Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Fussballfans sind längst nicht mehr damit zufrieden, sich ein Spiel im Stadion nur anzusehen; Fans wollen ihre Reaktionen weitergeben, auf digitalen Kanälen kommunizieren. Mit Social Media wird der Match aufgepeppt – augmented reality im Fussballstadion, sozusagen. Diese erweiterte Wirklichkeit beim Fussballspiel wird nicht nur im Stadion gesucht, sondern auch bei Live-Übertragungen am TV.

Spanien ist nicht nur im Fussball eine grosse Nummer

Es zeigt sich, dass die Intensität der Social-Media-Nutzung während Fussballspielen von der Nationalität der Fans abhängt – das ergab zumindest eine ausführliche Untersuchung von Mastercard, die unter der Überschrift Social Fanalytics Report im Vorfeld der kommenden Europameisterschaft durchgeführt wurde. Spanische Fussballfans zeigen während der Übertragung von Fussballspielen die höchste Aktivität in den sozialen Medien: Fans, die live im Stadion dabei sind, veröffentlichen durchschnittlich zwei Beiträge pro Spiel auf Social Media. Das sind doppelt so viele wie der europäische Durchschnitt.

Auf Facebook gibt’s am meisten Fussball

Die Möglichkeit zur Interaktion mit ihren Fussballidolen in den sozialen Medien ist für rund 70 % der europäischen Fans wichtig. Dies gilt vor allem für die Anhänger in der Türkei (92 %) und in Spanien (86 %). Allerdings gehen bei diesem Thema die Meinungen in Europa auseinander: In Deutschland sind nur gut die Hälfte der Fans der Ansicht, dass Fussballstars auf sozialen Medien vertreten sein sollten.

Facebook ist der beliebteste Social-Media-Kanal unter den Fussballfans – insbesondere in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen. YouTube rangiert auf Platz 2 und ist bei den Fussballfans in der Ukraine besonders beliebt.

WLAN für alle – auch im Stadion

Der Report zeigt auch, dass WLAN heutzutage sozusagen überall als selbstverständliche Infrastruktur wahrgenommen wird – auch im Fussballstadion. Immerhin mehr als zwei Drittel der befragten Fussballfans wünschen sich WLAN in den Stadien. Dies gilt vor allem für Italien und Portugal, wo sich 79 beziehungsweise 70 % die Möglichkeit offenhalten wollen, während eines besonders spannenden – oder speziell langweiligen – Fussballspiels auf das Internet zuzugreifen. Das ist allerdings nicht immer ganz einfach, wie focus.de berichtet:

Nicht nur an Silvester, sondern auch bei Großveranstaltungen in Stadien, Arenen und Messen wird das Problem, keine Kurznachrichten versenden zu können bzw. sich ins Internet einwählen zu können, regelmäßig spürbar. Vor allem das gleichzeitige Hoch- und Runterladen von Inhalten aus sozialen Medien sorgt für die Überbelastung der Mobilfunknetze. […] Um gegen die überlasteten Netze im Stadion vorzugehen und somit die Verfügbarkeit des mobilen Internets in Stadien zu gewährleisten, haben bereits einige Bundesligisten ihre Stadien in ein “Connected Stadium” umgewandelt. Connected Stadium (oder auch “Stadium Vision” genannt) ist ein Konzept, bei dem Sport-Arenen technisch so ausgestattet bzw. modernisiert werden, dass die Zuschauer im Stadion von ihren mobilen Endgeräten das Internet über das stadioneigene WLAN oder über ein verstärktes und ausgebautes Mobilfunknetz (LTE) nutzen können.


Felix Walker ist Journalist, Autor und Übersetzer. In seiner Arbeit, zu der auch der Digital Society Report gehört, befasst er sich vorwiegend mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Er lebt in Novia Scotia, Kanada.