Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership berichten Pascal Staub und Ivan Sosio zum Thema:

STARTUP – EXIT – STARTUP

Der Dozent Roland Zeller, seines Zeichen Gründer der ersten Online Travelagency in der Schweiz der TRAVEL.CH, hat auf spannende und überzeugende Art und Weise von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen zum Thema Startup erzählt. So hat Roland Zeller Travel.ch im Jahre 2000 alleine gegründet und dann 2012 (mit rund 60 Angestellte) seine letzten Aktien an Hotelplan verkauft. Heute ist Roland als Investor und Angel in der Startup-Welt zu Hause.

Vom Da-Vinci-Code zu Hände weg

Seit 2006 bereits investiert Roland Zeller selber in Startups und hat sich auf die Travel Industrie konzentriert. Dabei hat er seinen eigenen „Da-Vinci Code„ von erfolgreichen Startup Investments wie folgt zusammengefasst:

  • 150 % Commitment der Firmengründer unabdingbar, Leidensdruck der Gründer muss gross sein auch in Bezug auf finanziellen Verzicht zu Beginn des Startup.
  • Als Investor und Angel sollte man viel Zeit mit dem Startup verbringen bevor man investiert und dann unbedingt Bedingungen (vertraglich geregelt) an seine Finanzierung knüpfen.
  • Idealerweise setzt sich das Startup aus einem 3er Team zusammen, einem Techniker, einem Finanzprofi sowie einem Branchen- und Marketingprofi.
  • Top Business Idee, welche skalierbar ist und ein ROI von 15-30x verspricht.

Neben den „Do’s“ hat Roland aber auch folgende „no go‘s“ definiert:

  • Keine Investments in Einzelpersonen oder Pärchen (Klupmenrisiko)
  • Keine Startup Investments in fremden Ländern. Einerseits wegen der Zeitdifferenz und andererseits wegen den juristischen und kulturellen Rahmenbedingungen.
  • Keine Investments wenn kein klares Businessmodel mit Exit-Strategie besteht.

Trotz aller guten Vorsätze ist auch ein professioneller Business-Angel nicht vor Niederlagen geschützt. Die Erfahrungen von Roland haben gezeigt, dass man bei rund 10 Investments in Startups mit 2-4 Konkursen rechnen muss und nur gerade 1 oder 2 Investments sich als Highflyer (10-25x ROI) herausstellen. Der Exit aus dem Investment sollte grundsätzlich innert 6–10 Jahren erfolgen.

Interesse am Investment? Aber was nun?

Grundsätzlich lehnt Roland Zeller 80 – 90% der Anfragen für die Finanzierung eines Startup ab. Sobald sich Roland Zeller aber für ein Investment ernsthaft interessiert, wird ein Workshop mit dem Gründerteam vereinbart und eine gründliche Due-Diligence-Prüfung durchgeführt. Nur wenn die Geschäftsidee ein echtes Problem löst und der Business-Case funktioniert und skalierbar ist, investiert Roland in ein Unternehmen.

Nachdem er sich definitiv für ein Investment entschieden hat, nimmt er in der Regel Einsitz im Verwaltungsrat, wo man sich in der Startphase rund 1x monatlich für eine ausführliche Sitzung trifft. Neben dem investiertem Geld stellt Roland sein Netzwerk zur Verfügung und steht zudem als Coach und Mentor dem Startup zur Seite.

Neuer Job? Wer kann Angel werden?

Die Antwort ist ganz einfach. Jeder kann Business-Angel werden und in Startups investieren. Nebst dem nötigen Kapital braucht es aber vor allem auch verfügbare Zeit und viel Energie. Man muss bereit sein, einen ganzen Investment-Zyklus (6-10 Jahre) am Ball zu bleiben.

In den letzten Jahren sind interessante Plattformen im Bereich Crowdfunding oder Crowdsourcing entstanden, so z.B. www.investiere.ch oder in den USA www.lendingclub.ch. Gemäss Roland Zeller spielen diese Plattformen im Moment noch keine grosse Rolle, das könnte sich aber in Zukunft ändern. So werden zurzeit eher „Ladenhüter“ über solche Plattformen finanziert. Auch stellt es organisatorisch und administrativ eine grosse Herausforderung an das junge Unternehmen, wenn es mit 500 oder mehr Aktionären kommunizieren muss.