Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance direkt aus dem #F10 mit Markus Graf und Thomas Landis berichtet Patrick Schöni:

Wir befinden uns mittendrin im Start-up Incubator & Accelerator der SIX und sind bereit, unseren Teil zum Aufbau der FinTechs von morgen zu leisten. Doch bevor es an die praktische Arbeit geht, reflektieren wir die verschiedenen Aspekte rund um die Themen The Innovation Problem und Design Thinking.

The Innovation Problem

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Die Welt befindet sich in einer der schnellsten und wirkungsvollsten Veränderungsphasen seit Jahrzehnten. Und auch die Schweiz ist nicht davor gewappnet. Wo heute noch traditionelle Produkte und Dienstleistungen wie Sackmesser, Uhren, Schokolade, Tourismus und der Finanzplatz eine tragende Rolle spielen, müssen in naher Zukunft Kundenbedürfnisse anders und/oder neu befriedigt werden. Digital Natives und Millenials treffen als Arbeitnehmer innerhalb von Unternehmen oder als Kunden auf Senior Executives der alten Schule. Doch sind die Schweizer Unternehmen und deren Führungsetagen für einen Wandel bereit? Wir beantworten diese Frage nach einer kurzer Gruppendiskussion schnell und deutlich mit einem Nein. Die traditionellen Firmen, insbesondere die Finanzinstitute, haben unserer Meinung nach ein Innovationsproblem.

Die Auswirkungen lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:
– Etablierte Unternehmen haben oft Schwierigkeiten rasch auf neue Technologien umzusteigen und sind demnach der neu auftretenden Konkurrenz unterlegen, die sich von Anfang an die aktuellsten Technologien zu Nutzen machen
– Bestehende Firmenkulturen, Regulatoren und Prozesse müssen grundlegend geändert werden, um echte und langfristige Innovation in das existierende Geschäft zu bringen
– Die bevorstehende Kannibalisierung muss in die eigenen Hände genommen werden, sonst werden Startups diesen Teil übernehmen

Einige der Firmen haben dies erkannt und beginnen nun langsam die nötigen Massnahmen zur Problembekämpfung anzugehen. Viele Banken haben kürzlich ein Innovationslab oder ein ähnliches Gremium eröffnet, wo kreative Ideen entstehen und die Zusammenarbeit mit den Startups gefördert werden soll. Doch auch hier sind wir uns einig, dass viele dieser Umsetzungen nicht die gewünschten Wirkungen bringen und im Papierkorb landen, solange die entstandenen Ideen nicht mit Budget und Unterstützung direkt aus der Geschäftsleitung für die Umsetzung untermauert werden. Die Labs sollten also nicht nur für Marketingzwecke eingesetzt werden, sondern echte Kundenprojekte produzieren und umsetzen.

Design Thinking In A Nutshell

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Die zentrale Frage im Design Thinking Innovationsprozess lautet: Für wen bietet ein Unternehmen seine Produkte und Dienstleistungen an?

Der Kunde steht im Fokus und die Prozesse bauen sich rund um ihn auf, mit dem Ziel sein Bedürfnis mit einer Innovation zu befriedigen.

Die Definition von Design Thinking fasst die wichtigsten Aspekte der Methode zusammen:
«Design Thinking is an innovation method, based on an iterative process to generate customer centred solutions for complex problems.»

Unsere Gastgeber zeigten am erfolgreichen Beispiel von Paymit auf, wie die SIX den Prozess durchlebt und angewendet hat. Dabei sind folgende Herausforderungen aufgetaucht und Erkenntnisse daraus abgeleitet worden:
– Megatrends wie Digitalisierung, Globalisierung und Mobile werden die Paymentbranche in den nächsten 10 Jahren mehr verändern als diese sich in den letzten 30 Jahren verändert hat
– Peer-to-Peer Evolution hat den benötigten Reifegrad erreicht und wird einen grossen Einfluss auf das zukünftige Zahlungsverhalten haben
– Die Partnerbanken von Paymit sind bestehende Finanzinstitute und diese pflegen andere Werte in Sachen Kollaboration, Kreation, Kontrolle und Konkurrenz als die neuen Mitbewerber
– Das gesamte Kundenerlebnis zählt. Niemand zahlt gerne, darum muss der Zahlungsvorgang möglichst schnell und unkompliziert erfolgen
– Um die nötige Geschwindigkeit und Autonomie zu halten, wurde Paymit als eigenes Startup der SIX gegründet

Schlussendlich ist der wichtigste Erfolgsfaktor eines Innovationsprozesses die Mitarbeiterkultur. Auch hier hat das Paymit-Team auf eine aktive Mitwirkung der involvierten Personen gesetzt und diese motiviert «den Legionär in ihnen zu aktivieren».

Mini Speed Creation & Rapid Prototype

Anschliessend waren wir an der Reihe. Aufgeteilt in 5 Teams machten wir uns an die Aufgabe, eine FinTech Innovation für die Zukunft zu erarbeiten.
Zuerst kümmerten wir uns intensiv um die Problemstellung: Was ist das effektive Kundenproblem, welches wir lösen wollen und welche Auswirkungen hat es? Wer sind die involvierten Stakeholders und welches Ziel wollen wir mit unserer Lösung erreichen?

Aufgeführt in einer NABC-Analyse (Need – Approach – Benefit – Competition) brachten wir unsere Ideen in kürzester Zeit zu einem ersten Prototyp. Anschliessend ging es in die erste Pitchrunde. Wir hatten zwei Minuten Zeit, unsere Ideen auf den Punkt zu bringen und unsere Investoren (in Form unserer Mitschüler) zu überzeugen. Darauf folgte die Feedback-Runde mit positiven Rückmeldungen und Wünschen für Verbesserungen.

Vollgepackt mit gesammeltem Feedback überarbeiteten wir unsere angedachten Prototypen, um die erfassten Kundenbedürfnisse noch besser zu befriedigen. Als krönender Abschluss folgte der finale Pitch unserer Ideen:
– Robo-Skype – Robo-Advisor und Kundenberater als ein Team
– CreditCardOne – Alle Kreditkarten an einem Ort mit Verwaltungsfunktionen
– Invoice Factory – Alle Rechnungen auf einer Plattform mit Verarbeitung
– Omnibank – Aggregiertes Multibanking mit Lifecycle-Services
– Vreneli – Cash abheben an jedem POS und mit jeder Karte

And the winner is… «CreditCardOne». Die Vielzahl der Kreditkarten mit unterschiedlichen Limiten an einem Ort als Gesamtübersicht zu führen und verschiedene Verwaltungsfunktionen (Sperren, Limitenerhöhung, etc.) online aus einer App tätigen zu können, scheint also ein Kundenbedürfnis zu sein. Die Siegesfeier schloss diesen spannenden und lehrreichen Tag hinterher in gemütlicher Runde mit Chips und Drinks ab.

Falls ihr mehr zu unseren Lösungen erfahren oder eure eigenen Ideen pitchen möchtet, dann kontaktiert uns auf Twitter #hwzdigitalfinance.

Hier noch ein paar Eindrücke des Tages mit bestem Dank an die Hosts Markus und Thomas!
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