Aus dem Unterricht des EMBA Digital Leadership mit David Fiorucci berichtet Evelyn Eisenhauer.

Das Thema des heutigen Unterrichtblockes ist Feedbackkultur: Selten war Leadership so kurzweilig und greifbar wie in den zwei inspirierenden Unterrichtstagen mit David Fiorucci! Dank gezielt eingesetzter Visualisierungen, Nachvollziehbarkeit und Klarheit bringt er die Tages-Themen auf den Punkt und zeigt uns so erfolgreich auf, wie sich die neu erlernten Techniken im Arbeitsalltag implementieren lassen.

Das Thema Feedback und Feedbackkultur ist nicht neu und ja, wir haben es alle schon viele Male gehört. Aber verwenden wir dieses wirkungsvolle Instrument tatsächlich zielgerichtet und konsequent in der Praxis und haben wir seine Kraft und Tragweite effektiv erkannt?

“Feedback ist das Frühstück der Champions”Ken Blanchard

Positives und konstruktives Feedback

Feedback steht für Rückmeldung oder Rückkoppelung, die man seinem Gegenüber zum Verhalten und der daraus entstandenen Wirkung gibt. Dabei geht es nicht darum, ihm Honig um den Mund zu schmieren und zu sagen, wie grossartig es ist. Vielmehr soll es sich hierbei um konstruktives Feedback handeln, welches dem Gegenüber die Chance bietet, an sich zu arbeiten, also zu wachsen, um noch besser zu werden.

“Richtig” Feedback zu geben, ist aber gar nicht so einfach, wie es zu Beginn scheint. Folgende Fedback-Technik zu verinnerlichen zum Beispiel: Mit positivem Feedback eine Basis bilden und mit konstruktivem Feedback ergänzen, ohne dazwischen “aber” zu sagen. Das “Aber” wirkt auf das Gegenüber nämlich wie ein “Reset-Button”, weshalb das Risiko, dass sich das Gegenüber nur noch auf die Ausführungen nach dem “aber” konzentriert, relativ hoch ist. In diesem Zusammenhang betont David Fiorucci zudem, dass ein negatives Argument immer fünf positive benötige, um das negative zu kompensieren. Interessant, nicht?

“Same same but different” – Die Buddy-Übung

Eine zusätzlich vertrauenssteigernde Dimension bekommt der bisherige Feedback-Ansatz durch die Buddy-Übung. Diese lässt sich je nach Situation direkt, also sozusagen live, mit dem Gegenüber durchführen oder aber man bereitet sich auf die Fragen schon vor dem Austausch vor, um die Antworten dann erst nach dem Aufeinandertreffen abzugleichen. Egal für welche Version man sich entscheidet, es handelt sich immer um folgend drei Fragen:

  1. Was sind unsere Ähnlichkeiten?
    = Ähnlichkeiten dienen als Türöffner, schaffen Nähe und legen die Basis für eine Beziehung.
  2. Wo liegen unsere Unterschiede?
    = Unterschiede stehen für Komplementarität und das Wachstumspotential bzw. die Stärke, die durch Interaktion erzielt werden kann.
  3. Worin liegt die Einzigartigkeit des Gesprächspartners?
    = Offen auszusprechen, was den anderen im positiven Sinne auszeichnet und einzigartig macht, zeugt von absoluter Wertschätzung und Achtung.

Diese drei banal scheinenden Fragen erzielen eine kraftvolle Wirkung, indem sie Vertrauen und damit die ideale Basis für konstruktives Feedback schaffen. Diese Verbindung lässt sich des weiteren verstärken, indem beide Parteien die eigenen Werte transparent machen. Stimmen persönliche Werte mit einigen des Gegenübers überein, schafft das wiederum ein Gefühl von Vertrautheit.

Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun

Das Wertequadrat von Schulz von Thun ist ein sehr praktisches und oft eingesetztes Instrument, um die persönlichen Werte und Verhaltensweisen zu beleuchten, seinen eigenen Kommunikationsmustern auf die Spur zu kommen und damit die Interaktion mit anderen zu verbessern. Dabei entfaltet jeder Wert im Sinne eines Persönlichkeitsmerkmals, eines Leitprinzips oder einer Tugend nur dann eine konstruktive Wirkung, wenn er sich in Balance zu einem positiven Gegenwert, einer sogenannten “Schwestertugend” befindet. Ein Ungleichgewicht hingegeben führt zu einer entwertenden Übertreibung.

David Fiorucci veranschaulicht das Wertequadrat anhand der Tugend “Sparsamkeit” (siehe Abb. 1):

Ohne den positiven Gegenwert von “Grosszügigkeit” verkommt “Sparsamkeit” zu “Geiz”. Umgekehrt jedoch resultiert “Grosszügigkeit” ohne “Sparsamkeit” in “Verschwendung”. Ordnet man die vier Begriffe also im Wertequadrat an (siehe Abb. 2), stehen die beiden positiven Gegenwerte auf den oberen Hälfte, während die Unwerte auf der unteren Hälfte stehen. Die daraus resultierenden Beziehungen lassen sich so in vier Kategorien einteilen:

  1. Positives Spannungs- bzw. Ergänzungsverhältnis auf der oberen Ebene
  2. Konträre Gegensätze auf den Diagonalen
  3. Entwertende Übertreibung auf den Senkrechten
  4. Überkompensation auf der unteren Ebene, d.h. Flucht in den entgegengesetzten Unwert, weil die Kraft fehlt, sich auf die Ebene des positiven Spannungsverhältnisses hinaufzuarbeiten

Das Werte- und Entwicklungsquadrat entfaltet mit Blick auf die Analyse von Widersprüchlichkeiten, von Polarisierungen sowie von Dilemmas seine volle Wirkung und findet u.a. im Coaching, der Mediation und im Rahmen von Beurteilungen oder eben Feedback Anwendung.

Was am Ende dabei rausschaut

Ausgeprägte Feedbackkultur und Wertetransparenz bringt dem Gegenüber die erforderliche Wertschätzung entgegen, wirkt vertrauensbildend und liefert eine hervorragende Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Un grand merci à David!