Aus der Silicon Valley-Study Tour in San Francisco mit Gert ChristenDr. Sean Randolph und Mark Zawacki berichten Joya Etterli und David Garcia.

Die Bay Area und ihre Magie

Pünktlich um 10.00 Uhr warteten die Autoren dieses Blogs und ihre 10 Kommilitonen auf die erste Rede in San Francisco im Rahmen der Silicon Valley Study Tour. Mit Dr. Sean Randolph, Senior Director Bay Area Council Economic Institute, begrüssten wir gleich ein Hochkaräter und Kenner der lokalen Tech-Szene.

Das Tech-Gebiet in der Bay Area, das wir als Silicon Valley kennen, erstreckt sich gemäss dem Ersten Speaker von San Jose im Süden bis nach San Francisco.

Wieso passiert es hier?

Es reicht nicht, 2 bis 3 mal im Jahr ins Silicon Valley zu kommen, um zu verstehen, was hier alles passiert. Darum kommen viele Unternehmen mit ihren Headquarters, vor allem auch europäische Firmen hier hin. Ziel ist es, in der Nähe von etablierten Giganten wie Google und Facebookzu sein, um Teil ihres Netzwerks zu werden. Silicon Valley gilts als Quelle der Innovation. Dieses Eco-System zeichnet sich durch viele differentzierte Akteure und Insitutionen und einem massiven Netzwerk aus.

Wer spielt hier mit?

Kurz gesagt: viele! Da wären zum Beispiel:

    • Public and Private Research Institutes: Universitäten wie Standford, UC San Francisco oder Berkeley mit verschiedenen Disziplinen und National Laboratories sowie Federal Research Facilities. Aber auch viele unabhängige Institute.
    • Incubators, Accelerators, Co-working Communities: Sie agieren als Mentoren für Unternehmen und bringen fachliche Unterstützung bzw. Knowhow ein, aber unterstützen auch mit Infrastruktur etc. und ermöglichen Zugang zu Growth Capital.
    • Investors (Risk capital): Bereits heute konzentrieren sich 45 bis 50% der U.S. Risikoinvestments in der Bay Area. Tendenz steigend.

Interessant und augenfällig ist die Tatsache, dass fast 50% der nun ansässigen Startup-Unternehmer einen Einwanderungshintergrund haben. Das Valley zieht Leute aus dem ganzen Globus an! Die Tech-Industrie wächst und es bilden sich zunehmend mehr hochwertige Unternehmungen. Negative Konsequenz daraus ist der sehr teure Wohnraum in San Francisco, der immer mehr Menschen aus der Stadt verdrängt. Ein Uber-Fahrer hat dem Autorenpaar verraten, dass ein schlichtes Apartment mit überblickbaren Quadratmetern rund USD 5’000 monatlich kostet.

Mark Zawacki und die Disruption

Der zweite Speaker unterschied sich deutlich von seinem Vorredner. Er fand deutlichere Worte, um die gegenwärtige Situation im und rund um das Silicon Valley zu beschreiben. Zuvor erfuhr die Gruppe jedoch, dass er eine “Schweizer” Vergangenheit hatte. So hatte er bereits für Unternehmen wie Tamedia und UBS gearbeitet. Mark’s Fokus liegt auf Disruption und Digitale Strategie. Die Gruppe begrüsste er mit dem Satz: «I’m gonna shock you!» Na dann, für Spannung war gesorgt.

Eine Folie aus seiner Präsentation resümierte sehr zutreffend, wie er die Bedeutung des Silicon Valleys definiert:

Mark’s wichtigste Aussagen
  • 7 der 12 wertvollsten Unternehmungen weltweit sind Plattform-Betreiber. Deshalb gilt: Entwickle Plattformen, nicht Apps.
  • Das Silicon Valley macht ebenso eine Transformation durch: vom High-Tech-Kapital zur Disruptionsindustrie.
  • Du musst nicht der Erste sein, der etwas tut. Du musst es nur besser kapitalisieren und kommerzialisieren.
  • In Times of Change Experience can be your Worst Enemy.
  • Kodak ist verschwunden, weil sie sich in ihr Komfortzone ausgeruht haben. They did not disrupt.
  • Any big industry that is slow to evolve that can be disintemediated by math/data/software = will be relentlessly attacked by extremely well fast-moving, unconventional, savvy outsiders.
  • Und zuletzt eine Botschaft an die Schweiz: Don’t build for 8 millions, build for the entire world.

Nach diesen zwei interessanten Redner und einer wohltuenden Mittagspause am Pier 1 ging es weiter auf Firmenbesuch.

Autodesk – der grosse Unbekannte

Dieses Unternehmen ist eine Softwareherstellerin im B2B-Bereich und deckt insbesondere Industrien wie Architektur, Product Design & Manufacturing sowie Media & Entertainment ab. Ihre Software-Lösungen finden sich in zahlreichen Prestige-Bauprojekten. Autodesk hilft, die Produktivität zu steigern und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

Eine reizende Dame führte die Gruppe durch eine imposante Galerie, die voll mit Modellen und Videos bestückt war. Die einzelnen Projekten näher vorzustellen, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, deshalb folgt hier eine kleine Reihe von Bildern, die die Führung visuell passend zusammenfasst.

Innovative Israelis suchen Geld

Der erste Tag wurde mit einem Höhepunkt abgerundet: einer Pitch-Night. Dabei stellten zahlreiche israelische Startups ihre Produkte & Services dem anwesenden Publikum vor, mit dem Endziel Investoren für ihre Projekte zu gewinnen. Die Autoren möchten folgende Projekte hervorheben:

  • Mobi (AI-gestütztes Verkehrsmanagementsystem für Smart Cities)
  • superup (Technologie für Retailer, um den Mobile-Umsatz zu steigern)
  • Leaa (Medizinischen Support zuhause auf Bestellung)
Debriefing und Fazit

Nach der kurzweiligen Pitch-Night ging es zurück zur Homebase. Dort beauftragten die Autoren des Blogs den Rest der Gruppe, folgendes Feedback zu geben:

Was ist hier anders als in der Schweiz? 

Die Gruppe urteilt wie folgt:

  • Nach 24 Stunden können noch nicht allzu viele Unterschiede festgestellt werden
  • Der Morgen war geladen mit interessanten Insights
  • Die Einstellung (Mindset) der Leute ist hier deutlich anders als jene in der Schweiz
  • Spirit: der Inhalt und die Idee zählen, nicht wer du bist und welchen Titel du hast
  • das Ökosystem: alles ist miteinander vernetzt und funktioniert zusammen
  • die Dynamik: hier wird zukunftsorientiert gedacht, in der Schweiz ist man eher statisch
  • Amerikaner bauen für die Welt, die Schweizer für die Schweiz
  • Offenheit: hier wird über die Idee geredet und ehrliches Feedback wird erwünscht
  • Try and error: es ist nicht schlimm, Fehler zu machen

Ein langer und mit Inhalten gefüllter Tag ging nun zu Ende. Ein Satz ist uns allen geblieben:

Kein «aber nein» mehr, sondern ein «YES and…»