Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management schreibt Elisabeth Giovanoli:

Hype, Hysterie oder Revolution? Wird jetzt alles anders?

Twittern wir nutzlos in den Äther oder sind wir Teil einer revolutionären Veränderung? Diese und viele andere Fragen stehen im Raum. Von unserer heutigen Dozentin Sarah Genner folgen dazu zahlreiche Antworten. Märchen, das sind nicht mehr “Rotkäppchen und der böse Wolf”, sondern Obama als first wired president. Ein Bündner Bergdorf, das plötzlich mit 45.000 Likes jeder kennt. Das sind die Märchen der Zukunft.

Social Media auf der Couch.  Wer nutzt was, wie und warum?

Springen wir wie Spiderman über den Graben der digitalen Kluft? Soziale Ungleichheiten werden sich nicht auflösen und Dorian Gray findet würdige Nachfolger im Netz. Narzissmus via YouTube, Facebook oder Instagram hat Hochkonjunktur. Behält Miriam Meckel Recht, wenn sie schreibt: der Computer weiss, wie wir entscheiden werden? NewsFeeds erfassen unser Leben besser als wir selber es könnten und trichtern uns mit massgeschneiderten Inhalten zu. Stirbt der Zufall aus, wenn wir ihm keine Chance mehr geben? Gemeinsam erklimmen wir den Gipfel der überzogenen Erwartungen und stürzen wie Lemminge ins Tal der Enttäuschungen. Oder haben wir das Plateau der Produktivität bereits erreicht?  Digital Natives bloggen schon mit der Muttermilch, das Geburtsjahr entscheidet mit. Heute schreiben Menschen Medienbiografien und in Stelleninseraten steht: “suchen Digital Native”.

Social Media ist Echtzeit

Social Media ist kein Kochbuch nach Rezept, Social Media ist am Puls des Lebens und überrascht uns jeden Tag von Neuem. Im Mittelpunkt steht die Frage: Welche Wege geht die neue Generation? Wir versuchen zu erfassen, was sich täglich ändert. Jugendliche chatten, checken, posten, bloggen… Die Älteren besuchen Kurse, um mithalten zu können.

Ausnahmen und nicht die Regel

Die Kampagne “Slow Down, Take it easy” hat gezeigt, es muss nicht unbedingt über Social Media kommuniziert werden, um Natives zu erreichen. Sticker, TV Spot und Plakat können auch heute noch zum Erfolg führen. Nicht alle besteigen den Social-Media-Zug. Die Mehrheit schwimmt mit dem Strom, einige bewusst dagegen. Nicht alle verschmelzen zum PRODUSER, Content-Producer und User. Lurkers werden weiterleben. Das Internet ist ein Massenmedium abhängig von unberechenbarer Aufmerksamkeitsverteilung. Viele kriegen nur wenig mit. Von 190 Millionen Twitter-Nutzern twittert nur eine Elite von 20.000. This is reality.

“Alone Together”

Wir vermischen immer häufiger Intimität und Öffentlichkeit. Die Grenze zum Privaten müssen wir selber ziehen. Anonymität verleiht keine Flügel, aber enthemmt nachweislich. eETIQUETTE ist eine gute Richtlinie. Jedoch – wo kein Kläger, auch kein Richter. Das Glück der Unerreichbarkeit von Miriam Meckel zeigt uns den modernen Kommunikationsinfarkt, zudem es noch keine Behandlung gibt. Wenn Sherry Turkle “Alone Together” antönt, ahnen wir bereits, was das heissen könnte. Zum Abschluss füllen wir den Glaskrug mit Steinen und fragen: Wann ist der Krug wirklich voll? Und es geht immer noch mehr.