Aus dem Unterricht des CAS Digital Real Estate vom 24.10.2017 berichten Shirin Mallasch und Silke Ertelt.

Wir haben vormittags am Beispiel der Allthings Technologie AG eindrucksvoll von Marc Beermann (COO) erläutert bekommen, wie ein erfolgreiches Start-Up-Unternehmen entsteht. Am Nachmittag wurde uns deren Umsetzung von Robert Beer (Managing Director CH/AUT) vorgestellt.

Ist die Immobilienwelt jetzt bereit für die Digitalisierung?

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen befasst sich die Immobilienwelt relativ spät mit dem Thema Digitalisierung. Viele andere Branchen setzen sich längst mit den neuen Herausforderungen der Digitalisierung auseinander. In diversen Projekten wurde das Thema digitale Transformation erfolgreich umgesetzt. Das wohl bekannteste Beispiel findet man im Finanzsektor. Die Banken arbeiten schon lange mit einer Plattform für das Online-Banking. Die Bearbeitung von Zahlungen über das Internet gehört für die meisten Menschen zur heutigen Normalität. Wie eingangs erwähnt ticken in der Immobilienbranche die Uhren anders. Doch es gilt die Devise „besser spät als nie“.

Wie funktionierte der Start-Up bei Allthings Technologie AG?

Im Januar 2013 wurde das Start-Up-Unternehmen Qipp gegründet, wobei die Technologieplattform schon immer seit Gründung Allthings hiess. Im Zuge der Fokussierung auf ein gesamtheitliches Erscheinungsbild konsolidierte man im September 2016 zum Namen Allthings.

Allthings ist eine Plattform, die Eigentümer und deren Verwalter mit ihren Mietern digital verbindet.

Das Ziel der Plattform war, eine einfache Kommunikationsmöglichkeit zwischen den verschiedenen Nutzern zu schaffen. Besondere features werden im zweiten Teil erklärt.

Mit dieser innovativen Idee wurde ein ausgearbeitetes Geschäftsmodell unter Zugrundelegung eines detaillierten Businessplans entwickelt. Dies deshalb, da in der schnelllebigen Welt der Start-Up‘s diese häufig dazu gezwungen werden, einen institutionellen und gut etablierten Partner zu finden. Der Partner stellt die Finanzierungsmöglichkeiten für die Umsetzung bereit, um die finale Idee auf den Markt zu bringen und bei Erfolg zu skalieren.

In den letzten Zeit hat sich ein regelrechter “Run” der Start-Up’s Szene auf die Immobilien-bewirtschaftung entwickelt. Für die Start-Up’s liegt die Schwierigkeit vor allem darin, die trägen Entscheidungsträger zu überzeugen. Die langen Innovations- und Entscheidungsprozesse der Grossfirmen verbrauchen sehr viel Manpower und Zeit. Daher sind Start-Up’s gut beraten, den direkten Weg zu den Leadern zu suchen, um den Prozess und die dafür notwendigen Steps zu beschleunigen.

Allthings stehen bereits in der Expandierungsphase und wollen mit ihrem Produkt eine rasche Marktdurchdringung erreichen. Nachdem sie namhafte Partner in der Schweiz akquiriert haben, liegt der zweite Schritt darin, ihr Geschäftsmodell in den Ländern Deutschland und Österreich zu etablieren. In Berlin wurde zu diesem Zweck bereits im September 2016 eine Tochtergesellschaft eröffnet. Ganz nach dem Motto:

Quelle: Seite 17 Präsentationsunterlagen Allthings vom 25.10.2017

Aber was ist dieses Allthings eigentlich?

Allthings bietet eine umfassende SaaS „Software as a Service“- Lösung (Software als Service) an. Die cloudbasierte Software wird über eine Internetverbindung via App zur Verfügung gestellt. Die Anschaffungs- und Wartungskosten für die Software-Lösung werden dem Liegenschaftseigentümer oder der Verwaltung verrechnet. Für den Objektmieter fallen keine Gebühren an.

Was ist für das Wachstum von Allthings wichtig und wie kann ein Pilot kostendeckend sein?

Wichtig ist vor allem, die Skalierung im Auge zu behalten und ein schrittweises Wachstum durchzuführen. Zur Kundenakquise wird den Interessenten zu einem fixen Betrag diese App mit der maximalen Zeitdauer von einem Jahr für ein Gebäude zur Verfügung gestellt. Wurde der Kunde von dem Produkt überzeugt, skaliert der Preis.

Woher bekomme ich diese App und wie funktioniert sie?

Die App ist keine Native App, die man auf ein beliebiges Mobile-Betriebssystem laden kann, sondern eine Web App. Diese basiert auf einer Webseite, die über den Browser eines beliebigen Endgerätes (Desktop, Mobile, Laptop) aufgerufen und in Gebrauch genommen werden kann.

Sinn und Zweck ist, alle Nutzer eines Gebäudes oder eines Portefeuille mit einer eigenen Kommunikations- und Service-Plattform auszustatten. Die verschiedenen Applikationen teilen sich in Hauptbereiche auf. Nachfolgend die wichtigsten kurz erläutert:

Quelle: https://www.allthings.me/

Community-Funktionen

Die Pinnwand ist ähnlich aufgebaut wie man es aus bekannten Social Media Plattformen kennt und dient für den Austausch der Mieter untereinander. Verwaltungen können die Pinnwand als schneller Kommunikationskanal mit ihren Mieter nutzen. Ausgewählte Mietergruppen können in Echtzeit  über allfällige Probleme in der Liegenschaft, wie z.B. ein defekter Lift, informiert werden. Aktuell werden die Beiträge, vor der Live-Publizierung, von Allthings kontrolliert, begleitet und freigegeben.

Ticketing & Dokumentation

Mit dieser Teilapplikation haben die Mieter die Möglichkeit, Meldungen über Defekte, Schäden und andere Anliegen direkt und jederzeit dem Verwalter zu melden. Der Mieter kann anhand der erhalten Ticketnummer immer den Stand seines Anliegens verfolgen.

Unter “Dokumentation” sind objektspezifische Informationen und allgemeine Bedienungsanleitungen, Handbücher,usw. abgelegt. Die Hinterlegung der entsprechenden Dokumente zum jeweiligen Mietobjekt wird durch die Verwaltung sicherstellen.

Zusätzliche Dienstleistungen

Auf der Plattform können auch andere Anbieter zusätzliche Dienstleistungen und Produkte, welche dem Mieter einen Nutzen bringen sollen, anbieten. Dies können Umzugs- und Reinigungsangebote, Lieferdienste, Taxis usw. sein. Der Plattformbetreiber und auch der Liegenschaftseigentümer partizipieren an den bestellten Leistungen.

Data Insights

Data Insights beschreiben alle Interaktionen der App-Nutzer. Die Daten werden gespeichert und können anschliessend analysiert und ausgewertet werden.

Analytics

Diese Auswertungen und Analysen führen zu neuen Erkenntnissen, woraus wiederrum neue Massnahmen für den Use Case entstehen können. Die entstandenen Umsetzungsmöglichkeiten dienen zur Lösung von Problemen und sollen zur Verbesserung der Effizienz und zu einfacheren und schnelleren Entscheidungswegen führen. Es gibt verschiedene Analysebereiche um wichtige Informationen auszufiltern wie Standard Analytics, Reporting Automationen, In-App Analytics Featues, Automatic ticket classification, Sentiment Analysis, Big Data Analytics.

Möglichen Fragen die analysiert werden könnten, damit z.B. die Plattform am Laufen gehalten wird, wären:

  • Wann ist der beste Zeitpunkt um etwas zu veröffentlichen?
  • Wird die Plattform über Mobile, Desktop und/oder Tabletts genutzt?
  • Wie oft wird was genutzt?
  • Welche Kategorien werden am meisten genutzt?
  • Welche Pinboard-Posts laufen am besten?
  • Welche Beiträge auf der Pinnwand haben die meisten “Klicks”?
  • Wer postet am meisten, Mieter, Eigentümer, Verwalter?
  • In welche Kategorien fallen die Umfragen (Tipps, Events etc.)?

Alle zu beziehenden Services sind in der nachfolgenden Abbildung ersichtlich.

Quelle: https://www.allthings.me/

Die Gewinner

Gewinner sind Plattformen, die Angebot, Nachfrage und ein Oekosystem zu einem Ganzen zusammen vereinigen können.

Plattformen lösen Kundenprobleme und/oder Helfen ein Kundenbedürfnis zu erfüllen und/oder erleichtern dem Kunden eine Aufgabe zu erfüllen. Durch das Schaffen von Mehrwert für den Kunden und der entsprechende Monetarisierung für die erbrachten Leistungen, erhält die Plattform ein Business Model und ein funktionierendes Oekosystem.

Allthings setzt hier nicht nur auf die eigenen Fähigkeiten, sondern greift auf bereits vorhandene Lösungen von anderen Anbieter zurück.

Zusätzlich und speziell an der zur Verfügung gestellten Plattform von Allthings ist, dass zwei Oekosysteme bedient werden und zwar:

  1. das Developer Oekosystem, in dem andere Anbieter ihre eigene App andocken und ihre Dienstleistung anbieten können.
  2. das Customer Oekosystem, in dem eigene Dienstleistungen an den Nutzer verkauft werden. Hauptfokus liegen dabei auf den Bedürfnissen der Mietern und die Prozessoptimierung bei der Verwaltung, bzw. dem Liegenschaftseigentümer.

Fazit

Allthings hat eine einzigartige App für das Gebäude geschaffen. Interessierte Eigentümer/Verwalter können sich von Allthings einen Service zusammenstellen lassen, der all ihre Bedürfnisse abdeckt. Bereits in Geschäftsbeziehung mit Eigentümern/Verwaltern stehende Dienstleister können dank der durch Allthings angebotenen Schnittstellen mit eingebunden werden. Diese Plattform ermöglicht die Vernetzung aller Beteiligten und schafft somit eine unkomplizierte und damit bessere und schnellere Kommunikationsmöglichkeit. Die durch diese Plattform geschaffene Effizienz in der Bearbeitung von diversen Meldungen und Anliegen, die historisiert zur Verfügung stehen, und die daraus resultierenden Informationen und Erkenntnisse bilden einen deutlichen Mehrwert. Ein zusätzlicher positiver Nebeneffekt besteht darin, dass den Mietern eine Kommunikationsplattform zur Verfügung steht, durch die sie sich nicht anonymisiert, sondern ernstgenommen fühlen und sie auch immer und jederzeit (auch Nachts) den Stand ihres Anliegens abfragen können.