Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Reto Gadient berichtet Christoph Aumayer.

Am Freitag, 19.10.2018 stand eine Sightseeing-Tour ins Crypto Valley in Zug an. Organisiert durch Reto Gadient und unterstützt durch zwei Redner stand am Morgen die Theorie rund um Blockchain und Crypto Currencies im Vordergrund. Da uns diese Themenwelt nicht mehr ganz neu war – wir durften das Themengebiet bereits in einem der letzten Module beschnuppern – lag der Hauptfokus des Morgens auf ICOs.

Der etwas andere Weg zum Börsengang – der ICO

Die Abkürzung «ICO» steht für Initial Coin Offering und beschreibt grob gesagt eine neue Art der (Unternehmens-)Finanzierung, ähnlich einem Börsengang. Im Unterschied zu Letzterem wird ein ICO von Unternehmen im Rahmen eines Crowdfundings verwendet, deren Geschäftsmodell, Produkt oder auch erst die Idee auf Cryptocurrencies o.ä. basiert. Ein weiterer grosser Unterschied zu bekannten, klassischen Finanzierungsmethoden ist die Tatsache, dass eine Firma durch einen ICO den streng regulierten Prozess der Kapitalaufnahme, der von Venture Capitalists, Banken oder Börsen meist vorgeschrieben wird, umgehen kann. So wird in einem Initial Coin Offering ein Anteil einer neu emittierten Kryptowährung im Austausch gegen staatlich emittierte Währungen oder gegen andere Kryptowährungen wie bspw. Bitcoin verkauft.

Abflug in ungeahnte Höhen

Nach einem individuellen, gemütlichen Mittagessen in einem nahegelegenen Restaurant traf man sich nachmittags in den Büroräumlichkeiten der Firma Luxoft an der Gubelstrasse 24, im höchsten Gebäude der Stadt Zug! Im 21. Stockwerk, trotz Ablenkung durch eine grandiose Aussicht über Zug, dem Zugersee und den fernen Alpen lag das Thema aber weiterhin bei Blockchain & Co. Im Gegensatz zum Morgen stand am Nachmittag nun aber die Praxis im Vordergrund.

Blockchain und die Zukunft des Immobilienmarktes

Eröffnet wurde die Session von Bastiaan Don, Managing Director von blockimmo AG. Zusammen mit 2 Entwicklern aus Australien und den USA ist Bastiaan auf bestem Weg, seine Idee eines effizienten und transparenten Immobilienmarktes zu etablieren. Im Gegensatz zu anderen Playern in diesem Segment fusst sein Geschäftsmodell auf einer Blockchain. Seine Plattform und das dadurch geschaffene Ökosystem ermöglicht einer Vielzahl von Investoren auf sehr einfache Art verteilte Immobilieninvestitionen und -Besitz. Das von der liechtensteinischen Finanzaufsicht bereits freigegebene Konzept wartet nun noch auf die Freigabe durch die Schweizerische FINMA. Mit der Hoffnung, das finale Go sehr bald zu erhalten, möchte blockimmo so richtig durchstarten und den Schweizer Immobilienmarkt «disrupten».

BitBox – das Hardware-Wallet

Das Hardware-Wallet «BitBox» nimmt sich einem zentralen Sicherheitsproblem an: dem sicheren Speichern der privaten Schlüssel («Private Keys»). Diese gelten in Kryptokreisen als DAS schützenswerte Asset, denn einmal Abhanden gekommen oder kompromittiert, verabschiedet sich gewöhnlich der Wert des eigenen Wallets auf Nimmerwiedersehen!

Mit BitBox soll dies gar nicht erst passieren können, wie uns anschaulich gezeigt wurde. Durch die Kombination eines Mikrokontrollers mit einem manipulationssicheren Schlüsselspeicher in Form eines «High-Security Chips» hat der Hersteller SHIFT Cryptosecurity ein Hardware-Wallet in Form eines USB-Stick ähnlichen Gehäuse geschaffen. Das Problem des sicheren Backups der Schlüssel ist mittels SD-Karte realisiert, wofür der Token eine entsprechende Schnittstelle besitzt. Eine App auf einem Mobiltelefon schliesslich ermöglicht eine sogenannte 2-Faktor Authentisierung, die den Zugriff auf die im Token gespeicherten Schlüssel kontrolliert.

Von Würmern, Bienen und Fabelwesen

Zum Schluss unseres Besuches der Zuger «Aussichtsplattform» wurden wir in 4 Gruppen aufgeteilt. Es galt die folgenden beiden Aufgaben zu lösen:

  1. Erstellt eine Zeichnung, wie Ihr Euch Blockchain bildlich vorstellt.
  2. Beschreibt kurz eine Real-Life Anwendungsmöglichkeit der Blockchain-Technologie.

Die nachfolgenden Abbildungen zeigen anschaulich die originellen und vielsagenden Ergebnisse der einzelnen Gruppen:

Das Crypto Valley Lab

Der Abschluss eines äusserst lehrreichen Tages bildete eine kurze Besichtigung des Crypto Valley Labs direkt neben dem Bahnhof. Gegründet durch die Zuger Investorengruppe Lakeside Partners wurde auf dem LG-Areal in einem Gebäude der Alfred Müller AG ein zentraler Standort für Unternehmen und Start-ups im Bereich der Blockchain-Technologie geschaffen. So sind heute dort weit über 100 Firmen «unter einem gemeinsamen Dach» vereint und mieten die vom Lab zur Verfügung gestellten, begehrten Co-Working Spaces. Ebenfalls im gleichen Gebäude befindet sich die Crypto Valley Association.