Wie bleibe ich als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter nach einer Pandemie relevant? Und welche Fähigkeiten sollte ich mir dafür zusätzlich aneignen? Willkommen in Jahren 2021 / 2022. Willkommen in der Reskilling Revolution.

Drei radikale Veränderungen

Wir schreiben das Jahr 2021. Die Welt erholt sich allmählich von den tiefschürfenden Folgen des Lockdowns von 2020. Oder doch nicht? Niemand kann die Nachwirkungen wirklich vorhersagen. Doch die Geschichte kann uns vielleicht etwas Aufschluss darüber geben, welche Art von Lebensumständen uns erwartet: 

Erstens: Alle Branchen und Regionen sind betroffen. Im Unterschied zu 2008 ging und geht der Umbruch durch die gesamte Realwirtschaft. Was bedeutet, dass quer über alle Branchen hinweg alle Akteure mit denselben Herausforderungen konfrontiert sind, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Weltweit. Zeitgleich. Das gab es in der überblickbaren Wirtschaftsgeschichte noch nie.

Zweitens: Manche Akteure werden gestärkt aus dem Lockdown kommen: Diejenigen, die sich bereits digital aufgestellt haben; diejenigen, die schon mit einer digitalen DNA in die Welt kamen; und auch diejenigen, die sich in den letzten Wochen sehr schnell angepasst haben. Es ist davon auszugehen, dass diese Winners eine rasche und flächendeckende Digitalisierung/Automatisierung weiter forcieren werden.

Drittens: Mitarbeitende sind gefordert. Wenn die gesamte Branche betroffen ist, macht es für sie wenig Sinn, zur Konkurrenz zu wechseln, denn diese wird unter ähnlichem Druck sein. Die grosse Herausforderung wird die starke Automatisierung sein, auf die die oben erwähnten Winners setzen: Durch die Automatisierung, werden sie weniger Arbeitskräfte benötigen und BewerberInnen einer harten Selektion unterziehen. “The Winner takes it all, but needs fewer and better people to do it”.

Schon unter normalen Umständen lässt sich – beispielsweise – nicht nahtlos zwischen der Finanz- und der Gesundheitsbranche wechseln. Die neue Welt dürfte diesen Silo-Effekt noch verschärfen, zumal die bestehenden Mitarbeitenden der jeweiligen Branchen weiterhin da sind (und um ihre Positionen kämpfen werden). 

Um sich für einen interessanten Karriereschritt zukunftsträchtig positionieren zu können, und in eine neue Nische wechseln zu können, werden erfolgreiche Leute daher fluider, anpassungsfähiger sein müssen. Sie werden Skills erwerben wollen, die es ihnen ermöglichen, ad hoc zwischen Branchen zu wechseln, attraktiv zu sein für die erfolgreichen, gut aufgestellten Unternehmen, resilient für zukünftige Unsicherheiten.

Bleibt die Frage, was denn dieses Know How sein wird. Welche Skills sind branchenunabhängig, gar landesunabhängig, krisenresistent? In erster Linie sind dies sicher digitale Fähigkeiten; sie dominieren die Arbeitsplätze von morgen. Digitales Geschick in breiter Hinsicht wird (noch mehr als heute) vorausgesetzt sein. Technologien wie KünstIiche Intelligenz (kurz: KI) oder Cloud Computing werden so weit verbreitet sein, dass auch Mitarbeiter in Vertrieb und Marketing ein grundlegendes Verständnis der KI benötigen werden. Aber auch ein Verständnis der digitalen Risiken wie auch der ethischen Herausforderungen im Digitalen Raum werden zu wichtigen Assets. Oder das Beherrschen von Social Media: Sie erlauben Networking in sicherer Distanz, ermöglichen eine Empfehlung durch jemanden, der bereits an wichtiger Stelle beschäftigt ist, was zielführender ist als das Versenden Dutzender von CVs. Digital Leadership bedeutet sowohl das Führen im Digitalen Zeitalter als auch führend zu sein in Digitaler Kompetenz. 

Unsere Studie «Digitale Dinosaurier» belegt seit Jahren, dass die grösste Herausforderung von Schweizer Unternehmen beim digitalen Wandel im fehlenden Fachwissen der Mitarbeitenden besteht. Die Pandemie, bei aller sonstiger Tragik, ist die Gelegenheit, hier die entscheidenden Fortschritte zu erzielen. Willkommen bei der Reskilling Revolution.