Von der Studienreise nach San Francisco ins Silicon Valley, Tag 4, 30.11.2017, des CAS Digital Leadership mit Patrick Comboeuf und Gert Christen berichten Alex Sperb und Jonas Epp.

Swissnex

Heute Donnerstag haben wir den Morgen bei Swissnex im Pier 17 in San Francisco direkt am Meer verbringen dürfen. Als Einstieg hat uns Benjamin Bollmann, Head of Science, die lokale Swissnex Präsenz vorgestellt, die 5 Standorte weltweit betreibt und uns spannende Einblicke in den lokalen Start-up Support der Schweiz in San Francisco gegeben. Swissnex hat zum Ziel, lokal einen Innovations-Hub für Schweizer Start-ups, Universitäten und Firmen im Silicon Valley zu bilden und damit die Schweizer mit den lokalen Ideen zusammen zu bringen. Dabei finanziert sich Swissnex zu 1/3 vom SECO und zu 2/3 selbstständig via Fundraising, Beratung und diversen Events, die sie im Pier 17 wie auch an anderen Lokalitäten ausserhalb anbieten. Benjamin betonte, dass, wenn man in der Bay ernst genommen werden wolle, man etwas bieten müsse; Ganz nach dem Motto „Give and Take“. Schliesslich hat niemand auf die Schweizer gewartet.

Der Pier 17 soll ein kreativer und inspirierender Ort für Künstler, Designer, Forscher, Investoren und Unternehmer sein. Zudem haben wir gelernt, dass in der Bay Area nicht alles Gold ist, was glänzt. So kämpft beispielsweise die Stadt mit der hohen Obdachlosigkeit. Ein Grund dafür sind die horrenden Wohnungspreise. Benjamin erwähnte das Beispiel eines Kollegen, der für eine Einzimmerwohnung 5000 USD pro Monat bezahlt. Aus diesem Grund verdrängt die Stadt vermehrt die „normalen“ Leute in Gebiete weitab des Zentrums, was wiederum die „Work-Life-Balance“ negativ beeinträchtigt.

Swiss Global Enterprise

Als Nächstes hat uns Alexandra Casciaro im Pier 17 die Swiss Global Enterprise (SGE) vorgestellt. Die SGE hilft zum einen etablierten KMUs aus der Schweiz mit ihren Produkten im zweitgrössten Exportmarkt der Schweiz, nach Deutschland, Fuss zu fassen und zum anderen die Schweiz als Exportland besser zu promoten. Dabei sei es einiges einfacher Schweizer Firmen und deren Produkte in den USA zu promoten als US Firmen zu motivieren, ihre Präsenz in der Schweiz zu erhöhen. Dies, obwohl das Marketing sehr auf die bekannten Schweizer Stärken wie Innovationskraft, Sicherheit, Stabilität und dem ausgezeichneten Ausbildungsniveau abzielt.

Alexandra erläuterte auch gängige Herausforderungen für Firmen, die sich in den USA etablieren möchten. So kann beispielsweise der Preis nicht 1:1 übernommen werden und muss an das hiesige Niveau angepasst werden. Zudem sind oftmals Anpassungen an Verpackung oder Services nötig. Auch Kleinigkeiten sind relevant. So ist es beispielsweise von Vorteil, wenn man mit einer Telefonnummer mit US-Vorwahl die lokalen Ressourcen kontaktiert. Aber auch hier sei es „normal“, dass es mehrere E-Mails und Anrufe benötigt, bis ein potentieller Partner tatsächlich reagiert.

Michèle Schlup

Zum Abschluss im Pier 17 haben wir von Michèle Schlup einen sehr frischen und ehrlichen Einblick ins Leben im Silicon Valley erhalten. Michèle ist vor 5 Jahren zusammen mit ihrem heutigen Mann nach San Francisco gezogen und hat uns in 45 Minuten von ihrer Ankunft, als sie aus dem Koffer lebte, bis heute, wo sie bei Yelp ein Team von Entwicklern führt, in einem Fireside Chat aus dem Nähkästchen geplaudert. Als eine grosse Herausforderung betonte Michèle beispielsweise den mühseligen Bewerbungsprozess auf eine Stelle. Obwohl Michèle eine Top-Ausbildung von der ETH mitbrachte, musste sie sich täglich über 6 Monate hinweg bewerben, bis es schliesslich klappte. Als sehr frustrierend empfand sie, dass oft Wochen verstrichen bis sich jemand meldete oder sie gar kein Feedback erhielt.


Nachgefragt bezüglich Erfahrungen und Wahrnehmungen als weibliche Entwicklerin meinte sie, dass sie bis jetzt nicht das Gefühl hatte, schlechter oder besser behandelt worden zu sein als ihre männlichen Kollegen. Zum Abschluss meinte Michèle, dass sie zum heutigen Zeitpunkt denkt, irgendwann wieder in die Schweiz zurückzukehren, um dort von typischen schweizerischen Annehmlichkeiten profitieren zu können.

Salesforce

Noch vor dem Mittag durften wir dann einen Einblick bei Salesforce, gleich neben dem neuen höchsten Gebäude im Westen der USA, dem Salesforce Tower, durch Kevin Zittle geniessen. Salesforce bietet ein umfassendes CRM mit weitreichendem Ecosystem an. Salesforce ist mit mehr als 8000 Mitarbeitenden der grösste Arbeitgeber in San Francisco und verfolgt die Zielfrage: „How do we help you to serve your customer better“.

Kevin erklärte uns nicht nur Salesforce als Lösung, sondern zeigte uns vor allem auf, wie das Ecosystem von Salesforce funktioniert, sich weiterentwickelt und wie die Technologie die User konkret unterstützt. So beschäftigt Salesforce alleine 300 Leute, die sich nur mit Community-Training befassen. Die Trainingsinhalte werden interaktiv mit Gamification-Ansätzen aufbereitet und auf allen Kanälen zur Verfügung gestellt. Dabei erhalten die erfahrensten Teilnehmer z.B. den Status „Ranger“, wobei diese User einen Ranger Hut und weitere Goodies nach Hause geschickt erhalten. Diese Trainingsinhalte sind frei zugänglich – auch für nicht Salesforce Kunden. Zudem zeigte uns Kevin auf, dass die Firmenkultur ein zentraler Bestandteil des Erfolgs von Salesforce ausmacht. So erhält jeder Mitarbeiter jährlich 7 Tage für Freiwilligenarbeit.
Daneben profitieren die Angestellten aber auch selber von diversen Annehmlichkeiten. Beispielsweise ist jeweils das oberste Stockwerk jedes Salesforce Gebäudes als Begegnungsraum vorgesehen. Dort findet man Sofas, gratis Essen und Getränke. Es gibt sogar ganze Küchen inkl. eines Spitzenkochs.

Facebook (@Vault)

Zum Abschluss des Tages gab uns Product Lead Aigerim Shorman im Vault einen spannenden Einblick in ihre Arbeit bei Facebook, indem sie uns den Produktentwicklungsprozess anhand eines konkreten Beispiels veranschaulichte. Obwohl der Prozess weitestgehend auf den bekannten Mustern, wie der Identifikation des effektiven Kundenbedürfnisses und eines iterativen Verbesserungsprozesses basiert, betonte Aigerim auch die Wichtigkeit von Intuition und der Nähe zu den Usern – welche bei Facebook schlichtweg als «People» bezeichnet werden, um stets den Menschen im Zentrum der Lösungsfindung zu behalten.