„Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business and Ecosystems mit Studiengangsleiter Ralph Hutter berichtet Bernhard Zindel.“

Der Kurs Ecosystems und Platform Economy bestreitet Ralph Hutter zusammen mit Dr. Rebecca Nüesch. Dieser Beitrag fokussiert sich vor allem auf den Teil Platform Economy.

Worin besteht aber grundsätzlich der Unterschied zwischen einem Ecosystem und einer Plattform? Nun ja, die Plattform für sich bildet die Drehscheibe und Grundlage für externe Services wie Apps. Solche Drittservices können über Schnittstellen (APIs) angebunden werden und sind mit Vorteil frei verfügbar und entsprechend dokumentiert. Eine Übersicht bildet folgende Grafik (Tiwana, 2013, Platform Ecosystems):

Platform Ecosystems

Schön beschrieben werden kann der Unterschied am Beispiel iOS oder Android. Die beiden Mobile Betriebssysteme bilden die Platform welche durch die App-Stores dem User die Möglichkeit geben, Apps zu installieren. Durch die frei verfügbaren SDK kann jeder Entwickler Apps für die jeweilige Plattform programmieren und nach einem standardisierten Prüfprozess zum Download im entsprechenden Store anbieten.
Dieses Zusammenspiel von Plattform (iOS, Android) mit Nutzer und Services ist die Grundlage eines Ecosystems. Jedem erfolgreichen Ökosystem liegt also eine Plattform und eine gewisse Offenheit gegenüber Nutzern und Serviceanbietern, eine aktive Community und ein lebendiges Businessmodel zu Grunde.
Wir erkennen somit grundsätzlich vier Teilnehmergruppen einer Plattform:

  1. Eigner – Er ist der Orchestrator, wie Google die Android Plattform besitzt
  2. Provider – Stellen Interfaces für die Plattform bereit, beispielsweise Handyhersteller, welcher Android installieren
  3. Produzenten – Nutzen die Plattform als Grundlage wie Apps
  4. Konsumenten und End-Nutzer – Kaufen Apps oder Inhalt der Plattform

Bekannte Beispiele von Ökosystemen wären Amazon (Handelsplattform), Twitter, Facebook, Alibaba oder auch SAP.
Über 50% der weltweit 30 erfolgreichsten Unternehmen sind Softwareanbieter und über 70% sind Ökosysteme. Stand 2017 sind 64% der wertvollsten Plattformen sind in den USA und 31% in Asien lokalisiert. Europa hält einen Anteil von gerade einmal 3% und die mit Abstand wertvollste Plattform im europäischen Raum ist SAP.

Marktkapitalisierung Top 10 Unternehmen

Man unterscheidet laut Deloitte University Press grob zwischen vier Arten von Plattformen:

Multiside- vs. Two-sided-Platforms

Plattformen können generell als Two-sided oder Multisided ausgestaltet werden. Währenddem Two-sided Netzwerke zwei abhängige Nutzer-Gruppen verbinden, verbinden Multisided-Plattformen mehrere Gruppen. Oftmals ermöglichen sie die direkte Interaktion untereinander. Als Beispiel kann hier Ebay oder Ricardo erwähnt werden. Die Plattformen treten nicht als Verkäufer sondern als Vermittler auf.
Jedoch leben alle Plattform-Arten vom Netzwerkeffekt. Je mehr Anbieter und Kunden desto grösser die Relevanz. So haben Netzwerke mit 2 Teilnehmer 1 Verbindung, mit 5 Teilnehmern bereits 10 Verbindungen und mit 1000 Teilnehmern knapp eine halbe Million möglicher Verbindungen.

Erfolgsfaktoren und Stolpersteine beim Plattform-Aufbau

Chicken-or-egg Problem:
Das grosse Problem mit dem Netzwerkeffekt. Man muss eine Strategie entwickeln um an Nachfrager wie auch Anbieter kommen. Das Ratio der Beiden muss zudem in einem geeigneten Verhältnis stehen.

Pinguin Effekt:
Adressiert das Problem, dass niemand die Plattform nutzt, bevor es nicht jemand sonst getan hat. Eine Chat-App wie Whatsapp lebt vor Allem vom Vorhandensein meiner Freunde auf der Plattform.
Abhilfe schaffen hier Goodies zu Beginn oder Influencer-Marketing.

Red Queen Effekt:
Die meisten Plattformen optimieren in den Kostenstrukturen oder Prozessverbesserung. Die Konkurrenten machen es gleich und das führt dazu, dass alle immer gleich gut sind. Ein gutes Beispiel sind Streaming-Plattformen für Musik.