Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Oliver Vendolin berichtet Cédric Baumgartner:

Die Digitalisierung hat die Kommunikationsmöglichkeiten in den letzten Jahren erweitert und unser Informationsverhalten stark verändert. Neue Technologien lassen die Welt dabei immer mehr zusammenwachsen. So werden beispielsweise im Jahr 2020 bereits 50 Milliarden Objekte mit dem Internet verbunden sein – rund vier Mal mehr als heute. Die anhaltende Digitalisierung zeigt sich bereits heute exemplarisch an veränderten technologischen und kommunikativen Gegebenheiten:

Technologische Veränderungen

  • Mit Virtual Reality werden zunehmend interessante Business-Felder erschlossen
  • Das Smartphone eröffnet neue Bezahlmöglichkeiten
  • Das Internet tragen wir an unserem Handgelenk
  • Filme werden mit 360°-Kameras gedreht

Kommunikative Veränderungen

  • Breaking News erreichen uns via Twitter
  • Personalisierbare News über verschiedene Apps und Plattformen setzen sich immer mehr durch
  • Wahlen werden im World Wide Web gewonnen
  • Neue Online-Lernformen beeinflussen didaktische Methoden

Digitalisierung als Challenge

Der technologische Fortschritt und die damit verbundene Verbreitung des Internets erhöhen die Anforderungen an die unternehmerische Marketing- und Kommunikationspolitik. Die zunehmend komplexe Vielfalt von digitalen Medien, Inhalten, Technologien und Zielgruppen erschwert dabei nicht nur das sinnvolle Führen und Gestalten von digitaler Kommunikation, sondern bedingt auch ein hohes Mass an Flexibilität. Verschiedene Technologien und Plattformen werden immer mehr zusammengeführt, was ganzheitliches Denken von Kommunikationsprofis erfordert. Wesentliche Treiber dieser Entwicklungen sind dabei auch die sozialen Medien.

Mehr als nur ein Phänomen

Aktuelle Zahlen belegen, dass mehr als zwei Milliarden Menschen regelmässig soziale Medien nutzen. Auch Unternehmen springen zunehmend auf den “Social-Media-Express” auf und geben ihren Werbefranken vermehrt für Facebook, Twitter & Co. aus. Diese Plattformen sind im Alltag von Schweizer Unternehmen angekommen und haben die Schwelle vom Experimentierstadium zum Regelbetrieb überschritten. Bereits über zwei Drittel der Schweizer Unternehmen sind mittlerweile auf Social Media aktiv. Viele von ihnen versuchen, den Dialog mit ihren Fans und Followers auszubauen und betriebsfähig zu führen. Nichtsdestotrotz hat die Universität St. Gallen festgestellt, dass meist nicht nur eine kanalübergreifende digitale Strategie fehlt, sondern auch eine formale Verschmelzung sozialer Medien mit anderen Kommunikationskanälen. Um soziale Medien sinnvoll führen und gestalten zu können, benötigt es nicht nur eine durchdachte Verknüpfung, sondern im Weiteren auch guten Content als Schlüssel in die Köpfe der Konsumierenden. Guter Content ist dabei persönlich, transparent, authentisch, einzigartig, inspirierend und soll im Idealfall für ein kurzes und kompaktes Storytelling auf den zahlreichen Plattformen im Social Web verwendet werden.

Big Players

Der digitale Dschungel ist reich an verschiedenen Plattformen und Apps. Die populärsten von ihnen lassen sich wie folgt charakterisieren:

Charakteristika SoMe

Nachfolgend die wichtigsten Gedanken zu den einzelnen Plattformen.

Facebook

  • Trotz Stagnation und kontinuierlich sinkender organischer Reichweite bleibt Facebook das grösste und relevanteste Social Network der Schweiz und ist für Unternehmen immer noch das interessanteste Netzwerk, um mit ihren Kundinnen und Kunden zu interagieren. Dabei sollten sich Kommunikationsprofis stets darüber im Klaren sein, welche Ziele sie mit einer Facebook-Page verfolgen, wer ihre Zielgruppe ist, welche Inhalte diese Zielgruppe wirklich interessieren bzw. ob die Ressourcen und Mittel für eine proaktive Bewirtschaftung (Monitoring, Listening, Reporting) zur Verfügung stehen.
  • Kampf um Interaktion: Generell sinkt die Bereitschaft der User, Beiträge auf Unternehmensseiten zu kommentieren bzw. zu teilen. Nur guter Content reicht heutzutage nicht mehr aus – Social Media werden deshalb vermehrt zu Werbeplattformen umgebaut.
  • Tipps für das Erhöhen des EdgeRank: Regelmässig Bilder und Videos posten, Posting-Zeit strategisch wählen, kurze und einfach verwertbare Inhalte publizieren, Anspruchsgruppe und deren Verhalten kennen.

Instagram

  • Instagram hat inzwischen mehr Nutzerinnen und Nutzer als Twitter. Die Foto-Plattform überholte die Microblogging-Plattform kürzlich auch bezüglich Monthly Active Users. Im nächsten Jahr wird Instagram voraussichtlich rund drei Milliarden für Ads einnehmen.
  • Trend: Immer mehr Unternehmen setzen auf Instagram. Das Gleiche lässt sich auch bei Teenagern beobachten – diese tauschen Facebook und Twitter gegen Instagram ein.
  • Erfolgsfaktoren für den Aufbau einer Community auf Instagram: Fan-Involvement, aktives Community-Management, Publizieren von Wettbewerben.

YouTube

  • Nur 20 % aller YouTube-Videos erhalten mehr als 500 Views und nur 4 % mehr als 10‘000 Views
  • Tipps für attraktive YouTube-Videos: Emotionen wecken, verständliche Geschichte erzählen, Influencer identifizieren und für die Sache gewinnen
  • YouTube ist auch eine Community. Setzen Unternehmen Community-Funktionen auf der Videoplattform richtig ein, können wertvolle Kontakte geknüpft und die Video-Abspielzeit nachhaltig erhöht werden.

Twitter

  • Rabatte, Kundenservice und direkte Interaktionsmöglichkeiten sind die Top-Gründe, weshalb User Unternehmen auf Twitter folgen.
  • Unternehmen nutzen den Microblogging-Dienst aus unterschiedlichen Gründen. Zu den Wichtigsten zählen der Aufbau der Expertise und Reputation, das Beobachten von Trends, das Finden von Content, Kundenbindung, Kundenservice und Beratung.
  • Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Twitter-Engagement: zur Erhöhung der Reichweite und des Traffics aktiv in den Dialog einsteigen, kurze Tweets schreiben, Links setzen, gekürzte URL und Hashtags verwenden, Timing optimieren, Aktualität gewährleisten.

Blog

  • Ein guter Blog ist heute wichtiger denn je: Unternehmen können unabhängig von den Plattformen Inhalte generieren und sich so als Themenexperten profilieren. Zudem sind Blogs höchst SEO-relevant.
  • Tumblr als populäre Blogging-Plattform mit weltweit rund 420 Millionen Usern zeichnet sich durch einen einfachen Aufbau, die hohe Personalisierbarkeit sowie die kostenlose Nutzung aus.

Last, but not least: Praktische Handlungsempfehlungen auf einen Blick

  • Den Fans “zurückfolgen” und mit ihnen interagieren
  • Stets den sozialen Aspekt in Social Media im Fokus haben
  • Auf die Tonalität achten
  • Knackiger Content als Trumpf ausspielen
  • Brand Awareness sicherstellen
  • Nicht zu viel Inhalt posten
  • Nicht immer Teil der Konversation sein wollen
  • So transparent wie möglich sein
  • Lieber proaktiv statt reaktiv agieren
  • Sowohl auf positives als auch negatives Feedback reagieren