Ubaldo Piccone, MAS-Student am Center for Digital Business, gewann Ende Oktober bei den Swiss Startups Awards den mit 50‘000 Franken dotierten PostFinance Digital Business Award für seine digitale Content-Plattform YEAHGOODS. Zusammen mit Tanja Höhn, ebenfalls Studentin am Center for Digital Business, hat er in den letzten Monaten und Jahren unermüdlich an seiner Vision von YEAHGOODS getüftelt. Anfang 2016 soll die YEAHGOODSApp auf den Markt kommen. Wir haben ihn vorab über seine prämierte Idee ausgefragt.

hwzdigital: Herzliche Gratulation zur Auszeichnung! Welche Idee steckt hinter deiner preisgekrönten Content-Plattform YEAHGOODS?

bild1yeahUbaldo Piccone: YEAHGOODS ist im Bereich Native Advertising und Content Marketing anzusiedeln. Viele Grossfirmen, welche Marken online verkaufen, haben das Problem, dass ihre Fotos auf Social Media kaum Interaktionen generieren. Nehmen wir das Beispiel Nespresso: Wenn die ein Foto von George Clooney auf Facebook posten, bleiben die Reaktionen äusserst bescheiden. Das Bild ist zu eindeutig als Werbung erkennbar und hat eine minimale Wirkung auf die Facebook-User. Ganz anders verhält es sich, wenn z.B. mein Kollege auf Facebook ein euphorisches Selfie aus dem Nespresso-Shop postet, weil er gerade seinen neuen Lieblingskaffee entdeckt hat. Das Bild wird von seinen Freunden geliked, vielleicht schreibe ich einen Kommentar darunter oder share das Bild, wenn mir der Kaffee ebenfalls schmeckt. So wird auf natürliche Weise über das Produkt geredet; es entsteht Authentic Marketing. Diverse Marken wie bspw. Zalando oder Galaxus haben bereits versucht, diese Art von Marketing in ihre Kampagnen miteinzubeziehen. Allerdings haben sie Mühe damit, an geeigneten Content zu kommen. YEAHGOODS will als App eine Brücke bauen zwischen den Usern und den Firmen. Die Konsumierenden können über die YEAHGOODS-Plattform Bildaufträge von Unternehmen entgegennehmen. Die Firmen bezahlen die App-User für deren selbst geschossene Produktbilder und verwenden die Fotos anschliessend für ihre eigenen Zwecke weiter. So kann es passieren, dass meine liebste Kleidungsmarke vielleicht bald mit einem von mir gemachten Foto für ihre Produkte wirbt.

Was unterscheidet YEAHGOODS von anderen Content-Sharing-Plattformen?

Das Erfolgsrezept von YEAHGOODS setzt sich aus vier USPs (Unique Selling Propositions) zusammen. Erstens wollen wir, wie gesagt, authentischen Content generieren. Denn der hat mehr Impact als firmengenerierter Marketing-Content. Zweitens profitieren wir von einer bestehenden App-Community, was die Interaktionen schneller und somit effizienter und unkomplizierter gestaltet. Drittens bieten wir sowohl den Unternehmen als auch den Konsumierenden eine rechtliche Absicherung. Wir wickeln für jedes Bild einen klassischen Verkaufsvertrag zwischen der jeweiligen Firma und YEAHGOODS ab, ausserdem einen Urheberrechtsvertrag zwischen der Firma und dem User, und schliesslich einen Privacy-Vertrag zwischen User und YEAHGOODS, in dem der Nutzer oder die Nutzerin beispielsweise garantiert, das Foto auch wirklich selbst gemacht zu haben. Ausserdem kontrollieren wir gleich zu Beginn alle Bilder auf rassistischen oder pornographischen Inhalt. Viertens unterhalten wir einen Blog, auf dem wir die besten Bilder der Plattform weiter pushen können und somit für das jeweilige Unternehmen über unsere Community noch einmal ein anderes Zielpublikum erreichen können.

Wie seid ihr auf die Idee zu YEAHGOODS gekommen?

Ich habe einmal an der HSG einen Workshop besucht und dort den Social Media Manager von Audi kennengelernt. Den habe ich nach der grössten Herausforderung aus seinem Berufsfeld gefragt, und er antwortete mir: „Wenn ein Audi-Besitzer ein Foto von seinem Auto in der Waschanlage macht, generiert das mehr Likes, als wenn ich auf unserer offiziellen Facebookseite ein Bild poste.“ Sprich: Je authentischer und persönlicher die Inhalte sind, desto eher gehen sie viral. Es scheint, als hätten die Konsumierenden einen automatischen Filter eingebaut, der alle offensichtlichen Werbeinhalte aussortiert. Dies wollten wir uns zunutze machen.

Inwiefern konntest du bei der Arbeit an YEAHGOODS von deinem Studium am Center for Digital Business profitieren?

Ich habe am CDB den CAS in Social Media Management absolviert, momentan bin ich im CAS Mobile Business, und ich plane, noch den CAS Digital Leadership zu besuchen. Meine Masterthesis will ich natürlich auch über YEAHGOODS schreiben. Auch meine Zertifikatsarbeit im Studiengang Social Media Management widmete sich YEAHGOODS; die dort geschilderte Social Media- und Community-Strategie konnte ich gleich für meine Bewerbung beim Digital Business Award weiterverwenden. Ausserdem konnte ich in der Weiterbildung viele interessante Kontakte knüpfen; ein Dozent des CDB war z.B. so begeistert von YEAHGOODS, dass er gleich Mitinhaber werden wollte. Es war mir schon immer wichtig, den im Studium erlernten Stoff an einem konkreten Projekt umsetzen zu können. Dass wir dafür jetzt sogar diese Auszeichnung bekommen haben, ist ein angenehmer Nebeneffekt – und es beschert uns natürlich das nötige Kleingeld, mit dem wir jetzt die Lancierung der App so richtig anpacken können. Momentan arbeiten wir mit einer Schweizer Firma an der Programmierung, Anfang 2016 soll die App auf den Markt kommen. Unsere Ambitionen sind einfach: Wir wollen endlich herausfinden, was unsere Idee taugt, und wollen am eigenen Leibe erfahren, wie der Markt funktioniert. Deswegen können wir einigermassen entspannt auf den Januar hinarbeiten, wenn es dann endlich losgeht.