Vom zweiten Tag der Study Tour in San Francisco des CAS Digital Leadership berichten Ronny Gazik und Nils Lauk.

Bei entspannter morgentlicher Atmosphäre machen wir uns auf zu einem weiteren Highlight auf unserer Study Tour.

Mit Kaffee verpflegt steigen wir in unseren VIP-Bus und befinden uns kurze Zeit später auf dem Highway 101 Richtung Süden. Wir sind nicht alleine unterwegs. In wirtschaftlich guten Zeiten stauen sich gemäss Gert Christen die Autos auf dem sechsspurigen Highway bereits kurz nach 7 Uhr. Man sagt, ein leerer Highway ist ein Zeichen für eine wirtschaftlich schlechte Lage in der Region. Momentan sind wir natürlich weit davon entfernt. Das zeigt sich darin, dass alleine Google täglich über 20’000 Spezialisten von San Francisco in ihr Headquarter chauffieren lässt.

Swisscom Cloud Lab

Unser erster Stopp ist in Palo Alto bei einer uns nicht unbekannten Firma namens Swisscom. Tausende Kilometer entfernt von ihrem Heimmarkt, versucht die Schweizer Firma hier an der Quelle innovativer Denkweisen schon früh künftige Megatrends zu erkennen.

Seit 1998 investiert die Swisscom in den Swisscom Cloud Lab im Silicon Valley. Heute arbeiten hier unter der Leitung von Stefan Petzov rund 10 Mitarbeitende an der Innovations-Strategie der Swisscom. Dabei legen sie den Fokus auf auf das Erkennen von potentiellen Marktentwicklungen in den Bereichen Cloud Technologie, Machine Learning, Blockchain, IoT und natürlich Telekommunikation. Die generierten Informationen werden eng mit der Unternehmenseinheit in der Schweiz ausgetauscht, wobei im Heimmarkt entschieden wird, inwiefern Swisscom allfällige Produkt- und Serviceanpassungen vornimmt.

Swisscom hat den Anspruch dem Wandel ganzheitlich zu entsprechen. Das Augenmerk legt sie dabei nicht nur auf ihre Produkte, ihre Kunden oder ihre Konkurrenz. Der Fokus liegt auch bei Distributoren oder Regulatoren – also auf das ganze Ecosystem.

Aktuell beschäftigt sich Stefan und sein Team mit einer sogenannten «Forensic» Software, die mögliche Manipulationen am eigenen Smartphone erkennen soll. Ausserdem wird in Zusammenarbeit mit Google an einer einheitlichen Smart TV Box diskutiert.

Ein typischer Tag von Stefan beinhaltet diverse Meetings mit Startups sowie deren Kategorisierung. Zudem bietet Swisscom Outpost Consulting Services für andere Schweizer Firmen an.
Unternehmen denken sie seien innovativ, sobald sie mit einzelnen, neuen Features Marktveränderungen entsprechen. Um jedoch langfristig erfolgreich zu sein, müssen Innovationen auf mehreren Levels durchlaufen werden. Anpassungen an der Strategie spielen dabei genau so eine Rolle wie am Portfolio respektive am Produkt.

AnChain.AI

Unser zweiter Stopp des Tages war in San Jose. Nach kurzer Weiterfahrt besuchten wir das Blockchain Startup AnChain.AI. Gründer Victor Fang und sein Team erklärten uns die Idee hinter dem im Juli 2018 gegründeten Startup. Entgegen allgemeiner Annahme bietet Blockchain offenbar nicht die absolute Sicherheit, sondern ist aufgrund ihrer Anonymität unter anderem auch ein beliebter Tummelplatz für dubiose Leute.

 

Um dem entgegen zu treten, bietet das Unternehmen einerseits mit «Deep Data» Analysen Transparenz, andererseits Sicherheit in den eigenen Blockchain-Aktivitäten sowie die der Konkurrenz.

15 Mitarbeiter arbeiten zur Zeit an einem ausgeklügelten Dashboard mit diversen Funktionen wie ‘Automate Smart Contract Auditing’ oder ‘Blockchain Ecosystem Intelligence’.

Burger-Time!

Damit wir zusätzlich Zeit für den Gang ins Apple Besucherzentrum gewinnen konnten, entschieden wir uns für einen schnellen Snack bei IN-N-OUT Burger.

Gestärkt von Burger und Fritten bestaunten wir den neu gebauten Apple Park und konnten uns von den neusten Apple-Produkten überzeugen inkl. einer kleinen AR Vorführung auf einem zur Verfügung gestellten iPad.

ABB Ability

Unser dritter Stopp des Tages war wiederum in San Jose. Nach kurzer Weiterfahrt haben wir den nächsten Halt bei der ABB gemacht, bei welcher wir von Dominic Siegrist in Empfang genommen wurden.

Vor nicht einmal 5 Jahren hat ABB eine Digital Business Unit namens «ABB Ability» auf die Beine gestellt. Dabei hat dieser Bereich innerhalb von zwei Jahren rund 140 digitale Produkte auf den Markt gebracht. Der Fokus lag insbesondere auf den Bereichen Elektrifizierung, Automation, Robotics und Motion.

ABB hat rechtzeitig ihr digitales Potential erkannt. Mit ihren 70 Milliarden verknüpften Geräten und Sensoren weltweit hatten sie die optimale Basis für diese nächsten Schritte.

NVIDIA

Der letzte Halt unseres heutigen Ausflugs war NVIDIA. Das AR konzipierte Firmengebäude hat allerseits Eindruck gemacht.

Zu Beginn bekamen wir Einblick in die neusten Errungenschaften der NVIDIA Techniken. Eine grosse Erkenntnis war, dass sich NVIDIA vom einfachen Computer-Chip Hersteller zu einem grossen Tech-Unternehmung gewandelt hat. Dies insbesondere in den Bereichen AI, Visualisierung und autonomes Fahren und dank der steigenden Leistungsfähigkeit ihrer Computer-Chips.

Viel Eindruck verschaffte auch der Deep-Dive auf das komplexe Gebiet rund um NLP-Tätigkeiten, bei der NVIDIA mittlerweile auch eine führende Rolle spielt. Alex L.Q gelang es, ein für viele wenig bekanntes und doch komplexes Thema verständlich – dank einfacher schematischer Skizzierungen – zu erläutern.

Wrap-up

Zum Abschluss eines ereignisreichen Tages kam die Gruppe nochmals in einem ruhigen Park für ein Debriefing zusammen. Die Aufgabe war es, aus den positivsten Eindrücken des Tages als Gruppe eine «desirable Silicon Valley Company» zusammen zu stellen. Folgend Punkte müsste eine Traum-Firma gemäss Studiengruppe mit sich bringen:

  • Firmen organisierte Anreise ohne Stau – direkt aus San Francisco.
  • Digitalisierung als klar verankerter Bereich in der Firmenstrategie.
  • Konsequente Umsetzung der digitalen Transformation – auch etablierte Firmen, die erfolgreich in ihrem Bereich unterwegs sind.
  • Offenheit für disruptive Veränderungen des Unternehmens, z.B. von einem Chip-Hersteller zu einem breit aufgestellten Technologie-Konzern.
  • Trotz grosser Konkurrenz innerhalb kurzer Zeit dank einer extraordinären Idee durchstarten.
  • Alle Routine-Prozesse durch Automatisierungen ersetzen dank AI.
  • In Zusammenarbeit mit Innovation-Hubs Wissen und Fähigkeiten teilen, um gemeinsam zum Erfolg zu kommen.
  • Grosse, etablierte Firmen mit Blockchain auf die nächste Stufe bringen.
  • Digitale Hubs rapportieren direkt an die Geschäftsleitung.
  • Das Rad muss nicht von vorne erfunden werden. Viele haben gute Voraussetzung für durchdachte Ecosysteme gelistet. Diese sollten für einen möglichen schnellen Erfolg berücksichtigt werden.
  • Langfristige und kreative Denkweise fördern.

Das gemeinsame Dinner im Steakhouse war ein protein-reicher und gelungener Abschluss des Tages.