Heute ging es weiter im Rahmen unserer Berliner Studienwoche Digital Real Estate mit Christian Hoffmeister von DCI Institute. Wer bis zu diesem Zeitpunkt glaubte, dass der Aufenthalt in Berlin aus leichten Vorträgen, Besichtigungen und viel Freizeit bestand, der irrte sich spätestens nach der Arbeit mit Christian. Er ging in seinen Ausführungen nochmals auf digitale Geschäftsmodelle ein und betonte: Platform is King.

Digitale Geschäftsmodelle einfach erklärt

Wir versuchen mit dem heutigen Wissen und mit den gelernten Modellen die Zukunft abzuschätzen. Christian zeigte dies eindrücklich am Beispiel von Ryanair. Wenn ein hoffnungsvoller Projektleiter vor 20 Jahren dem Verwaltungsrat der Swissair (ja, die gab’s damals noch) oder dem Vorstand von Lufthansa das heutige Businessmodell von einer Billigfluglinie wie Ryanair vorgestellt hätte, hätte er Spott und Hohn, gar blanke Ablehnung geerntet. Zu den Flügen meinte Christian, dass diese heute im Durchschnitt viel teurer wären als früher. Es lohnt sich, hier einmal zu vergleichen.

1 oder 0, dies ist die neue Sprache, die Software-Spezialisten in die Geschäftswelt einbrachten. Alles, was so erfasst ist, kann gemessen und gesteuert werden. Die Gründer der grossen Firmen aus dem Silicon Valley waren allesamt Entwickler. Ohne Branchenkenntnisse haben sie sich daran gemacht, ganze Industrien umzukrempeln.

Ein kurze Umfrage unter den Studierenden zeigte, dass die meisten keine Uhr mehr tragen, dass die jüngeren keine Tageszeitung mehr abonniert haben und dass sie Netflix zum traditionellen Fernsehen vorziehen.

Platform is King und sie bedeuten die Zukunft

In der Folge tauchte Christian Hoffmeister in die Welt der Plattformen ein. Er zeigte auf, dass ein digitales Unternehmen die Summe seiner vernetzten Plattformen darstellt. Die Plattformarchitektur erlaubt eine Vielzahl von Geschäftsmodellen. Nach Christian bedeutet:

  • Digital = IP basiert
  • Geschäft = Transaktion, Austauschbeziehungen
  • Modell = Abbildung von Struktur in einer vereinfachten Form

So ist Uber die Summe verschiedener, sehr komplexer Geschäftsmodelle, die da sind: Strassenkarten über Google Maps, Zahlungssystem, Routenplanung, Bewertung, etc. Damit das Modell verständlich wird, muss es vereinfacht darstellbar sein.

Das alte Schema von Lieferanten auf der linken Seite, von der Verarbeitung in der Mitte und dem zahlenden Kunden auf der rechten Seite, hat ausgedient. Jeder kann einmal Kunde, einmal Lieferant sein. Auch der Mitarbeiter ist innerhalb des Unternehmens Kunde. Dies erfahren wir immer dann schmerzlich, wenn Personalmangel herrscht.

Alt ist Alt, weil es Alt ist! Prozesse sind so definiert, weil es bisher nicht anders ging. Heute erlauben neue Technologien ganz andere Vorgehensweisen. Ob Apple, Google, Amazon: Sie alle haben bewiesen, dass sie die Plattform-Strategie beherrschen (siehe deren Plattform-Offensiven in den Bereichen Telekom, Gesundheit, Detailhandel, Energie, Medien, Unterhaltung, Finanzen). Können (oder wollen) es die „traditionellen“ Anbieter auch?

Obwohl Christian Hoffmeister sehr profund über Digitale Geschäftsmodelle spricht, ist er auch skeptisch geblieben. Müssen wir wirklich auf Teufel komm raus digitalisieren? Gibt es nicht auch ein bewusstes Abseitsstehen?

Besser zusammen als jeder für sich

Peter Staub, Studiengangleiter, fasste zusammen: Bei den Immobilienfirmen baut heute jeder seine vertikale Lösung, beispielsweise ein Portal. Mit Blick in die Zukunft müssen wir aber gemeinsam in Plattformen denken.

Besuch im deutschen Parlament

Zur Entspannung organisierte Peter eine Führung durch die Regierungsgebäude. Ganz eindrücklich das Büro des Fraktionsvorsitzenden der FDP, Christian Lindner, mit bester Sicht auf das Bundestagsgebäude. Damit die Damen und Herren Abgeordnete nicht Wind und Wetter ausgesetzt sind, können sie unterirdisch zwischen den Gebäuden wechseln. Höhepunkt war sicherlich die kleine Wanderung in der Glaskuppel über dem Plenarsaal. Bei unserem Besuch dominierten die Touristen im Bundestagsgebäude. Ab Morgen ist die Sommerpause vorbei und die Parlamentsbetrieb gewinnt wieder an Fahrt.

Eine Bemerkung zum Bild: In einem Innenhof gibt es eine Kunstinstallation, welche als Kunst-am-Bau eingebracht wurde. Es handelt sich um ein Beet, in dem die Abgeordneten aus ihren Wahlkreisen Erde mitbringen sollten. Diese Fläche wird nicht betreut, die Natur sollte sich frei entwickeln können. Als ich auf dieses Kunstwerk schaute, sah ich einen verdorrten Baum und sehr viel „Unkraut“. Gewidmet ist das Projekt „Der Bevölkerung“.  Ich deute die „Nature morte“ nicht als Sinnbild für den Zustand der deutschen Bevölkerung.