Andreas Unternährer berichtet aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management zum Thema Broadcast, präsentiert von Philipp Skrabal, Farner:

Ist Broadcast noch zeitgemäss?

Die ursprüngliche Definition von “Broadcast” ist die “one to many”-Kommunikation über audio-visio, sprich über klassisches Radio und Fernsehen. Diesen klassischen Kanälen wird aber das Ende vorausgesagt. Ist dem wirklich so? Oder bedarf es nicht einfach einer Anpassung der Definition?

Broadcast bietet drei Qualitäten, die wir auch im Web finden:


Menschliche Bedürfnisse bleiben, denn sie haben eine kollektive Funktion. Sie dienen nicht nur dem Überleben des Individuums, sondern auch dem Überleben der Biopopulation. Fazit: Broadcast wird es immer geben – Broadcast erfüllt menschliche Bedürfnisse, einfach nicht mehr (nur) über die klassischen Medien wie Radio und TV. Deshalb gilt: Don’t think TV – think one to many!

Philipp Skrabal hat eine neue Definition von Broadcast gefunden: “Viele Abonnenten, Zuschauerinnen oder Zuhörer nutzen in Echtzeit oder innerhalb eines kurzen Zeitraumes dasselbe Programm oder denselben Inhalt”. Dadurch wird das Ganze aber komplexer, in der Planung und in der Umsetzung. Einerseits bei der Auswahl der Kanäle, aber auch bei der Wahl des Contents und der Definition der Zielgruppen.
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Die Kunst, aus der Fülle an Möglichkeiten das Optimum herauszuholen

Die Lösung: Verstehen und “spielen” …
… mit den Kanälen
… mit dem Publikum
… mit der Geschichte

Im Folgenden sollen einige Beispiele Ideen liefern, wie das aussehen kann:

Vom TVC zum Web
Im TV-Spot wird auf Web-Filme hingewiesen. Diese können am Ende wiederum einen Weblink aufweisen, der zu weiterem Content führt. Oder TVC fordert auf, selber Social Content zu generieren (z.B. Zalando fordert in TVC-Kamapagnen dazu auf, Bilder von sich unter einem bestimmten Hashtag zu posten).

YouTube als Broadcast-Kanal
Je nach Anzahl der Abonnentinnen sind heute YouTube-Channels die besseren Broadcaster als ihre Kollegen vom Fernsehen (z.B. Redbull oder GoPro). Ob interaktiv verknüpftes und verlinktes Storytelling oder 360°-Video: YouTube-Filme ermöglichen ganz neue Content-Erlebnisse, die sich erst noch in die eigene Social-Ad-Kampagne integrieren lassen (Beispiel Interaktives chemisches Experiment, BBC BRIT).

TV und Realtime Side Story auf Twitter
Während der Sendung im Fernsehen tauschen sich Fans oder Interessierte über Twitter aus. Gezielte Platzierungen von Tweets können zur Contentvermittlung genutzt werden oder gar die Meinung der Zuschauer beeinflussen (Beispiel Twitter Realtime Campaign “Nein zur Einheitskasse”).

Branded Content
Ein Brand sponsert eine TV-Sendung, die genau das passende Thema zum Inhalt hat, um die Marke zu positionieren (Beispiel IKEA sponsert Sendung “Homeview” bei Tele 1 und stellt sämtliche Möbel zur Verfügung).

YT-Film und TV
Neben dem TV-Spot wird bei der Kreation auch im Format YT überlegt. Die gleiche Story wird auf zwei verschiedene Arten erzählt und die Kanäle verweisen aufeinander (Beispiel Didier Cuche, Mobiliar).

Reichweite durch Film-Content. Multiplikatoren: “Social Web” und Medien (kein Geld für TV)
Durch eine entsprechende redaktionelle Vorbereitung kann ein Broadcast-Effekt erzielt werden. Der Content muss provokativ und/oder auffällig platziert werden, damit die Medien darauf aufmerksam werden und ihn in ihren Formaten “dankbar” aufnehmen, weil es ihnen bei der Visualisierung des Themas hilft (Beispiel Teaser-Aktion und Einführung von .swiss).

Fazit: Broadcast ist nicht out, sondern definiert sich neu und bietet viele Möglichkeiten. Die Kunst dabei ist, das Optimum aus diesen Möglichkeiten herauszuholen.