Der heutige Tag stand hauptsächlich im Zeichen von Start-up Firmen. Und es war ein Feuerwerk an Erfolgs-Stories. Einerseits durften wir in einer Podiumsdiskussion Katrina Lake, der Inhaberin des zwei Milliarden schweren Unicorns StitchFix, live miterleben. Andererseits haben wir Hyperwallet besucht, die am Tag zuvor für 400 Millionen an Paypal verkauft wurden. Aber es gibt auch andere Cases, die in naher Zukunft noch hohen Transformationsbedarf haben. So hat uns Mariel Reed von Co-Procure eindrücklich aufgezeigt, dass es im Governmental-Bereich noch hohen Handlungsbedarf gibt. Zudem sieht sich auch das Fed mit digitalen Herausforderungen konfrontiert, zum Beispiel im Bereich von AI und Blockchain, wo man noch keine Antworten hat.

Vom dritten Tag der Silicon Valley Immersion Tour – im Rahmen des CAS Digital Leadership – berichten Marco Immler, Thomas Moral und Patrick Chevin.

Co-Procure


Mariel Reed, Founderin von Co-Procure, hat im ersten Referat ein Thema angesprochen, das uns allen in den letzten Tagen ins Auge gestochen ist: Die Geschichte der Stadt mit zwei Gesichtern. Die Schere, die sich in San Francisco in den letzten Jahren zwischen Reichtum und Armut eröffnet hat, ist riesig. Einerseits werden hunderte von Milliarden erwirtschaftet und übertriebene Löhne für Spezialisten bezahlt, andererseits haben wir hier eine nicht unbedeutende Homeless-Community, die jeden Tag um’s Überleben kämpft. Und man hält es kaum für möglich, aber in der „Digital Capital of the World“ haben zum Beispiel immer noch 15% der Schüler keinen privaten Internetzugang.

Basierend auf dieser Ausgangslage hat Mariel sich mit der Thematik auseinandergesetzt, wie der technologische Fortschritt zum Vorteil aller sozialen Schichten genutzt werden kann, um den Gap wieder vermehrt zu schliessen. Sie ist überzeugt, dass der Schlüssel zur Lösung dieses Problems in der Transformation der staatlichen Administration liegt. Dieser Apparat ist höchst ineffizient, weil er immer noch nach dem Prinzip des letzten Jahrhunderts funktioniert. Milliarden werden verschwendet, weil zum Beispiel 94% der IT-Projekte über 10 Millionen Doller Budget scheitern. Das Start-up Co-Procure hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, hier mehr Professionalität in die Prozesse zu bringen und die Administration von San Francisco zu reformieren. Mariel engagiert sich mit grossem Engagement und Idealismus, weil ihr das Wohl bedürftiger Menschen mehr am Herzen liegt als ihr eigener Profit. Ein lobenswerter Beitrag und ein inspiratives Highlight.

Yelp

In einem Kaminfeuer-Gespräch mit Patrick Comboeuf hat uns Michèle Schlup von ihrer bereits seit fünf Jahren  andauernden Silicon Valley Experience mit ihrem Mann berichtet. Nach dem Motto aller Anfang ist schwer, musste sich Michèle nämlich zuerst mit der hier herrschenden Kultur auseinandersetzen. Ihre anfängliche „Naivität“ ist bei der Jobsuche schnell auf die Realität getroffen. Sie wurde völlig von der hiesigen Rekrutierungsphilosophie überrascht. Der Auswahlprozess ist sehr langwierig und kann über insgesamt bis zu acht Interviews führen. Irritiert war sie anfänglich vor allem von den fachlichen Skype-Interviews mit Indien, die hier in San Fran das Eingangstor sind zum nächsten Level. Sie wurde mit knallhartem Skill-Testing konfrontiert. Soft-Factors und der persönlich Wohlfühlfaktor sind irrelevant. Das positive der zig Absagen war jedoch, dass sie viel Selbstvertrauen aufbauen konnte. Dies hat ihr im Bewerbungsprozess mit Yelp sehr geholfen, mit einem neuen Selbstverständnis aufzutreten. Yelp funktioniert diesbezüglich aber auch etwas anders, weil die Firma hohe soziale Werte hat. Soft Faktoren kommen hier durchaus wieder zum tragen. Dies zeigt sich in diesem Moment unmissverständlich. Die werdende Mutter hat nämlich allen Grund, sich auf ihr Baby zu freuen. Michèle könnte nach einem längeren, voll bezahlten Mutterschaftsurlaub wieder in einem fünfzig prozentigen Pensum in die bisherige Funktion zurückkehren. Durchaus eine Ausnahme hier im Valley!

Atlas Run

Mit Oliver Käser haben wir heute morgen einen überzeugten Schweizer Social Enterpreneur kennen gelernt. Mit seiner Entscheidung, in San Francisco einen Master of Social Entrepreneurship zu absolvieren und ein Start-up zu gründen hat er sich nämlich bewusst gegen den goldenen Käfig in einem Schweizer Grossunternehmen entschieden. Mit seiner Plattform atlasrun.com engagiert er sich für die Tripple Bottom Line: Business, Corporate Social Responsibility (CSR) und Individual Health. Die Lösung ermöglicht es Unternehmen, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter bewusst zu fördern und sich gleichzeitig sozial zu engagieren. Das sehr positive Feedback der Unternehmen stimmt ihn sehr zuversichtlich für die weitere Entwicklung der Firma. Das Unternehmen konnte gar schon eine Partnerschaft mit AT&T eingehen. Der Erfolgsfaktor von Jungunternehmer ist seiner Meinung nach, Ideen und neue Trends konsequent zu verfolgen, ohne jedoch den Fokus auf das wesentliche zu verlieren und am ursprünglichen Plan festzuhalten.

Federal Reserve

Einen Einblick ins monumentale Federal Reserve zu gewinnen, war sicherlich ein weiteres Highlight. Auch im Detail zu erfahren, wie sich das Fed über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat und zu sehen, welche zentralen Aufgaben die einzelnen, regional verteilten Zentren übernehmen zur Stabilisierung der Wirtschaft, war interessant. Die anschliessende, intensive Diskussion zur zukünftigen Positionierung von Nationalbanken im digitalen Zeitalter war sehr kontrovers und hat viele Fragen aufgeworfen. Die zentrale offene Frage blieb aber im Raum stehen: Welcher Transformationsbedarf hat diese ehrwürdige, historische Organisation im digitalen Zeitalter. Wie kann man den Herausforderungen, die im Finanzsektor durch AI & Blockchain gerade am entstehen sind, erfolgreich begegnen. Die Zukunft wird es uns zeigen.

Hyperwallet

Der Einstieg in eine Start-up-Präsentation könnte nicht fulminanter sein: Tomas Likar des Fintech Start-up Hyperwallet informiert uns eingangs nämlich, dass das Unternehmen gestern für 400 Millionen an Paypal verkauft wurde. Der Applaus unsererseits hatte er sich somit gesichert! Der auf White-Labelling spezialisierte, elektronische Zahlungsabwickler, erscheint mit dem eigenen Brand eigentlich nie Gegenüber den Endkunden, denn Hyperwallet hat ein reines B2B-Geschäftsmodell. Dennoch haben viele und immer mehr Privatpersonen fast täglich mit Hyperwallet zu tun. Die Lösungen des Unternehmens haben sich nämlich auf die zukünftigen Freelance-Einkommensmodelle der Millenials spezialisiert. Darum haben die Marketer von Hyperwallet auch den Term „The Earning Revolution“ kreiert. Ihre Produkte kommen nämlich an der Schnittstelle zwischen zum Beispiel Uber und der Bank des Fahrers zum Einsatz. Das heisst soviel wie, Hyperwallet garantiert Freelance-Mitarbeitern die Überweisung ihres Lohnes auf ihre Bank und zwar global. Hyperwallet arbeitet also weltweit mit den grössten Finanzunternehmen zusammen. Und jetzt noch eine unglaublich Zahl zum Abschluss: Die Retention-Rate des Unternehmens liegt bei 99%. Kein Wunder hat Paypal hier „zugelangt“.

StitchFix

Zur Krönung dieses intensiven Tages hatten wir das Vergnügen noch einem Podiumsgespräch mit der Gründerin von StitchFix beizuwohnen. Katrina Lake war die jüngste Frau, die es bis heute geschafft hat, ihr Start-up erfolgreich an der Nasdaq zu quotieren. Durch das IPO ist das Unternehmen heute rund 2 Milliarden wert und gehört zu den Unicorns im Silicon Valley.

Das Fazit des heutigen Tages: Believe in you, your dreams and just do it!