Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management berichtet Nicole Candrian:

Gleich zu Beginn des Unterrichts finden wir uns als Teil eines ungewöhnlichen Experimentes. Keine Unterlagen, keine Folien, geschweige denn digitale Unterlagen zum Vorbereiten oder zum sich Notizen machen. Ein kleiner Schockzustand für uns Studenten! Zuhören und selber notieren? Okay… Doch ich gebe zu, es war ein gemeinschaftliches «Phu» zu vernehmen als wir von Sarah Genner erfuhren, dass die Folien am Ende des Unterrichts folgen werden > Psychologie Teil I.

Der Inhalt des Kurses versprach Spannendes:

  • Technologie und Hype-Zyklen
  • Digitaler Graben und Digital Natives
  • Social Media und Persönlichkeit mit Gruppenarbeiten
  • Trends der Mediennutzung
  • Permanente Erreichbarkeit und Selbstmanagement

Wenn man folgende Grafik betrachtet, wird einem schnell klar, dass auch die vielen Ausprägungen der sozialen Medien dem normalen Hype-Zyklus unterworfen sind.

Hype Cycle

Gartner Hype Cycle of Emerging Technologies

Also doch keine weltbewegenden Neuerungen? War es bei bahnbrechenden Erfindungen nicht schon immer so?

Bei den Themen «Digitaler Graben» und «Digital Natives» ereilte die Mehrheit der Klasse die erschreckende Erkenntnis: «Juaaa, sind wir alt geworden». Wie schnell doch die Zeit fortschreitet! In kurzen Diskussionsrunden stellte die Fraktion «Immigrants» fest, dass die Liebe zum knuffigen Nadeldrucker, dem süssen Kassettenrecorder und den coolen schwarzen Scheiben auf denen in ganz viel kleinen Rillen Musik verpackt war, keineswegs abgeebbt ist. Aber gut, wenn es denn sein muss, dann versuchen die «Immigrants» eben mit der Fraktion «Natives» mitzuhalten und fügen sich den neuen Technologien.

Digital Native

In 4er-Gruppen behandelten wir anschliessend 4 brennend aktuelle Social Media Themen. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Erkenntnissen drangen wir in die Psyche von «Facebook Quitters» und dem berühmt-berüchtigten «DAU» (dümmster anzunehmender User) ein, prüften die Netiquette im Netz und durchschauten perfide Pläne für Smartphone-Spionage – Zeitgeist pur. Die Erkenntnisse daraus werden wir wohlweislich in unseren Alltag einfliessen lassen.

Die Trends der Mediennutzung sind auch ein bisschen von unserer Persönlichkeit abhängig. Vieles wird uns schon in der Kindheit mitgegeben und je nach Persönlichkeitstyp verhalten wir uns unseren Eigenschaften entsprechend im Netz. So könnte man behaupten:

  • Tendenziell neurotische Persönlichkeiten neigen eher dazu, Einsamkeit mit Hilfe von Internetnutzung zu überbrücken
  • Introvertierte Personen geben online mehr von sich preis als face-to-face
  • Extrovertierte Personen nutzen das Social Web mehr als Introvertierte
  • Gute Prädikator für Interesse an neuen Medien: hohe Werte bei «Offenheit für neue Erfahrungen»
  • «Gewissenhaftigkeit»; führt eher dazu, dass neue Medien nicht ausprobiert werden (um Prokrastination, also ein Aufschiebeverhalten, zu vermeiden).

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass wir uns in der digitalen Welt, nicht anders als in der realen Welt verhalten und bewegen, weil:

  • Wir soziale und emotionale Bedürfnisse befriedigen möchten
  • Wir negative Gefühle ausdrücken möchten
  • Wir Bestätigung und Aufmerksamkeit erhalten möchten
  • Wir uns unterhalten möchten
  • Wir unsere kognitiven Bedürfnisse befriedigen möchten

Bleibt also doch alles menschlich? Wir sind einstimmig der Meinung, dass die neuen Medien uns kaum komplett verändern werden.  Sicher aber ist, dass unsere Gesundheit und vor allem die Selbstdisziplin immer mehr gefordert werden. Noch mehr Kommunikation bedeutet auch eine Zunahme der Fehlerwahrscheinlichkeit, geteilte Aufmerksamkeiten, Schaffung unterschiedlicher Kommunikationskulturen und die Vergrösserung der Tempounterschiede im Alltagsleben. Die Konvergenz der Kommunikationsgeräte, der Online-Plattform, die Vermischung von Intimität und Öffentlichkeit, überhaupt die Trennung von Privat und Beruflichen werden uns noch viel mehr fordern als sie es heute schon tun.

Diese intensive und extrem kurzweiligen Lektionen, lassen nur ein Fazit zu: Euphorie und kritische Stimmen begleiteten jedes neue Medium! Schlussendlich ist jeder selbst für sich und sein Gesundheits- bzw. Zeitmanagement verantwortlich.