Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Roland Zeller zum Thema  „Startup- Exit- Angel“ berichtet Giuseppe Marino:

An diesem Nachmittag erwarten wir gespannt den Business Angel Roland Zeller, der uns etwas zur Startup Welt aus Sicht Unternehmer und aus Sicht Business Angel erzählt.

Eines gleich vorweg: Dem Business Angel geht es nicht um Wohltätigkeit! Es geht nicht darum, mit milden Gaben oder kleinen Geschenken junge, bedürftige Unternehmer zu unterstützen oder zu beschützen. Ihm geht es primär darum, seine Investition zu beschützen. It’s all about the money, stupid! Also frei nach Gordon Gecko “Verluste kann ich nicht leiden, Sportsfreund, nichts verdirbt mir den Tag mehr als Verluste.”

Der Internet-Pionier Roland Zeller

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Roland Zeller kommt aus der Tourismus-Branche. Erste berufliche Erfahrungen in dieser Branche sammelte er als Stagiaire in einem Hotel. Danach war er mehrere Jahre als Einkäufer bei einem Reisebüro angestellt. Mitte der 90er-Jahre kam ein neues Ding Namens Internet auf und Roland Zeller hatte die Idee, Reisen Online über diesen neuen Kanal zu verkaufen. Mit der Gründung von travel.ch machte er sich schliesslich selbständig.

  • Reisen über das Internet-Dings buchen, funktioniert das überhaupt?
  • Die Leute wollen eine persönliche Beratung im Reisebüro.
  • Das wird nicht funktionieren.

Am Anfang wurde er immer wieder mit solchen Fragen und Vorurteilen konfrontiert. Roland Zeller musste Durchhaltewillen und den Glauben an die eigene Idee zeigen, denn das Umfeld stand der Idee skeptisch gegenüber. Die Finanzierung erwies sich als sehr schwierig und er schrammte scharf an der Pleite vorbei.

Nach der Talsohle gelang zunächst die Stabilisierung, anschliessend ein markantes Wachstum. Ab 2001 erkannten auch die Big Player in der Reisebranche die zunehmende Bedeutung des Internets und zeigten Interesse an travel.ch. Roland Zeller schaffte es, Hotelplan von seinem Unternehmen zu überzeugen und konnte 2005 51 % von travel.ch an Hotelplan verkaufen. b3

Zwischen 2005 und 2012 verkaufte er die Firma in Raten an Hotelplan. So konnte er den persönlichen Ausstieg geordnet angehen.

Erste Erfahrungen als Investor

Nach dem Verkauf seiner Firma folgte die Frage: „Was tun mit dem Geld?“ Für Zeller kam weder ein Leben in Luxus, noch in der reinen Vermögensverwaltung in Frage, sondern er wollte in Jungunternehmen, neuen Startups, investieren. Am Anfang konzentrierte er sich auf Investitionen in der Reisebranche. Erste Investments tätigte Zeller in den Jahren 2006 bis 2008. Projekte in eine Kreuzfahrten-Plattform in Osteuropa und einem Sozialen Travel-Network in Schweden erwiesen sich als interessant. Weiter investierte er in ein neues Ausflugs/Aktivitäten-Portal in Zürich und eine kleine E-Commerce Firma in der Schweiz. Das Geschäft floriert auf bescheidenem Niveau, ist aber profitabel.

Bilanz 2006 -2008

  • Kreuzfahrten-Plattform in Osteuropa heute illiquid + bedeutungslos
  • Soziales Travel-Network in Schweden/USA ging nach 14 Monaten bankrott
  • Ausflugs/Aktivitäten-Portal in Zürich wächst stark, mehrere Kapitalrunden, Teil-Exit
  • Kleine E-Commerce-Firma profitabel auf kleinem Niveau

Roland Zeller analysiert seine ersten Investments kritisch und gründlich. Was sind die Lessons Learned aus diesen Investments? Er kommt zum Schluss, dass:

  • er der Ausarbeitung von Verträgen zu wenig Beachtung schenkte
  • er Teams zu wenig gründlich prüfte
  • Businesspläne zu wenig aussagekräftig waren
  • eine Gründung zu stark von einer Person abhing
  • er zu lange ein Investment durchhielt
  • einzelne Investments von seinem Wohnort aus zu weit waren.

Wozu braucht es eigentlich einen Business Angel?

Oft fehlt es Unternehmungsgründern an Geld, Erfahrung aber auch an der Vernetzung im wirtschaftlichen Umfeld, da sie erst in diese Beziehungsnetze hineinwachsen müssen. Genau diese Eigenschaften sollte ein Business Angel aufweisen. Er ist nicht einfach „nur“ Investor, sondern auch Mentor, Berater und Coach zugleich.

Der Business Angel fordert im Gegenzug für sein Engagement in der Regel einen hohen Return on Investment. Da ein hoher Prozentsatz dieser Investitionen verloren gehen, versuchen professionelle Business Angels Unternehmen zu finden, die das Potenzial haben, innerhalb von fünf Jahren die Anfangsinvestition zu verzehnfachen. Zum Beispiel mit Hilfe von Ausstiegsszenarien wie einen Börsengang oder eine Unternehmensübernahme. Durch das hohe Risiko und den hohen Prozentsatz an verlorenem Kapital sinkt der interne Zinssatz für ein erfolgreiches Portfolio auf etwa 20 bis 30 Prozent. Trotz des hohen Zinssatzes ist das Business-Angel-Kapital für die Kapitalempfänger attraktiv, da kostengünstigere Kapitalquellen wie z. B. die Finanzierung durch traditionelle Bankkredite für die jungen Unternehmen in der Gründungsphase nicht zugänglich sind.

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Die oben aufgeführte Graphik zeigt, welche Phasen bei einem Startup in der Regel vorkommen. Man kann daraus lesen, dass über eine gewisse Zeitachse klar strukturierte Überlegungen, Unterlagen und Tätigkeiten erwartet werden und der Kreis derjenigen, welche ein Jungunternehmen finanziell tragen, möglichst breit abgestützt wird, nicht zuletzt im eigenen Umfeld der Gründer.

Ablauf eines Investment als Business Angel

Roland Zeller erhält pro Monat zwischen 20 bis 30 Anfragen für ein Investment. 80 bis 90 Prozent lehnt Zeller ab, weil er nicht an die Idee glaubt oder diese sich in einem unbekannten Umfeld bewegt. Zwei bis drei Anfragen werden ernsthaft geprüft. Monatlich trifft er sich mit einem bis zwei Gründern, führt einen gemeinsamen Workshop durch, prüft alle relevanten Unterlagen, so dass pro Jahr zwei bis drei Investments resultieren.

Bei der Auswahl stützt er sich gerne auf klare Fakten ab, vergisst aber dabei nie die persönliche, zwischenmenschliche Ebene, ohne dabei von „Bauchgefühl“ zu sprechen, sondern sieht diese Faktoren als mitbestimmend für den Geschäftserfolg.

Auswahlkriterien

Ein Business Angel verdient sein Geld mit Firmenverkäufen innert sechs bis acht Jahren nach Einstieg. Um einen attraktiven Gewinn beim Verkauf zu erzielen, ist er beim Einstieg umso kritischer. Als Business Angel hat Roland Zeller klare Auswahlkriterien, damit für ihn eine Investition in Frage kommt. Folgende Punkte müssen klar sein:

  • Löst eine Geschäftsidee ein bestehendes Problem
  • Funktioniert die Geschäftsidee, hat sie Wachstumspotenzial
  • Hat man in die bestehende Führung (Team) das notwendige Vertrauen
  • Ist die Investition für den Investor interessant und kann er erwarten, dass er über eine gewisse Zeit einen Return on Investment von bis zu 20 mal erreichen kann
  • Wie kann man den Exit aus einem Investment kalkulieren, planen
  • Wie kann man das Beziehungsgeflecht rings um eine Jungunternehmung menschlich beurteilen

Wie sieht seine persönliche Bilanz 2006-2016 als Business Angel aus? Roland Zeller hat die Erfahrung gemacht, dass von 15 von ihm ausgewählten und durchgeführten Investments 2 Konkurs gehen, 2-3 schaffen die Gewinnschwelle, 2-3 verkauft man mit einem geringen Gewinn (2-5 mal ROI) und nur 1-2 Startups sind sehr erfolgreich (10- 25 mal ROI).

Highlights 2006 -2016

More to come soon!

Startup Lingo/Jargon

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Zum Abschluss des Nachmittags haben wir uns in einer Gruppenarbeit mit wichtigsten Begriffen aus dem Startup Umfeld auseinandergesetzt. Hier drei ausgewählte Begriffe:

Was muss ein Businessplan üblicherweise beinhalten?

Beinhaltet den Beschrieb der Geschäftsidee (Businessmodell), eine Analyse des Marktes und der Ressourcen, die Ziele des Unternehmens sowie die entsprechenden Massnahmen und Meilensteine für die Umsetzung in der Zukunft. Diese Inhalte fliessen in eine umfassende finanzielle Planung ein. Investoren, Banken und andere Partner verlangen Businesspläne.

  • Problem und Lösung
  • Markt und dessen Grösse
  • Konkurrenz
  • Vorstellung Gründerteam
  • Detailplan für die nächsten 18 Monate, Grobplan für die nächten 5 Jahre
  • Finanzen

Was ist ein Incubator / Accelerator?

Initiativen, die es Startups ermöglichen, ihre Geschäftsidee unter guten Bedingungen weiter zu entwickeln und die Support (Beratung, Infrastruktur) bieten. Der Aufenthalt ist meistens zeitlich beschränkt.

  • „Brutkasten“ für Jungunternehmer / Startups
  • Verschiedene Startups unter einem Dach Profitieren voneinander
  • Incubator nimmt dem Startups administrative Arbeiten ab
  • Guter Austausch/Netwerk
  • Coaching
  • Zugang zu Investoren

Was ist Corporate Venturing und warum tun grosse Firmen das?

Corporate Venturing beschreibt die Beteiligung von reifen, etablierten Unternehmen an kleinen, jungen Pionierunternehmen. Ziel solcher Beteiligungen ist vor allem die Sicherung der Innovation und der strategischen Zukunftsoptionen für das etablierte Unternehmen und die Sicherung von Ressourcen (Finanzen, Personal, Know-how) für das Pionierunternehmen.

  • Mangel an Innovation in Grossunternehmen
  • Versuch am Puls zu bleiben

Problem:

  • Keine Startup Kultur in Unternehmen
  • Risikoaversität/ Angst for Failures
  • Hang zur Perfektion