Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management berichtet Antje Brechlin:

Psychologie im Netz – das war unser Thema. Dies umfasst eine riesige Spannbreite. Ich versuche es wenig zusammenzufassen und “Beziehungen im Internet in Bezug auf Beziehungen im realen Leben” zu stellen.

Wie im realen Leben auch, braucht jeder Mensch Beachtung und Aufmerksamkeit. Doch ist das Mass der Profilierung unterschiedlich gross. So geschieht es auch im Netz. Dort bekommt man Aufmerksamkeit – je nachdem, ob man mehr oder weniger auf Social Media Kanälen unterwegs ist. Da gibt’s – wie auch im wahren Leben – viele die nur zugucken, andere die sich ab und zu mal zu Wort melden und ein paar wenige die Wortführer sind. Aber alle sagen: “Wir sind dabei und können mitreden!”

Im “Real Life” muss man sich manchmal äussern, ob man will oder nicht. Zum Beispiel wenn das Telefon klingelt. Ruft jemand an, nimmt man das Gespräch an, oder nicht – auf jedem Fall wird eine gewisse Synchronität erzwungen. Der Anrufer übt sozusagen eine gewisse Macht auf den Angerufenen aus. Er muss reden, ob er will oder nicht. Im Netz gibt es diese Synchronität bisher nicht.

Sehr spannend ist auch das “Jugendthema”: Wahrscheinlich seit Menschengedenken versuchen sich Jugendliche von den Eltern und Erwachsenen abzugrenzen – böse gesagt, fernzuhalten. Dies gelingt ihnen ebenfalls in den Social Media Kanälen. Ein Grund, weshalb Facebook bei den 13-18 jährigen eine untergeordnete Rolle spielt, ist sicher auch, dass deren Eltern sich dort mehr und mehr tummeln. Jugendliche wollen Netzwerke, die unabhängig sind von den Eltern. Bislang sind das (noch) Instagram, Vine oder Snapchat.

Es gibt ja immer wieder Menschen, die Angst haben, dass durch Social Media “echte Freundschaften” zu kurz kommen. Denen kann man ganz beruhigt sagen: Ist nicht so! Mit Social Media Kanälen werden vor allem die “weak ties” bewirtschaftet, während man sich mit “strong ties” viel eher in einer richtigen Bar trifft.

Zum Ende wurde die sehr interessante Frage gestellt: “Braucht es im Netz ein Recht auf vergessen?” – und wenn ja, wie müsste dies aussehen? Da gibt es natürlich viele verschiedene Ansätze, die allesamt sehr spannend sind.

Wer Interesse an sehr interessanten Studien zum Thema “Social Media Umgang in der Bevölkerung und deren Nutzungsverhalten” lesen möchte, dem sei die Seite des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) ans Herz gelegt.

Psychologische Studien zum Social Media Umgang