Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Patrick Comboeuf berichten Silvan Forster und Stefan Lienhard:

Gib es zu: Auch Du hast schon einmal nach Deinem eigenen Namen gegoogelt! Das ist überhaupt nicht schlimm – obwohl Du wahrscheinlich immer noch zu einer Minderheit zählst. Aber nicht nur Narzissten und Wichtigtuer, sondern auch Digital Leader “tun es”. Wenn Deine Antwort “Nein” lautet, empfehlen wir Dir, es trotzdem mal zu machen. Nicht, um Dein Ego zu stillen, sondern um Deinen “Personal Brand” zu überprüfen. Wir zeigen Dir heute, wie Du Dich selbst, Dein Wissen und Deine Stärken besser online abbilden und so schlussendlich die Fremdwahrnehmung Deiner Person steuern oder beeinflussen kannst.

Karin Friedli, unsere Dozentin, eröffnete den Unterricht mit Fotos von “Promis” und wollte von uns Begriffe hören, welche uns zu den folgenden Persönlichkeiten spontan in den Sinn kommen. Hier einige Kommentare aus unserer Klasse:

  • Steve Jobs: Visionär,  Ikone, Sektenführer, Genie, Neurotiker
  • Jan Böhmermann: verrückt, Marketingexperte, gezielter Provokateur
  • Adolf Ogi: Freude herrscht, bodenständig, Langläufer, Oberländer
  • Jacqueline Badran: polarisierend, unglaublich gescheit, provozierend, authentisch
  • Patrick Comboeuf: sehr vernetzt, visionär, Storyteller

Ob und wie sich diese Begriffe mit der Eigenwahrnehmung der Betroffenen decken, ist sekundär. Das Beispiel soll zeigen, dass (fast) jede Person mit Adjektiven, Emotionen oder Erfahrungen assoziiert wird. Anders gesagt gilt: “Personal Branding ist das, was bleibt, wenn man den Raum verlässt.”

Digital Personal Branding

Personal Branding ist an und für sich nichts Neues. Es liegt fast schon in unserem Urinstinkt, uns ein Bild über Personen zu machen, denen wir in unserem Leben begegnen. “Früher” geschah dies ausschliesslich im “Real Life”, durch den direkten und persönlichen Kontakt von und mit Menschen. Durch das digitale Zeitalter und namentlich wegen des Internets haben sich die Spielregeln und Möglichkeiten drastisch verändert.

Heute geschieht Personal Branding zwar häufig immer noch unbewusst, es wird aber immer öfter auch gezielt als Instrument eingesetzt, um sein eigenes Persönlichkeitsprofil zu kreieren bzw. zu schärfen. Häufig steht hier das Individuum im Kampf bzw. in einer Art “Wahrnehmungsdilemma” mit sich selbst: “Wie werde ich wahrgenommen?” vs. “Wie möchte ich wahrgenommen werden?”. Bei dieser ganzen Thematik sollten wir nicht nur die Vorteile behandeln, sondern auch die Risiken des digitalen Zeitalters nicht ganz ausser Acht lassen.

Chancen

  • Technik: mit ein paar wenigen Clicks ist Dein Profil erstellt und Du kannst rasch selber Inhalte veröffentlichen
  • Image: Du kannst das öffentliche Bild selber beeinflussen
  • Kanäle: es gibt unzählige Plattformen und somit Distributionsmöglichkeiten für Deine Inhalte/Meinung
  • Reichweite: Du erreichst ganz neue Leute und Zielgruppen
  • Networking: Netzwerke sind im Web sicht-­ und nutzbar

Risiken

  • Signal vs. Noise: im allgemeinen Rauschen wird Aufmerksamkeit rar
  • Das richtige Mass: professionelles Branding darf nicht in Spam ausarten
  • Das digitale Bild ist dauerhaft auffindbar (“Das Internet vergisst nie!”)
  • Missinterpretationen sind einfacher möglich als im persönlichen Kontakt
  • Privates vermischt sich mit Beruflichem

Woraus besteht Dein Personal Brand und warum ist der Personal Brand wichtig?

Dein Personal Brand ist weit mehr als Deine eigene Meinung darüber, wer Du bist. Denn dein Personal Brand besteht aus unterschiedlichen Perspektiven auf Deine Persönlichkeit.

Woraus besteht euer Personal Brand

Dein Personal Brand macht den Unterschied, darum: “Make it count!” Dabei geht es nicht darum, um jeden Preis mit allen gut auszukommen – zu einem einzigartigen Personal Brand gehören auch Ecken und Kanten. Ohne Authentizität, gespickt mit einer Prise Einzigartigkeit, geht Dein Brand heute schnell in der vorherrschenden Informationsflut unter. Gleichzeitig tust Du Dir auch keinen Gefallen, wenn Du Dir selber hunderte tolle Eigenschaften zuschreibst. Denn Personal Branding hat nichts mit Plagieren zu tun. Was Deinen Personal Brand wirklich definiert, ist, was Du mitbringst und was anderen hilft – optimalerweise natürlich so, dass es auch Dir selber etwas nützt.

4 Schritte zum besseren Personal Branding

1. Namen googeln & Profile checken

Also, los, geh’ auf Google und gib’ Deinen Vor- und Nachnamen ein. Schau Dir bei den Resultaten sowohl die Websites, aber vor allem auch die Bilder und vielleicht sogar die Videos an, auf denen Du namentlich erwähnt wirst. Nun hast Du einen ersten Anhaltspunkt. Falls Du Social Media nutzt, dann check Deine Profile: Haben alle aussagekräftige Biographien, sind Deine Profilinfos vollständig, die Profilbilder professionell, d.h. scharf, gut und kanalgerecht (z.B. Xing/LinkedIn vs. Facebook/Instagram)? Vergleiche Dein Profil mit und in Deinem eigenen Netzwerk: Welche Infos findest Du bei anderen Leuten? Suche Dir best-practices aus Deinem Umfeld oder Deiner Branche und nimm Dir die Zeit, um Dein Profil zu komplettieren.

2. Kreiere Deine Online-Persona

Wir haben Dir ein paar Leitfragen zusammengetragen, welche Dir helfen, Deine eigene STORY (nicht Deinen CV!) zu finden:

  • Was begeistert Dich? Warum?
  • Für welche Werte stehst Du (ein)?
  • Was hast Du zu bieten und wie kannst Du anderen nützlich oder behilflich sein?
  • Was sind deine drei Top-Stärken? (Tipp: frage Deine Freunde, Familie und Teamgspändli)
  • Von wem willst Du Dich abheben?
  • Wem eiferst Du nach?
  • Welche speziellen Charaktereigenschaften hast Du?

3. Mache aus Deiner Persona eine Marke

Nun geht es darum, das Online-Puzzle zusammenzufügen und zu entscheiden, wie Du effektiv online auftreten willst. Auch hier spielen unterschiedliche Themen eine Rolle, welche Wirkung und welchen Einfluss Du am Ende auf die Leute hast.

  • Auftreten, Stil, Persönlichkeit
    Wer und wie bist Du? Eher scheu, zurückhaltend und nüchtern oder offensiv, extrovertiert und polarisierend? –> Wie zeigt sich das in Deiner Online-Präsenz?
    Tipp: Sei authentisch und versuche nicht, Dich zu verstellen und Dir oder anderen etwas vorzumachen.
  • Kompetenzen & Kernthemen
    Für was stehen Dein Name und Deine Persönlichkeit und mit welchen Themen und Inhalten willst Du (nicht) assoziiert werden? Schreibst und erstellst Du selber Inhalte wie z.B. Fotos, Blog-Artikel oder gar Videos? Oder verbreitest und kuratierst Du “nur” News und Wissenswertes aus Deinem Interessengebiet?
    Tipp: Wähle Themen und Inhalte, die dich auch tatsächlich interessieren oder, besser noch, faszinieren.
  • Sekundäre Themen (“Small Talk”)
    Suche Dir Themen, welche Dich zwar interessieren, wo Du aber nicht unbedingt Spezialist bist oder Meinungsführerin sein willst. Zeige andere, vielleicht überraschende Facetten von Dir!
    Tipp: Hier hat es auch mal Platz für Humor und Lustiges.
  • Online-Präsenzen (Website, Blog, Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram, YouTube, …)
    Auf welchen Kanälen bist Du “zuhause”, wo fühlst Du Dich wohl und wo willst Du zusätzlich aktiv sein? Was ist z.B. in Deiner Branche oder Deinem Umfeld üblich und wo hast Du Chancen, Dich aus der Masse abzuheben?
    Tipp: Du kannst (und musst) nicht überall präsent und aktiv sein.
  • Netzwerke und Distribution
    An den vorherigen Punkt grenzt die Frage, wie Du Deine Inhalte streust und verbreitest. Nutzt Du ein Newsletter-Tool, E-Mail-Signaturen oder referierst sogar an Hochschulen und Kongressen?
    Tipp: Nutze auch Deine Offline-Kontakte – sie sind oft Gold wert.
  • Sprache, Tonalität
    Wie sprichst Du online? Nur auf Deutsch oder sogar mehrsprachig? Ist Deine Sprache einfach und verständlich oder eher Fachlatein? Variiert sie und ist sie effektiv zielgruppengerecht?
    Tipp: Dein Umfeld weiss Anstand, Rechtschreibung und korrektes Deutsch auch im Internet sehr zu schätzen.
  • Design & Gestaltung
    Wie ansprechend präsentierst Du Dich und Deine Inhalte? Ist Deine Website und/oder Dein Blog mobiloptimiert? Sind Deine Bilder im richtigen Format? Hast Du gar ein eigenes und ansprechendes Logo?
    Tipp: Wenn jemand, den Du kennst, Dir hier mit Logos etc. helfen kann, ist das immer gut investiertes Geld.

4. Kommuniziere zielgerichtet dank Personae

Deine Zielgruppe ist je nach Kanal, über den Du kommunizierst, eine andere. Überleg Dir also, für wen (für welche Persona) und wie Du über den jeweiligen Kanal kommunizierst. Als Hilfestellung kannst Du Dir für jeden Kanal eine bis zwei Personae definieren.

Für LinkedIn zum Beispiel “Christian”, der ein Kunde von Dir ist oder für Twitter “Sophie”, das “Cool Kid”, welches Deine Begeisterung für digitales Storytelling teilt. Dank den Personae kannst Du in Zukunft viel ziel- und damit empfängerorientierter kommunizieren und erreichst erst noch Deine eigenen Ziele. Einfach vor dem Veröffentlichen von Inhalten jeweils kurz prüfen, ob der Inhalt für Die für diesen Kanal definierte Persona auch wirklich interessant und relevant ist.

Hilfsmittel für das Definieren der verschiedenen Personae:

Arbeitsblatt Persona

Am Ende ist es, einfach gesagt, wie bei einem “Blind Date” – Du tauschst Dich über eine gewisse Zeit mit Deinem Gegenüber online aus, aber irgendwann kommt der Tag, an dem man sich im “Real Life” (z.B. bei einem #TweetUp) trifft. Spätestens dann fallen alle Masken und Fassaden und man kann einander praktisch nichts mehr vormachen. Also: Bei allen Online-Skills, die Du Dir antrainieren kannst, spielt am Ende auch Dein effektives und echtes Auftreten eine Rolle.

Zusammenfassend für den heutigen Unterricht ein Zitat des amerikanischen Authors Joseph Campbell: “The privilege of a lifetime is being who you are!” 

Tipps & Hilfsmittel für Dein Personal Branding

  • Authentizität: Sei Du selbst!
  • Behandle andere, wie Du selbst behandelt werden möchtest
  • Biete Deinen Fans, Followern und Lesern einen Mehrwert/Nutzen
  • Fokussiere Dich auf ein (Nischen-)Thema
  • Nutze Tools wie z.B. Google Alerts, um Deinen Namen zu “monitoren”
  • Checkliste für Dein LinkedIn-Profil

Das Schlusswort – die wichtigsten 3 Take Aways – überlassen wir aus lauter Goodwill und für ihr persönliches, digitales Branding Karin Friedli. 🙂

Was ist Deine Geschichte? Menschen verstehen und lernen durch Geschichten. Personal Branding ohne gutes Storytelling ist deshalb kaum vorstellbar. Lies diesen Blog-Post und lerne, wie Du mit einfachen Mitteln Storytelling betreiben und deinen Personal Brand einzigartig machen kannst. 😉