Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Luc Schuurmans berichtet Daniel Troxler.

Setzt sich der Robo Advisor im Wealth Management durch? Die wachsende Verbreitung vom Internet und die fortschreitende Digitaliserung stellt die Finanzdienstleister auch im Wealth Management vor  Herausforderungen.

Vier Geschäftsmodelle in der digitalisierten Anlageberatung

In der Studie Digitales Anlegen, herausgegeben von der Swisscom e-foresight und dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), können vier verschiedene Modelle in der digitalisierten Anlageberatung verfolgt werden. Sie unterscheiden sich im Leistungsumfang und in der Beratungsintensität:

1. Social Trading

Anleger veröffentlichen ihre Anlagetätigkeit für eine interessierte Follower Gruppe. In diesem Lead-Follower-Konzept teilen Anleger ihre Handelsstrategien (Leader) mit anderen Teilnehmern (Follower). Die Follower können diese kommentieren und replizieren. Diesem Modell liegt eine fixe Verwaltungsgebühr zu Grunde, ergänzt mit einer Performance basierten Gebühr. Diese Performance-Gebühr soll ein Anreiz für die Leader sein, da sie nur dann incentiviert werden, wenn ihre Anlagestrategie eine positive Rendite abwirft.

2. Robo Advisor

Der Robo Advisor ist ein digitaler Vermögensverwalter, der aufgrund seines Algorithmus ein Kunden-individuelles Anlageportfolio online zusammenstellt. Weitere Ausführungen zu Robo Advisor sind zu finden im Blog “Robo Advisor – ein Rohdiamant“. Die hohe Automatisierung und Standardisierung und der weitgehende Verzicht auf kostenintensive Beratungsunterstützung macht dieses Modell insbesondere bei FinTechs sehr beliebt. Luc Schuurmans, Leiter Private Banking der Bank Linth äussert sich in einem Artikel von finews.ch, dass für eine regionale Bank die Nachfrage nach einem Robo Advisor Ansatz (vorläufig) zu gering ist und dass im Private Banking eine solche Lösung sich kaum durchsetzen wird.

3. Hypbrides Modell

Dieses Angebot eignet sich primär für Retail und Affluent-Kunden, die tendenziell Kosten-bewusst sind. Denn das Modell ist eine Symbiose vom Robo Advisor Ansatz und dem vierten Modell des Beratungs-unterstützten digitalen Anlegen. Wie beim Robo Advisor basiert der Anlageprozess ausschliesslich auf Algorithmen, was sich in tiefen Gebühren auszahlt. Der Kunde kann aber bei Bedarf zusätzlich Beratung in Anspruch nehmen. Es gibt Modelle, wo jede Beratung kostenpflichtig ist und andere, wo in einer Pauschalen eine gewisse Anzahl von Beratungsgesprächen bereits enthalten ist. Beispiele für das hybride Modell finden sich bei der BLKB, der Baloise Bank SoBa oder der Bank Linth.

4. Beratungsunterstütztes digitales Anlegen

Dieses Modell ist der Gegensatz zum Robo Advisor, denn es weist einen hohen Leistungsumfang und ein umfassendes Beratungsangebot auf. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass der Kunde seinen Berater jederzeit kontaktieren kann. Auf der anderen Seite erhält der Kunde auch systemgesteuerte Push-Benachrichtigungen und kann Informationen über die Performance in einem online Dashboard selber mitverfolgen. Gemäss den Autoren der Studie bedeutet dies jedoch nicht, dass aufgrund der abnehmenden Informationsasymmetrie eine sinkende Interaktion zwischen dem Kunden und Berater reultieren muss. Der Mehrwert an automatisierten Informationen kann den Kunden dazu verleiten, den Kontakt mit seinem Berater zu intensivieren. Der Kunde bezahlt in der Regel eine sogeannte Flat fee.

Private Banking 3.0

Im Artikel Private Banking 3.0: Advisory – die Anlageberatung der Zukunft äussern sich Luc Schuurmans, Leiter Private Banking der Bank Linth und Dr. Gabriel Brenna, Leiter Division Private Banking der Liechtensteinischen Landesbank, wie folgt “Sognannte Robo-Advisory Lösungen sind in den letzten Jahren im Private Banking stark thematisiert worden. Dabei wird oft ausgeblendet, dass diese Lösungen in aller Regel für selbständige Investoren gedacht sind. Sie zielen auf Kunden ab, die keine Interaktion mit einem Berater wünschen”.

Hybrides Modell als möglicher Ansatz für Retailbanken

Die Banken müssen sich mit neuen Geschäftsmodellen im digitalen Anlegen auseinandersetzen. Die reine Robo-Advisory-Lösung ohne Beratung ist ein Ansatz insbesondere für FinTechs, da das Potential bei Retailbanken (noch) zu klein ist. Hingegen kann das hybride Modell ein möglicher Lösungsansatz sein.