Tag 1 der Study Tour des CAS Digital Leadership nach San Francisco und ins Silicon Valley. Es berichtet Jürg Brassel.

Welcome Dinner

Unsere Study Tour beginnt schon am Sonntag Abend mit einem Welcome Dinner im McCormick & Kuleto’s am historischen Ghirardelli Square in San Francisco. Eine gute Gelegenheit, uns in der Gruppe schon einmal einzustimmen auf die kommende Woche.

Kick-off

Unser Programm beginnt am Montag Morgen im The Vault in San Francisco, einem Co-Working und Innovation Space, der für die gesamte Woche unsere Homebase sein wird.

Als erstes stellt uns Gert Christen das intensive Programm für die ganze Woche vor und erläutert die einzelnen Firmenbesuche. Wir werden der Frage nachgehen, was die Erfolgsrezepte der Firmen im Silicon Valley und in San Francisco sind und was wir daraus für die Schweiz und Europa lernen können. Wir werden auch konkret sehen, weshalb das Silicon Valley als „hardware capital of the world“ gesehen wird, während San Francisco als „software capital of the world“ bezeichnet wird. Entsprechend werden wir einen Tag im Silicon Valley unterwegs sein und die anderen vier Tage in San Francisco. Last but not least, twittern mit den Hashtags #hwzsv und #hwzdigitalleader gehört natürlich auch zu unserer Immersion Tour.

Introduction

Als erster Referent gibt uns Mark Zawacki, der Gründer der 650 Labs, einen sehr lebhaften Einblick in das Denken und Handeln der hier erfolgreich gewordenen Firmen. Aus seiner Tätigkeit mit vielen Corporates und Multinationals, speziell auch aus Europa und Asien, gibt er uns einige wichtige Insights weiter. Dies sehr kommunikativ und mit viel Storytelling, typisch amerikanisch.

Wir befinden uns mitten im Übergang vom industriellen Zeitalter ins digitale Zeitalter. Viele Firmen stammen noch aus dem industriellen Zeitalter und sind auch noch in diesem Denken verhaftet: Pyramiden-Organisation, lineare Karrieren, Risikoaversion, kurzfristiger Fokus auf den nächsten Quartalsabschluss etc. Betrachtet man dagegen die Firmen des digitalen Zeitalters, speziell im Silicon Valley, fallen zwei Aspekte auf: einerseits sind diese Unternehmen noch sehr jung, haben aber schon sehr viel an Shareholder Value geschaffen. Sie rekrutieren die besten Mitarbeiter, geben diesen grosse Herausforderungen und lassen sie dann selbständig daran arbeiten.

Wichtige Erfolgsfaktoren sind:

  • Der Aufbau von Business-Plattformen, und nicht einfach nur Apps, denn durch diese kann das Konsumenten-Verhalten verändert werden (Beispiel Airbnb) und es entstehen grosse Netzwerk-Effekte. Je grösser und globaler die Plattform, umso besser. Ein kleiner Heimmarkt wie z.B. die Schweiz ist da nicht sehr hilfreich.
  • „Software is eating the world“. Diese These besagt, dass es einfacher ist für eine Software-Firma herauszufinden, wie andere Branchen funktionieren als umgekehrt. Diese Firmen können dann die notwendige Technologie dazu entwickeln und ein entsprechendes Geschäftsmodell konzipieren. Es ist auch interessant zu sehen, dass z.B. Uber oder Airbnb ihre Technologien nicht in Lizenz weitergeben, sondern das Geschäft selber betreiben, d.h. selber einen grossen Marktanteil geholt haben. Deshalb auch die Bezeichnung „industry disruption capital of the world“.
  • Zudem sollten auch Design-Thinking und Customer-Centricity immer im Vordergrund stehen. Es geht nichts über rasches Experimentieren am Markt und konsequentes Arbeiten mit dem MVP-Ansatz (=minimum viable product).
  • Was das Innovations-Management betrifft, ist Mark Zawacki der Meinung, dass dieses bei den meisten traditionellen Firmen nicht funktioniere. Meistens seien die Veränderungen nur inkrementell und die Kultur lasse sich ohnehin kaum von innen her ändern. Erfolgsversprechender sei das „Core-Edge-Model“, bei welchem im Core-Teil der Firma das tägliche traditionelle Business geführt wird und im Edge-Bereich ein Portfolio von neuen und innovativen Businesses.

Digital Design by Autodesk

Unser Besuch in der Gallery von Autodesk steht unter dem Motto „Celebrating the technology behind exceptional design and engineering from across the world“. Als Design-Software-Firma deckte Autodesk traditionell üblicherweise das erste Viertel eines Projektes ab, die Design-Phase. Das Ziel ist es jedoch, immer stärker auch den restlichen Prozess digital zu begleiten.

Anhand von konkreten Use-Cases sehen wir in der Gallery faszinierende Beispiele, wie die CAD-Lösungen von den Kunden von Autodesk eingesetzt werden. Einige konkrete Beispiele sind:

  • Shanghai Tower: Autodesk Building Information Modelling
  • Augmented Reality Sandbox: Simulation von Wasserabflüssen in einer Landschaft
  • Airbus Concept Plane: Wie könnte ein Flugzeug im Jahre 2030 aussehen
  • Virtual Moviemaking: digitale Kameras in virtueller Umgebung für visuelle Effekte und Animationen

Häufig handelt es sich auch um eine Kombination von Design mit Autodesk-Lösungen und danach Konkretisierung mittels 3D-Printing: Von Kunstwerken über Sportschuh-Sohlen bis zu Eisenbrücken.

Viele Beispiele sind aus der der Bauindustrie, aber Leadership hat Autodesk im Bereich Film/Television/Gaming.

DocuSign – Data and Digital Security

DocuSign zeigt uns auf, wie die Firma mit ihren Lösungen die Zeichnung von Verträgen und das ganze Vertragsmanagement vereinfacht und digitalisiert.

Die von DocuSign aufgebaute „System of agreement“-Plattform umfasst die folgenden Phasen: prepare, sign, act, manage. Damit ist der ganze Prozess abgedeckt und die vielen sonst üblichen manuellen Schritte fallen weg. Ein weiterer Effizienzgewinn wird dann natürlich über die Integration mit bestehenden CRM-Systemen, Zahlungssystemen etc. erreicht.

Häufig beginnt DocuSign, mit einer einzelnen Abteilung eines Unternehmens zusammenzuarbeiten und weitet dann die Lösung in einem zweiten Schritt auf die ganze Firma aus. Mit Stolz wurde auch darauf hingewiesen, dass DocuSign mit einer weltweiten Availability von 99.99% in der SaaS (=software as a service)-Welt eine Top-Position einnimmt.

Sehr eindrücklich war der auf einem Bildschirm gezeigte Globus, auch welchem mit gelben Punkten alle zu diesem Zeitpunkt mit DocuSign aktiven Benutzer weltweit aufgezeigt werden können, und zwar in real time.

Google Developer Launchpad

Zum Abschluss des ersten Tages sind wir noch bei der Google Developers Group San Francisco an einem Meetup dabei.

Diese Gruppe ist unabhängig von Google, wird aber von Google unterstützt. Der Fokus liegt auf Google-Technologie, aber es wird grosser Wert auf open source gelegt. Regelmässige Meetups dienen zum Austausch (@GDGCloudSF).

Das grosse Thema des Abends sind Voice und Machine Learning/AI. Konkrete Beispiele sind immer wieder illustriert anhand von virtuellen Assistenten wie Google Assistant oder Alexa.

Voice wird als „the next big platform“ gesehen. Für die Entwickler und Coder gab es dann sehr viele technische Beispiele und Erläuterungen mit Details. Aus Business-Sicht war auch interessant, dass Google als AI-first company bezeichnet wurde. Nach Mobile first sind wir mittlerweile also bei AI-first angelangt.

Mit diesen interessanten Aussichten für die nächsten Jahre schliessen wir den ersten Tag unserer Study Tour ab. Morgen geht es dann früh los in Richtung Silicon Valley.