Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business berchtet Claudio Brunschwiler:

Das Smartphone ist unser alltäglicher Begleiter, die Fernbedienung des Lebens. Doch während die Geräte für Privatpersonen Spielzeug, Zeitvertreib und Lebenserleichterung sind, hat die Verbreitung der Geräte einige Branchen kräftig durcheinander gebracht.

Werben und Sterben in der Medienbranche

Eine Branche, die einen besonderen Umbruch erlebt, ist die Medienbranche. Zuerst von Gratis verfügbaren Pendlerzeitungen konfrontiert, kamen anschliessend digitale Zeitungen, über welche jeder Internet-User am PC gratis News lesen konnte. Mit den mobilen Geräten steht diese Zeitung nun auch jederzeit unterwegs und immer aktuell zur Verfügung. Als Folge der Pendlerzeitungen und mobilen Geräte erwarten Leser heute vielfach eine permanent verfügbare und aktuelle Zeitung, die auch noch gratis ist. Die Auflagezahlen grosser Tageszeitungen wie Tagesanzeiger, NZZ oder Le Matin zeigen also folge davon deutlich nach unten.

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Doch wie kann man als Tageszeitung einem Umsatzrückgang durch sinkenden Abonnentenzahlung entgegenwirken. Bezahlmodelle für Inhalte sind ein schwieriges Pflaster. Dies zeigt Beispielsweise Blick, deren App zu Beginn nicht gratis verfügbar war, sondern gekauft werden musste. Die Nutzerzahlen stiegen zwar, aber deutlich geringen als bei 20 Minuten, die ihre App von Anfang an Kostenfrei zur Verfügung stellten. Die Erwartung der Gratisinhalte überwiegt und Bezahldienste werden von den Lesern nur schwer angenommen, wenn sie über das Smartphone einen leichten Zugriff auf alternative, kostenfreie Angebote haben.

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Eine zweite mögliche Einnahmequelle ist Werbung. Doch auch dies ist auf Smartphones kein leichtes Unterfangen, denn während Werbung am PC vielleicht nervt, ist sie auf den kleinen Bildschirmen der Smartphones teils ein echtes Hindernis. Ganzseitige Banner, die der Nutzer erst wegklicken muss, oder Animationen, die sich automatisch abspielen und mitunter kräftig Ressourcen fressen werden vom Nutzer schlecht akzeptiert. Sponsored Content, der ähnlich wie eigene Artikel aussieht, werden vom Nutzer dagegen eher angenommen. Der richtige Weg ist aber sicherlich auch hier noch nicht gefunden.

Öffentliche Verwaltung goes mobile

Ein Sektor, der die Entwicklung der mobilen Geräte lange untätig verfolge, ist die öffentliche Verwaltung. Mittlerweile gibt es aber auch von Gemeinden eine ganze Reihe an Apps. Auch wie bei anderen Applikationen oder mobilen Webangeboten ist die Frage nach dem richtigen Content entscheidend. Welche Inhalte erwartet ein Nutzer einer solchen App?

Ein gutes Beispiel für eine mobile Lösung der öffentlichen Verwaltung ist sicherlich die Webseite der Stadt Zürich. Die mobile Webseite zeigt übersichtlich und einfach zu bedienen die relevanten Informationen.

Verwaltung

Mobile Business in verschiedenen Branchen

Auch in anderen Branchen bieten mobile Geräte potential, Geschäftsprozesse zu erleichtern und schlanker zu gestalten. Barcode-Scanner-Apps wie Scandit machen grosse und teure Barcode-Scanner im Lager oder an der Kasse überflüssig. Gleichzeitig ermöglichen die Smarphones wesentlich mehr zusatznutzen als ein üblicher Barcode-Scanner.

Piloten der United Airlines erhalten ein Tablet anstelle von Kiloweise Kartenmaterial und Navigationsmaterial. Neben den Gewichtsersparnissen erlaubt diese Lösung United Airlines jährliche Einsparungen von 20 Mio USD.

In Krankenhäusern oder Pflegeheimen erhalten Pfleger oder Ärzte über ein Smartphone oder Tablet Zugriff auf eine Vielzahl an Informationen zum Patienten. Neue Daten wie verabreichte Medikamente können direkt beim Patienten erfasst werden und werden sofort ins System aufgenommen.

Über die App ESA Researcher kann ein Servicetechniker bei der Autoreparatur direkt vom Smartphone aus Ersatzteile beim Lieferanten bestellen. Über eine Fahrzeugauswahl werden nur kompatible Ersatzteile aufgelistet.

Mobile Business als Geschäftsmodell

Mobile Lösungen verändern bestehende Branchen und Unternehmen, sie eröffnen aber auch komplett neue Geschäftsmodelle, die komplett auf eine mobile Anwendung ausgelegt sind.

UBER bietet Taxifahrten ausschliesslich über Smartphones an.

Square bietet Kreditkartenleser an, die an Smartphone oder Tablets angebracht werden können.

Rovio entwickelt Spiele ausschliesslich für Smartphone und Tablets. Dabei erreichen die Spiele eine immer schnellere Verbreitung und übertreffen sogar die Verbreitungszahlen von Facebook oder dem iPhone bei weitem. Während Facebook 3,5 Jahre und das iPhone 3 Jahre benötigte, um 50 Millionen Kunden zu erreichen, schaffte dies Angry Birds Space in nur 35 Tagen.