Vom fünften und letzten Tag der Silicon Valley Tour des CAS Digital Leadership berichten Antonio Grgic und Patrick Franco. Am Morgen nutzen wir die Gelegenheit, alle Eindrücke setzen zu lassen und uns mit zwei Silicon Valley Experten auszutauschen.

Mark Zawacki über das Silicon Valley

Mark Zawacki von 650labs erzählt uns über die Geschichte und die Entwicklung des Valleys. Das Silicon Valley ist einzigartig und wurde eigentlich über die letzten 150 Jahre aufgebaut. Von den ersten Goldgräbern über die Dotcom-Zeit bis zu den heutigen Tech-Unternehmen, konnte die Goldrush-Mentalität beibehalten werden. Doch etwas hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Die Software-Unternehmen liefern nicht mehr die Software und partnern mit bestehenden Unternehmen, sondern erobern den Markt.

„New Startups don’t want to partner and they don’t ask for an appointment at 10 in the morning, but they break in at 3 at night to steal market share!“

Whatsapp gilt als perfektes Beispiel. Mit ca. 30 Mitarbeitern wurde die Telekombranche untergraben.

Unterschiede USA – CH

Marc arbeitet viel in Europa und kennt die beiden Märkte sehr gut. Die meisten Schweizer Grossfirmen sind bereits während der Industrialisierung gegründet worden. Der Markt war relativ voraussehbar und kalkulierbar. Wir leben jedoch jetzt in einer unvorhersehbaren Zeit. Dies bereitet den klassischen Unternehmen aus Europa ziemlich Mühe. Die heutigen Player aus dem Valley hingegen konnten von Null auf aufgebaut werden und sind viel flexibler aufgestellt. So fokussieren zum Beispiel viele Schweizer Unternehmen auf das nächste Quartalsende, in welchem die Zahlen präsentiert werden müssen. Die GAFAS jedoch wollen nicht kurzfristig beurteilt werden, sondern streben langfristige visionäre Ziele an.

Kreativität und Risikofreude

Bestehende Unternehmen wollen im Gegensatz zu Startups meist keine unnötigen Risiken eingehen. Sie führen langfristige Projekte, um Änderungen voranzutreiben und testen ausgiebig und verpassen durch die lange Projektdauer Marktchancen. Grossunternehmen wird empfohlen, ein Core vs. Edge Model zu fahren. So soll vom Hauptbusiness weiter profitiert werden, jedoch ausserhalb des Unternehmen Neues aufgebaut werden, das einst das Core-Modell überholen soll.

„No good Idea arrives in the market in tact“ erklärt Mark.

Abzug von Technologie Know-how aus Europa

Leider werden viele gute europäische Startups rasch von den Grossen aufgekauft. Die Gründer werden dabei ausbezahlt, jedoch wandert damit das gesamte Know-how, in den vielen Fällen, ins Valley. So wird das europäische Ökosystem dauernd geschwächt. Spotify stellt dabei eine bekannte Ausnahme dar. Sonst kommen praktisch alle Plattformen aus den USA oder Asien.

Open Innovation – Put the idea in the public domain to evolve

Weiter geht Mark auf ein sehr interessanter Kulturunterschied zwischen der „alten Welt“ und den Techfirmen aus dem Valley ein. Vielfach werden die Strategien, Visionen sowie Entwicklungsabsichten bei uns geheim gehalten. Nicht mal innerhalb der Belegschaft werden diese ausreichend kommuniziert. Google beispielsweise geht mit diesen Infos public. Das bedeutet, dass sie bereits in frühen Stadien viele Projekte offen legen. So können interessierte aus der ganzen Welt daran mitarbeiten und davon profitieren.

Dr. Thomas Billeter

Danach dürfen wir Dr. Thomas Billeter begrüssen. Er bringt über 20 Jahre Erfahrung sowohl als Führungskraft als auch als strategischer Berater mit und war schon sehr früh bei Zattoo dabei. Er gewährt uns und viele wertvolle als auch kritische Einblicke seiner Sicht auf das Valley. Die bereits horrenden Mietpreise lassen es erahnen – als normalsterblicher wird es immer schwieriger, eine Wohnung in San Francisco und der Bay Area zu finden. Die Grossverdiener wollen die Vorzüge der Stadt in Anspruch nehmen und pendeln dann ins Valley um zu arbeiten. Auch bei der Lancierung einer neuen Firma ist schnell einmal „Think Big“ angesagt – das nächste Unicorn zu sein ist die Devise („I only do big things“). Wie sonst im Valley ist derzeit AI und Genetical Engineering in aller Munde. Sie haben das Potenzial alles nochmals so richtig auf dem Kopf zu stellen. So stellen sich viele Unternehmungen zwischenzeitlich Fragen zu Moral und auch Ethik in Vordergrund. Jedoch befürchtet man, dass man zu viel Zeit damit verliert, während China auf der anderen Seite des Ozeans weiterhin intensivst investiert.

Kulturelle Unterschiede

Eine interessante Erfahrung ist, dass im Gegensatz zu einem Schweizer, die Amerikaner bereits etwas nichts existierendes auf Papier verkaufen, um zu erfahren, ob etwas nachgefragt wird. Wir hingegen in der Schweiz testen dies noch bis ins kleinste Detail, um eine möglichst hohe Qualität sicher zu stellen und verpassen den Markt. In den amerikanischen Schulen lernen die Kinder bereits die in Zukunft benötigten Soft-Skills: Debattieren und Socializing stehen sehr früh auf dem Unterrichtsprogramm. Dies zeigt sich gut in der Aufgeschlossenheit und Kontaktfreudigkeit im Alltag. Auch das Eingehen von Risiken ist ein kultureller Bestandteil und wird belohnt – ob in Games oder Sport.


Fazit nach der Study-Tour im Valley 

Nach einer sehr erlebnisreichen und lehrreichen Woche im Silicon Valley nehmen wir viele Erfahrungen mit. Ganz kurz zusammengefasst ein paar davon:

  • Unser Mindset muss sich verändern, weg von „ja, aber…“ zu „ja, und…“
  • Collaboration, People und Kultur sind ausschlaggebend
  • Do, try and if you fail, just try again
  • Involviere den Kunden möglichst früh
  • Jeder folgt im Silicon Valley einem Visionären – die Unternehmen haben visionäre langfristige Ziele und bewegen sich nicht nur von Quarter zu Quarter

Wir möchten uns damit bei Gert Christen herzlichst bedanken. Die Study Tour hat und alle um all diese Erfahrungen reicher gemacht.