rekrutierungskanäle. Plattformen wie LinkedIn und XING machen es ihnen einfach(er), die richtigen Talente zu finden. Deshalb schreiben Unternehmen heute nicht mehr Stellen aus und warten, wer sich darauf bewirbt, sondern suchen proaktiv und gezielt nach Talenten und Fachkräften.

4 Tipps wie man gefunden wird:

  • Digital präsent sein
  • Netzwerk online und offline aufbauen
  • Profile laufend pflegen und optimieren
  • Persönliche Positionierung im Fachgebiet

Personal Branding

Es gilt also, seine eigene Marke zu positionieren. Dank Social Media ist das relativ einfach und kostengünstig – aber zeitintensiv.

5 Punkte zum Beachten:

  • Personal Branding ist mehr als Profilierung. Es ist die positive und authentische Darstellung deiner Person, deines Könnens und deiner Themen
  • Deine Darstellung darf nicht unrealistisch sein. Erwartungen und Ansprüche, die man mit deiner Personal Brand verbindet, müssen erfüllt werden
  • Deine Zielgruppe muss klar erkennen, warum sie gerade dir folgen sollte und welchen Nutzen sie davon hat
  • Ein Personal Brand ist das erfolgreiche Endprodukt einer längerfristigen, konzeptionellen Arbeit mit einer professionellen Umsetzung
  • Deinen eigene Personal Brand zu schaffen, bedeutet viel Zeit und Arbeit

Je stimmiger dein Profil, desto relevanter bist du für den Arbeitsmarkt. Wichtig ist, dass die eigene Marke authentisch ist – denn wenn dein “Offline YOU” nicht mit deinem “Online YOU” übereinstimmt, geht das Vertrauen verloren.

Personal Branding - Offline YOU = Online YOU

Personal Branding heisst nicht, sein gesamtes Leben offenzulegen. Jeder muss für sich selber entscheiden, wo seine Grenze liegt. Hobbies und Passionen sind Teil der Marke – die Familie nicht unbedingt.

Bevor du loslegst, deine Marke im Web aufzubauen, stelle dir zuerst ein paar Grundsatzfragen: Ist mein Post relevant? Poste ich Bilder meiner Kinder? Äussere ich mich politisch? Zeige ich nackte Haut? Habe ich die nötige Erlaubnis, ein bestimmtes Bild zu posten? Poste ich nur was ich am nächsten Tag nicht als Blick-Schlagzeile lesen möchte?

Und noch ein Tipp zum Schluss. 

Google dich ab und zu mal selber und prüfe: stimmt Google mit meinem Bild überein? Allenfalls löschen/updaten.

Mehr zum Thema gibt’s von Daniele Gallo im CAS Digital Leadership.

© Alle Fotos und Grafiken aus der Präsentation von Yves Schneuwly.