Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Vor wenigen Jahren haben wir die ganz Grossen der IT-Branche noch nicht einmal gekannt – unter anderem deshalb, weil es sie noch nicht gab. Heute üben diese Konzerne enorme ökonomische Macht aus: Google, Facebook, Amazon und Co. verdienen unvorstellbar viel Geld und beschäftigen hunderttausende Menschen. Ein Grund dafür: Wir kaufen nicht nur die Produkte dieser Unternehmen, wir stellen ihnen ohne viel Aufhebens auch unsere Daten zur Verfügung.

Kontrolle über eigene Daten ist kaum ein Thema

Google lebt von Informationen, die gesammelt werden, aber auch von Informationen, die den Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Google ist die mächtigste Suchmaschine der Welt, hat mit Chrome am meisten Browser-User und kontrolliert mit Android das am weitesten verbreitete Betriebssystem für Smartphones, und trotzdem, wie die NZZ in einer ausgezeichneten Anleitung zum persönlichen Datenschutz festhält, scheint es den allermeisten Usern gleichgültig zu sein, dass sie Google ununterbrochen mit ihren persönlichen Daten füttern:

Kaum ein Kunde macht von der Möglichkeit Gebrauch, Googles Umgang mit Daten zu kontrollieren. Dabei wäre das eigentlich kein Problem. Fast alle Daten, die Google gespeichert hat, kann man aufrufen und löschen – einzeln oder über beliebige Zeiträume. Und auch das zukünftige Datensammeln kann man personalisieren, sofern man – wie zwangsweise bei jedem Android-Nutzer der Fall – mit einem Google-Konto angemeldet ist.

Daten sind Geld

Dabei sind diese persönliche Daten unheimlich viel Geld wert, wie die Welt in einem ausführlichen Artikel unter dem Titel “Die unheimliche Macht der Tech-Giganten“ erklärt:

20,2 Milliarden Dollar nahm Google im vergangenen Quartal ein, 17,5 Milliarden davon mit Online-Werbung. Zwar muss der Konzern einen Gutteil davon an Partner-Webseiten weitergeben – doch am Ende bleibt ein Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar. Die Umsatz-Rendite fällt auch deswegen niedriger als beim Konkurrenten Facebook aus, da Google aktuell massiv in den Versuch investiert, sich mittelfristig vom sehr konjunkturabhängigen Werbegeschäft zu emanzipieren. Allein in den vergangenen zwölf Monaten stellte der Konzern 9000 neue Mitarbeiter ein, mittlerweile arbeiten 66.000 Menschen für Google.

Google, Facebook & Co. als Retter der Eurozone?

Google ist nur einer dieser “unheimlich mächtigen Tech-Giganten“, zusammen sind sie noch viel reicher – und natürlich mächtiger. Nach dem Motto “Geld regiert die Welt“ könnten sie schon mal die Schulden eines Krisenstaates bezahlen – wenn sie denn wollten:

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen: Apple, Google, Microsoft, Facebook und Amazon sind in ihren Marktsegmenten uneinholbar Marktführer. Doch wie groß sind die Konzerne inzwischen wirklich? Ein Vergleich mit den Leistungen ganzer Volkswirtschaften zeigt, welche Dimensionen sie erreicht haben: Der addierte Quartalsumsatz der fünf Firmen beträgt 122,1 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als die Quartalswirtschaftsleistung von Polen oder Belgien und nur knapp weniger als die von Schweden, dem asiatischen Tech-Mekka Taiwan oder dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas, Nigeria. Apples Quartalsgewinn allein würde ausreichen, um das griechische Staatsdefizit im Krisenjahr 2014 von gut sechs Milliarden Euro auszugleichen. Gemeinsam könnten die Firmen mit ihren Gewinnen nach Steuern von 18 Milliarden die Quartals-Neuverschuldung der Euro-Krisenstaaten Griechenland, Spaniens und Portugal problemlos schultern.


Felix Walker ist Journalist, Autor und Übersetzer. In seiner Arbeit, zu der auch der Digital Society Report gehört, befasst er sich vorwiegend mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Er lebt in Novia Scotia, Kanada.