Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Prof. Dr. Martin Zimper, Head (oder Held?) of CAST, berichtet Diana Liviero:

„Ich schaue auf mein Handy. Die Uhr zeigt 08:27h. Ausnahmsweise war mein Zug heute überpünktlich und ich zu früh an meinem heutigen Platz in Zimmer 404 der HWZ. Vorne beim Dozentenpult sehe ich einen älteren Herrn, der sich einzurichten versucht. Das wird er wohl sein, der Redner des heutigen Tages. Martin Zimper von der Zürcher Hochschule der Künste, lese ich auf dem Unterrichtsplan. Er wirkt leicht aufgeregt, verwirrt, als ob er sich nicht so richtig zu Recht finden würde. Ich überlege mir, ob er ein besserer Dozent ist, als es sein jetziger Eindruck vermuten lässt. „Storytelling“, denke ich mir „könnte durchaus ein spannendes Thema sein.“. Doch ich merke wie bei mir Zweifel an Herrn Zimpers Rednerkünsten aufkommen, als er um 08:38h noch immer verwirrt hin und her tingelt. Es scheint als wisse er selber nicht genau, was er noch benötigt um zu beginnen. „Bitte überrasche mich, denn für einen ganzen Tag der Langeweile bin ich wirklich zu müde“, geht es mir durch den Kopf. Und dann legt er los. Sein Österreichischer Dialekt, seine Mimik und Gestik machen ihn gleich sympathisch. Er wirkt noch immer leicht verwirrt, aber nun stört es nicht mehr, nein es passt sogar zu ihm. Es passt zu seiner Euphorie für das Thema, dazu, dass er zu jedem einzelnen Themenpunkt viel mehr erzählen möchte, als seine Tagesplanung es zulässt. Ich höre ihm gerne zu und meine zu spüren, dass es der gesamten Klasse so geht. Die Zeit verfliegt. Zugegeben, der Nachmittag war etwas harziger als der Morgen, aber das haben Nachmittage ja im Allgemeinen so an sich. Aber spätestens mit der Aussage, dass wir den Unterricht ein paar Minuten eher beenden als es der Stundenplan vorgibt, schliesslich wolle er ja auch nicht die letzten paar Minuten alleine rumsitzen, hat Herr Zimper sich in die Herzen aller Schüler gebohrt. Mit einem guten Gefühl schlendere ich in Richtung Zug und hoffe, dass Herr Zimper den Tag auch geniessen konnte.“

Vielleicht hätte man zum Thema „Transmediales Storytelling“ eine spannendere, überraschendere oder kreativere Geschichte erwartet. Aber lasst uns diese Geschichte doch mal durch die „Zimper-Brille“ betrachten. Gehen wir davon aus, dass Herr Zimper der Held ist und sein Tag die zu erzählende Geschichte. Ich trage zur Geschichte eigentlich nichts bei und habe mich einfach irgendwo in Phase 2, der sogenannten „Konfrontation“, dazu gesetzt, irgendwo zwischen dem „inciting incident“, der den Helden aus dem Gleichgewicht bringt und dem „plot point“, wo der Held dann über sich hinaus wächst. Beim Betrachten dieser Sezene habe ich, wie von unserem Helden prophezeit, die sieben Schritte durchlaufen, wie jeder Zuschauer es tut:

  1. Paying attention to the screen:
    “Klar, ich sitze da, bin bereit und nach vorne, sozusagen zur heutigen Bühne, gerichtet.”
  2. Identify what things are:
    „Aha, das ist also Herr Zimper.“
  3. Reading the signs and characters:
    „Er will wohl das Flipchart benutzen, sucht noch einen Stift. Er will den Beamer benutzen, bringt ihn aber nicht zum Laufen. Er ist viel zu warm angezogen für diese Hitze. Ist das ein Flanellhemd?!? Ich glaube er sucht Evi…sucht er Evi?“
  4. Make connections, what does this mean?:
    “Er scheint vor Aufregung ganz unruhig und tollpatschig zu sein, tut mir schon fast etwas leid der arme. (Im Nachhinein könnte man denken er habe mein Mitleid bewusst provoziert, wenn er schon nicht wie Disney mit Halbwaisen auftrumpfen kann.)”
  5. Guess what will happen next:
    “Najaaa…ich will ja ehrlich bleiben…ich dachte entweder langweilt er uns jetzt einen Tag lang oder er blamiert sich vielleicht sogar noch irgendwie.
  6. Worry about the character and their outcome:
    „Nein, er soll sich bitte nicht blamieren, er kann ja nichts dafür dass er aufgeregt ist.“
  7. Emotional closure of surprise and vindication:
    “Herr Zimper ist keine Katastrophe zugestossen und ich glaube man darf von einem Happy End sprechen. Ich weiss ja nicht wie es euch geht, aber ich ging nach diesem Modul definitiv leicht verändert nach Hause!”

Die „hero’s journey“ kann in diesem Beispiel nur der Held selbst erzählen (wie gesagt kenne ich ja nur die halbe Geschichte) und das A-Z des Storytellings will ich euch an dieser Stelle ersparen, aber Herrn Zimper sei gesagt: Ich werde das nächste Mal mit anderen Augen im Kino sitzen!