Von der Study Tour in Tel Aviv der CAS Digital Masterclass, organisiert durch  Manuel P. Nappo, Oliver Flückiger and Jenny Havemann, berichtet Student Yvonne Kuna-von Zerssen:

Tag 3 unserer Studienreise und das Program führt uns raus aus dem vibrierenden Tel Aviv rein ins Landesinnere. Wir begeben uns  in die Hauptstadt Israels,  zur Grabstätte Jesu eingebetet in den judäischen Bergen zwischen dem Mittel- und Totem Meer liegt Jerusalem. Es wäre weit gefehlt anzunehmen, dass dies ein rein historischer Ausflug wird – uns erwartet ein spannender Einblick in Jerusalems Ecosystem und Innovations Hub. Das Program klingt vielversprechend zu werden, aber macht euch am besten selbst ein Bild.

Die Reise – wo bleiben die “Stühle”?

8:00 Uhr früh, einwandfreier Schweizer Planung zufolge ist nun Abfahrt. Nun ja, wir wurden von niemand geringerem als den Israeli’s selbst gebrieft, dass hier nicht immer alles so perfekt ist. Somit darf man auch damit rechnen dass der Fahrer nicht ganz so pünktlich erscheint.

45 Minuten und 3 Telefonate später sitzen alle im Bus und es geht los. Bekanntlich soll der Tag nicht vor dem Abend gelobt werden. Die nächste Aufregung kündigt sich an als wir auf der Autobahn hupend einen Bus, welcher auf dem Pannenstreifen parkt, überholen und es den Anschein macht als würden wir nun ebenfalls auf dem Pannenstreifen zum stehen kommen.  Zum Glück war dies nicht der Falll, anstelle dessen folgt uns der andere Bus und bei der nächsten Parkmöglichkeit gibt es einen Fahrzeugwechsel.  Warum nicht..die Reise nach Jerusalem hat ja entfernt irgendwas mit wechseln von Sitzen zu tun. „STOP“ ! Es schreit unisono im Bus Richtung Fahrer, welcher das bereits fahrende Gefährt halb lachend halb schockiert zum halten bringt. Aber was ist los, warum diese Aufregung?

Ein Student hat seinen Sitz noch nicht gefunden, geschweige denn dass er sich überhaupt im Bus befindet.  Da war wohl was mit einem brennenden oder vielleicht nun auch nassem Busch… glücklicherweise sind nun alle wieder vollzählig und es geht los –  die Reise nach Jerusalem.

Jerusalem’s Deputy Major

10:16 Uhr, wir treffen bei OurCrowd ein wo uns bereits die stellvertretende Bürgermeisterin von Jerusalem erwartet.
Fleur Hassan-Nahoum, Geboren in England, aufgewachsen in Gibraltar und seit 18 Jahren in Israel. Ihre Energie sprüht durch den Raum – sie spricht von Jerusalem als grösste und zugleich ärmste Stadt in Israel. Gründe hierfür sieht sie in der Zusammensetzung der Bevölkerung.

The Human Capital Gap

37% der Population bildet die Arabische Bevölkerung von welcher der weibliche Anteil aus kulturellen Gründen nicht arbeitet. 25% der Population bildet die Ultraorhtodoxe Bevölkerung. Männer arbeiten aus religiösen Gründen nicht, die Frauen nur zum Teil. Diese Bevölkerungsgruppe hat im Schnitt 7-8 Kinder welche von den Frauen umsorgt werden.
Fleur Hassan-Nahoum’s Vision ist bis zu 28% der weiblich arabischen Bevölkerung in die Arbeitswelt zu integrieren. Die Stadt baut auf Innovationsprojekte und Kinderbetreuung so Hassan-Nahoum.
Des weiteren sollen Orthodoxe Männer an der Universität Zugang zu Computer Engineering Studiengängen ermöglicht werden. Israel mangelt es an Computer Ingenieuren während das Potential an human capital brach liegt. Weitere “upskilling” Möglichkeiten sieht Hassan-Nahoum bei den bereits arbeitenden Orthodoxen Frauen.

Jerusalems Ecosystem

Sie spricht von einer erfolgsversprechenden Verbindung zwischen dem Staat den Universitäten und der Wirtschaft um eine Bewegung hervorzubringen welche ein innovatives Ecosystem kreieren soll. Ein magisches Dreieck quasi welches die erfolgreiche Start Up Nation von Tel Aviv nach Jerusalem bringen soll. Das Schlagwort hier lautet „Prosperität”.
Aber wie soll dies genau aussehen? Zum einen über ein Benefit Package der Stadt, dies beinhaltet Steuererleichterungen von 13% auf 7% und des weiteren Erlass auf weitere Steuerabgaben und Arbeitsräume.

Das Wunder von Jerusalem?

Fleur Hassan-Nahoum gibt unmissverständlich zu verstehen dass dieser Wandel nicht über den politischen Weg beschritten werden kann. Vielmehr baut Sie auf den Einfluss der Aktivisten und der führenden Figuren in der Geschäftswelt.

„The trick is to not disturb the Political Leaders. Revolution starts with education – let’s start with giving Arab kids access to English and Hebrew classes, and Orthodox kids access to English and Mathematic classes, show them Prosperity.”
Weiter sagt Hassan-Nahoum das der erste Schritt zu einer besseren und friedvollen Zukunft bedeutet Fehler einzugestehen, von beiden Seiten, „ I am willing to say we where wrong“ weiter lautet ihr Anspruch „the other side has to do the same”.

Es bleibt nur viel Erfolg und gutes Gelingen zu wünschen.

A $ 15 Billion Exit

11:20 Uhr, einmal quer durch Jerusalem, next stop Mobileye! Mobileye ist ein Hersteller für Fahrassistentzsysteme mit Fokus auf autonome Fahrtechnologien zwecks Unfallprävention. Mois Navon, auch bekannt als der Rabbi – ( schlagt es nach ) erwartet uns bereits mit wachsender Ungeduld, dies tut jedoch seinem Charme nichts ab. Auf den bisherigen Etappen unserer Studienreise war Mobileye allgegenwärtig, es gab kaum ein Vortrag in welchem dieses Unicorn, welches in der Geschichte Israels den bis anhin höchsten Exit Preis erzielte, unerwähnt blieb.

Mois Navon, Erfinder DES Chips den Intel sich $ 15,3 Milliarden kosten lies führt uns in das Geheimnis des Powerhouse of Innovation ein. Damit meint er Israels start up Ecosystem. Trotz technischer Patzer (wie beruhigend und sympathisch, dass dies den Besten unter uns passiert ) erzählt sich sein Werdegang wie ein packendes Hollywooddrama.

Es fehlt nicht an Höhen und Tiefen, der Protagonist sprüht for Witz und Intellekt . Sein Appel zum Schluss ist stark angelehnt an seine Religiöse Gesinnung.

Gam zu I’tovah

“When things don’t go the way you expected them to go – Remember Gam zu I’tovah, which translates into: this is for the Best.”

Bedächtig verlässt unsere Delegation den Vortragsraum und es es geht in die Garage wo wir Mobileyes ersten Prototyp zu Gesicht bekommen.

Interessant aber nicht überraschend, Mobileye wurde in Holland registriert  aber das R&D Center ist in Israel. Mois Navon spricht vom Kauf von Mobileye durch Intel und dessen Auswirkungen auf Israel als Geschäftspartner. Intel’s entscheid Mobileye unter gleichem Namen weiterzuführen unterstütze den  Paradigma Shift welcher dazuführte, dass Israel nun Global als Geschäftspartner anerkannt wurde. Bis auf Toyota kam jeder Fahrzeughersteller nach Israel auf der Suche nach technologischen Lösungen für AV, Autonomous Vehicle Driving.

Wie sieht die Zukunft aus?

Was für einen Einfluss wird AV Driving auf die Gesellschaft haben? Mobileye ist überzeugt, dass es zu einer 85%igen Reduktion von Fahrzeugen im Eigenbesitz kommen wird und sich die heutige Anzahl von Todesopfern im Strassenverkehr massiv verringern wird. Gamechanger Nummer 1 ist die Strassen sicher zu machen. Die grösste Hürde sieht Mois Navon in der Verbindung von Sensoren und erschwinglichen Radarsystemen (LiDar und Radar) welche in ihrer Verbindung eine absolute Sicht in allen Situationen ermöglichen, unabhängig von Sicht-, Wetter- und Klimabedingungen. Was Mois Navon antreibt beschreibt er im Video unten.

 

Zurück zu Hause, neben dem philosophischen Appel ertappe ich mich wie ich mich vermehrt auf die technischen Helfer in und am Fahrzeug achte, und Ihr?

OurCrowd

13:15 Uhr, wir sind zurück beim OurCrowd, Israels aktivster Capital Venture Platform mit über $ 1 Milliarde gebundenen Geldmitteln. Der Beginn der Präsentation wiederholt sich mit Konsistenz mit dem was bis anhin überall gehört wurde, die geheime Rezeptur welche so viele Start-ups in Israel hervorbringt.  Der Purpose bleibt auch hier nicht unerwähnt.

“We are here to change the world – doing good. OurCrowd is investing in Life”

Was wir über OurCrowd erfahren ist, dass die Firma 6 Jährig ist und sich zum Ziel gesetzt hat über Ihre Platform Geldgeber und Investitionssuchende zusammenzuführen. Bekannte Beispiele von Startups die von Ourcrowd unterstütz wurden sind Beyond Meat oder Lemonade. Die letzt genannte Firma ist bekannt für ihr disruptives Produkt welches einen Teilbereich des Versicherungsmarkt aufgerüttelt hat. Die Reaktion eines grossen Versicherers und die darauffolgenden Konsequenzen führten zu einer ziemlich lustigen und ungewollten Situation – schauts euch an unter: Statefarm Attack Ad on Lemonade backfires. Diese ist nur ein Beispiel dafür wie die grossen, alteingesessenen Giganten auf neue digitale Geschäftsmodelle vorbereitet sind, nämlich kaum! Ein berühmtes Beispiel ist Blockbuster, 10 Jahre vor dem Bankrott sagte der damalige CEO das Netflix nirgendwo auf dem Radar sei und lehnte eine Kauf-/Investitionsanfrage ab.

Wir bleiben gespannt auf all die Start-ups welche mit Sicherheit alteingesessenen Giganten und Geschäftsmodelle neu aufrütteln werden.

Vom Innovations Hub in die Hauptstadt der Religionen – Jerusalem’s Altstadt

Wir betreten die Mauern der Altstadt durch das Jaffator welches an den Armenischen Teil angrenzt. Im Inneren begegnen sich viele Kulturen und Religionen. Nicht unumstritten stellt man unmittelbar fest, dass Leben hier findet nicht miteinander sondern nebeneinander statt. Die Altstadt ist aufgeteilt nach muslimischem, jüdischem, christlichem und armenischen Vierteln und wird von einer Mauer umgeben. Unsere Route führt uns von der Klagemauer zur Grabsekirche Jesu und wir erhaschen einen kleinen Einblick in diesen Geschichtsträchtigen Fleck Erde.

Wusstet ihr dass man der Klagemauer auch SMS und E-mails senden kann?#virtualreligion, Glauben im Jahr 2019.

Ein eindrücklicher Tag neigt sich dem Ende zu. Vollgepackt mit neuen Endrücken und Erfahrungen begeben wir uns zurück nach Tel Aviv. Bereichert um das Wissen, dass Jerusalem nicht nur die (Umstrittene-) Hauptstadt  der Religionen ist aber auch ein wichtiger Innovations Hub für Israelische Start ups.
In einer weiteren warmen Sommernacht trinken wir auf Sandra – Happy Birthday again- , den unschlagbaren Klassengeist und die lauen Sommernächte Tel Aviv’s, Gam zu I’tovah.