Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Oliver Vedolin (Jung von Matt) zum Thema «Social Networking & Sharing», berichtet Claudio Sparascio:

Ein erster Vergleich von Oliver Vedolin zeigt uns gleich zu Beginn wie schnell wir uns in den Sozialen Kanälen weiterentwickeln: «2014 stellten wir uns die Frage: was sollen wir auf Facebook machen? Heute fragen wir uns: wie können wir uns besser vernetzen?»

In einem ähnlichen Tempo ist auch die Professionalisierung der Pflege und Betreuung der verschiedenen Kanäle voran gegangen. Social Networks sind erwachsen geworden. Was sich dabei nicht geändert hat; es geht auch heute nur – und immer wieder – um Inhalte. «Content is King!»

Die aktuellen Trends für ein in den Sozialen Kanälen aktives Unternehmen:

  • es gilt 5-6 Kanäle mit Inhalten zu «füttern»
  • der Regelbetrieb ist eingeführt
  • Content wird durch Professionals erstellt
  • Dialoge zu führen ist der zentrale Anspruch
  • Management Attention ist voll da
  • Investitionen müssen mit Zahlen gerechtfertigt werden
  • nach aussen soll ein stimmiges Bild entstehen

Inhalte

Inhalte also, aber welche sind die Richtigen? Diese Frage muss im Unternehmen individuell beantwortet werden. Die Orientierung an den eigenen Insights ist ein guter Anfang. Die Koordination mit den Aktivitäten aller Kanäle – auch der Analogen – ist ein Muss. Darüber hinaus müssen sich Inhalte dringend an einer eigenen Social-Media-Strategie und an der allgemeinen Kommunikationsstrategie des Unternehmens ausrichten. Zusammengefasst portieren Inhalte die Werte für die das Unternehmen steht in die digitale Welt.

Inhalte professionell produzieren zahlt sich aus. Investition in die Fähigkeiten des internen Social Media Teams bringen einerseits qualitativ bessere Texte, Videos oder Bilder und erhöhen andererseits  die Chancen auf Erfolge in den Kanälen. Ein Beispiel: ist eine Video kurz, schnell und dramaturgisch richtig geschnitten, verbreitet sich das Video erfahrungsgemäss schneller, weiter und erzielt damit einen nachhaltigeren Ertrag.

Analyse des Traffics ist ein zentraler Schlüssel zum Erfolg. Ein Unternehmen muss seinen Wert im elektrifizierten Universum kennen. Dazu muss im Unternehmen klar sein, welche Metriken die Ausschlaggebenden sind und auch welche eher vernachlässigt werden können. Nur wenn Touchpoints, Conversionen und das Sharing von Content stets im Blickfeld der Verantwortlichen sind, zahlen sich die Anstrengungen auch aus.
Heutige Techniken und Analyse Tools bieten hervorragende Möglichkeiten die Werte zu erfassen und graphisch aufzubereiten. Die richtige Interpretation derselben bedingt dann selbstredend wieder eine Investition in die Skills der Mitarbeitenden.

Hat ein Unternehmen seinen Platz gefunden, gilt es die digitale Kommunikation stetig zu gestalten, weiterzuentwickeln und dabei neue Trends auf die eigene Relevanz zu prüfen und allenfalls die Inhalte oder sogar die Wahl der Kanäle anzupassen.

Die Kindheit ist vorüber

Die Zeit für Sentimentalitäten ist definitiv vorbei. Social Media, das WWW ganz allgemein, ist eine Industrie geworden. Alle Beteiligten wollen und müssen damit Geld verdienen. Social Media ist Business. Dazu gehört es die Ellenbogen rauszustellen. Will heissen: je grösser der digitaler Fussabdruck desto besser. In diesem Moment wird das füttern von Kanälen die nicht unbedingt im Scope stehen elementar. An dieser Stelle spielt Google seine Macht erbarmungslos aus. Für ein gutes Ranking der eigenen Inhalte ist die Präsenz auf Google+ mit Sicherheit ken Nachteil. Die Professionalisierung auf allen Ebenen hat auch Schattenseiten. Unternehmen wie auch Private beginnen sich von Kanälen abzuwenden die in der persönlichen Konfektionierung der Inhalte zu weit gehen. Schön ist, dass diese Schattenseiten sofort wieder neue Innovationen fördern. Verschiedene Unternehmen reagieren darauf mit der Bildung von eignen Communitys.
Um die Abhängigkeit zu den grossen Anbietern etwas zu mindern, haben auch in der Schweiz viele Firmen damit begonnen ihre eigenen Networks anzubieten. Prominente erfolgreiche Beispiele sind Migipedia, Hallo Familiy Club von COOP, Mondo Vino oder die Swisscom Support Community.

Ausblick

Durch das Schreckgespenst Big Data stellt sich beim Sharen eine Art Cocooning ein. Inhalte werden nicht mehr mit der ganzen Welt geteilt. Kleine Gruppen in denen sich alle kennen werden wieder wichtig. Netzwerke die diese Abgrenzung zulassen sind im Aufwind.
Weitere absehbare Trends:

  • von Push zu Pull: der Kunde gibt vor wann er was haben will.  Youniverse!
  • Exponentielle Veränderungen von Gesellschaft, Technologie und Kanäle verlangen heute eine äusserst hohe Flexibilität. Das gilt auch für die Kommunikation: Das «NOW» wird noch wichtiger.
  • Die verschiedenen Technologien werden immer mehr zusammengeführt: Lokal, Sozial und Mobile (LoSoMo). Ganzheitliches Denken ist Pflicht, Silo-Denken führt in die Belanglosigkeit
  • Trotz Veränderungen in Gesellschaft und Technologie: im Kern steht der Mensch mit Bedürfnissen, die man als Unternehmen über alles stellen muss.
  • Content ist der Schlüssel in die Köpfe der Konsumenten.
  • Guter Content kann alles sein. Selbst ein Flug buchen. Virgin Airlines macht es vor.

Inhalte werden also auch künftig im Zentrum stehen. Bei dem enormen Tempo das die Branche an Tag legt ist es beruhigend, dass immerhin eine Konstante sicher scheint.