Aus dem Unterricht des CAS Digital Masterclass mit Dozentin Adrienne Fichter berichtet Studentin Patrizia Keller.

Warum Plattformen wie Facebook immer wichtiger werden für politische Debatten im Netz

Bereits 2012 führte Facebook Wahlexperimente durch. 2016 folgte dann schliesslich die Professionalisierung: Facebook baute das Kampagnenangebot für Parteien aus. Ausserdem platzierte der Social Media-Gigant für die US-Wahl am 23. September 2016 den Wahlreminder “I am a voter”. Was dann geschieht, zeigt, welch mächtigen Impact die sozialen Netzwerke haben können: die Wahlteilnahmen verzehnfachten sich!

Bildquelle: Center for Election Innovation & Research

Ob der Reminder allen angezeigt wurde oder nur auserwählten Bundesstaaten? Das weiss man nicht, denn Facebook gibt diese Daten nicht bekannt. Deshalb steht die eigentlich so innovative Lösung unter Kritik. Dennoch wird der Wahlreminder heute bereits in 66 Ländern angeboten.

Aber nicht nur in den USA sehen wir politische Bewegungen, welche durch Facebook entstanden sind. Der Arabische Frühling zeigte auf, wie mächtig Facebook darin ist, Gleichgesinnte zu mobilisieren. Über eine virtuelle Mobilisierung kam es zu Protesten und Demonstrationen, die medial um die ganze Welt gingen.

Die Schattenseiten der zunehmenden Politisierung der sozialen Medien sind enorm

Die Digital Masterclass 2018 lernt unterschiedliche negative Folgen kennen:

Fake News

Ein lukratives Geschäft, welches sich in den letzten Jahren in der ganzen Welt entwickelt hat. Spätestens seit dem US-Wahlduell Trump gegen Clinton kennt sie jeder, die vorgetäuschten und manipulativen Nachrichten. Es ist schwierig zu sagen, welchen Einfluss die Fake News effektiv auf das Wahlergebnis hatten. Aber sicher ist, dass sie eine hohe Reichweite genossen: in der Endphase des US-Wahlkampfes wurden die 20 erfolgreichsten Falschmeldungen öfter geteilt, geklickt und kommentiert als die 20 erfolgreichsten Berichte seriöser Medien! Die Metadaten der Falschnachrichten sind so aufgesetzt, dass sie vom Newsfeed-Algorithmus belohnt werden. Dieser achtet nämlich (leider) nicht auf qualitativen Inhalt, sondern bevorzugt den Post, der ausreichend “Lärm” macht. Ein klares Kennzeichen für eine Falschnachricht ist z.B. ein Post mit dem Aufruf “bitte teilen!”, denn das macht keine seriöse Berichterstattung.

Microtargeting

Personalisierung politischer Werbebotschaften auf sozialen Netzwerken führen dazu, dass der Grundgedanke einer Demokratie immer mehr schwindet. Statt der Bündelung verschiedener Interessen konsumiert jeder nur noch das, was er selbst befürwortet. So kommt es zur isolierten Zusammenführung von Gleichgesinnten statt zum Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Zielgruppenspezifische Massnahmen wie “Dark Ads” und “Lookalike Audience” stehen datenschutzrechtlich zwar unter Beschuss, jedoch fehlt heute noch die Handhabung um dies zu unterbinden.

“Messengerisierung”

Immer mehr politische Bewegungen werden in geschlossenen Messenger-Apps wie z.B. Whatspp organisiert. Diese Entwicklung kann unterschiedlich betrachtet werden: einerseits birgt sich dahinter die Gefahr von unentdeckten extremistischen Organisationen, andererseits kann es aber durchaus auch sein, dass die Debatten ruhiger und sachlicher besprochen werden als im offenen Netz.

Bots

Social Bots sind Programme, die in sozialen Netzwerken menschliche Verhaltensmuster simulieren. Sie beruhen auf bestimmten Algorithmen und werden entwickelt, um eine menschliche Existenz vorzutäuschen. So werden andere User gezielt geblendet. Leider werden diese Täuschungen zunehmend auch für politische Propaganda eingesetzt.

Civic Tech-Ansätze zur Gewährleistung der digitalen Demokratie

Civic Technology sind technische Konzepte, die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern fördern. Im Vordergrund steht dafür insbesondere die Schaffung neuartiger Kommunikationsplattformen. D-Cent, Pol.is und MiVote sind Ansätze für die Demokratie des 21. Jahrhunderts.

Bildquelle: Civicmakers.com