Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit German Ramirez berichtet Conrad Eigenmann:

Wer am Stammtisch am lautesten  spricht, hat nicht immer die meisten Zuhörer. Hatten früher die Unternehmen alle Fäden der Kommunikation in der Hand und konnten mit grossem finanziellen Einsatz eine hohe Reichweite ihrer Kampagnen garantieren, dreht sich seit der Auferstehung von Social Media und weiteren digitalen Kommunikationskanälen, die Welt um die Kunden und Konsumenten. Durch das Web 2.0 bekam jeder Mensch die Möglichkeit, sein eigenes Medienunternehmen zu sein. Individuen können über die neuen Medien ihre Meinung gratis und unverzüglich an eine breite Masse publizieren. Unternehmen führen keine Monologe mehr sondern erhalten Reaktionen auf ihre Aktionen. Um diese neuen Herausforderungen zu meistern, ist der Einsatz von Personal Branding & Storytelling unverzichtbar.

Social Media ist enorm wichtig fürs Personal Branding. Dabei werfen wir zuerst einen Blick auf die Unternehmen. Diese mussten oder sollten ihre Kommunikation grundlegend ändern. Früher war der Kommunikationsweg Top-Down (Grafik links). Aber heutzutage ist aufgrund von Social Media alles vernetzt, transparenter und schneller (Grafik rechts). Umdenken ist angesagt.

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Mit der Hilfe von Social Media können Unternehmen sowie Personen an Informationen gelangen, sich vernetzen und Beziehungen aufbauen. Dies bringt unter anderem folgende fünf Vorteile mit sich:

  1. Expertise zeigen: Durch veröffentlichen von fachlichen und kompetenten Beiträgen und Kommentaren.
  2. Nähe zum Zielpublikum: Social Media ermöglicht einen Dialog mit dem Zielpublikum und Kunden.
  3. Umsatz erhöhen: Mit den richtigen Aktionen kann über Social Media der Absatz erhöht werden. Wichtig ist, dass nicht das Unternehmen sondern deren Mitarbeiter (Individuen) als Antrieb dienen, da deren Glaubwürdigkeit höher ist.
  4. Talente anlocken: Präsentiert sich ein Unternehmen hervorragend auf den Social Media Plattformen, weckt es das Interesse begehrten Mitarbeiter. Das gleiche gilt für Personen, die durch ihre Präsenz auf Social Media für Unternehmen interessant werden.
  5. Kundenbeziehung verstärken: Social Media bietet eine einfache (aber nicht zu unterschätzende) und direkte Lösung, um mit den Kunden im Dialog zu bleiben und somit nicht in Vergessenheit zu geraten.

Aber auch in der digitalen Welt geht nichts von alleine und man muss sich verkaufen können. Dafür müssen die drei Schlüsselfaktoren Reichweite, Relevanz und Glaubwürdigkeit beachtet werden. Wenn Niemand mit der eigenen Botschaft erreicht wird, ist der ganze Aufwand umsonst. Daher benötigt man Reichweite. Eine interessante Erkenntnis dabei ist, dass Posts von Individuen 5x mehr Beachtung finden als Posts direkt von Unternehmungen. Eine erfolgreiche Strategie besteht daher darin, Mitarbeiter zu involvieren und die Botschaften von Unternehmen publizieren zu lassen, anstatt dass Unternehmen es selber über ihren Corporate-Kanal machen. Über Social Media kann somit durch die Vernetzung von Freunden und Freundes Freunden sowie dem Teilen von Botschaften, rasch eine grössere Menge an Personen erreicht werden.

Damit Posts geteilt werden, müssen sie relevant sein. Niemand teilt uninteressante Inhalte. Auch hier gilt wiederum, dass geteilte Inhalte von Individuen eine 8x höhere Relevanz haben als solche von Unternehmen.

Zu guter Letzt müssen die Botschaften glaubwürdig wirken. Wenn Mitarbeiter über Social Media einen Werbeslogan 1:1 wiedergeben, werden das ihre Freunde nicht abkaufen und der Schuss geht nach hinten los. Trotzdem ist die Glaubwürdigkeit von Personen um 3,6x höher als diejenige von Unternehmen. Bei zu guten Botschaften von Unternehmen, werden die Konsumenten leicht skeptisch und trauen der Sache nicht.

Kumuliert ergeben die genannten Schlüsselfaktoren einen Boost von 144x mehr Power als Individuum im Vergleich zu einem Unternehmen!

WELCOME TO THE SUPERMARKET OF PEOPLE


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Unternehmen und Individuen können sich über Social Media also einen klaren Vorteil verschaffen, wenn sie die Plattformen effektiv einsetzen. Aber wie geht das nun mit dem Personal Branding? Damit man sich selber als Person gut auf dem digitalen Marktplatz wie beispielsweise LinkedIn positionieren kann, muss man sich zuerst grundsätzlich die Fragen stellen: „Wer bin ich? Was macht mich einmalig? Wofür will ich bekannt sein/ werden?“.

win-schnittmenge

Dabei kommt die eigene WIN-Schnittmenge heraus. Eine Mischung aus Dingen, die wir lieben, gut darin sind und uns Geld einbringen. Man kann dies als Übung für sich selber definieren und sich Stichworte zur eigenen Person notieren. Diese sind dann entscheidend für das eigene Profil und dessen Auffindbarkeit auf den Plattformen.

Als weitere Übung kann ein Personal Business Model Canvas (businessmodelyou.com) ausgefüllt werden. Wir kennen diesen Canvas aus Business Model Generation. Er bietet eine gute Übersicht über die eigene Person.

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Ergänzend beschreibt German Ramirez, dass starke Persönlichkeiten folgende Eigenschaften haben:

  • Authentisch & ehrlich
  • Relevant
  • Einmalig
  • Fokussiert
  • Klar
  • Zeitüberdauernd
  • Motiviert

Und zum Schluss der Hinweis, dass wir nicht nur unser Titel sind. Beispielsweise der Titel Project Manager sagt nicht viel aus. Das sind viele. Um sich abzuheben, benötigt es weitere Inputs. In welcher Branche, in welchem Arbeitsfeld des Project Management ist man zuhause. Welche weiteren Tätigkeiten übt man aus usw. Dies sollte alles in das eigene Profil einfliessen. Schliesslich würden die meisten wohl eher ein Shampoo mit Vitaminen und Aloe Vera kaufen anstatt einfach nur ein 0815 Shampoo 😉

DER EINSATZ VON STORYTELLING

Informationen, Produkte und Inhalte erhalten mehr Relevanz, wenn sie in Stories (Geschichten) verpackt werden. Gute Stories können sich die Konsumenten besser merken, sie können inspirieren und eine Verbindung zum behandelten Thema schaffen. Konsumenten möchten automatisch mehr davon hören, folgen der Quelle und sie verbreiten die Stories oft freiwillig weiter (teilen). Um eine gute Story aufzubereiten, hat uns German Ramirez folgende Hilfsschritte gegeben:

  1. Schritt: Beim Vorbereiten der Story
    • Kenne dein Publikum
    • Mache eine relevante Aufbereitung
    • Sei ehrlich
  2. Schritt: Beim Aufsetzen der Story
    • Starte mit einer und nur einer klaren, grossen Idee im Kopf – eine Hauptbotschaft!
    • Nutze nicht mehr als 3 unterstützende Aussagen
    • Packe eine Handlungsaufforderung rein (call to action)
  3. Schritt: Beim Strukturieren der Story (Vorgehen wie bei einem Film)
    • Aufbau: Die Welt des Helden vor dem Abenteuer
    • Konflikt: Die Welt des Helden wird aufgemischt
    • Lösung: Die Welt des Helden ist verändert
  4. Schritt: Beim Erzählen der Story (post)
    • Veranschauliche das Erzählte
    • Versuche Emotionen zu wecken
    • Sei überraschend und unterhaltsam, wenn möglich

Mit dieser Anleitung sollte einer spannenden Story nichts im Wege stehen und das Personal Branding wie eine Rakete durch die Decke schiessen!

Damit wir aber nicht kreuz und quer unsere Stories erstellen und kommunizieren, müssen wir uns vorab Gedanken darüber machen, welche Inhalte überhaupt für unsere Zielgruppe relevant sind. Womit können wir diese angehen und über welche Social Media Kanäle ist es sinnvoll für uns oder ein Unternehmen. Dabei spielt es eine Rolle, ob man den Aufwand betreiben kann und genügend Fleisch am Knochen ist, um einen Kanal zu unterhalten. Die Auswahl der Kanäle soll dem Verhalten der Zielgruppe folgen. Es können über unterschiedliche Kanäle unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden.

Zum Abschluss von diesem Nachmittag haben wir unsere LinkedIn Profile genauer angeschaut. Uns wurde bewusst, dass wir uns überlegen müssen, nach was bspw. Headhunters über LinkedIn suchen und ob sie uns dann finden würden. Daher sind die erwähnten Übungen enorm hilfreich. Die Ergebnisse daraus sollten ins Profil einfliessen. Vom Jobtitel bis zur Personen- und Jobbeschreibung. Vom Profilfoto bis zum Hintergrundbild. Viele Menschen vertrauen der Plattform blind: Sie geben gewisse Suchkriterien ein und erhalten Vorschläge ausgespuckt, denen sie nachgehen. Was gibt es also einfacheres als ein tolles Profil zu erstellen.

Wir sollten die Möglichkeiten, die sich uns bieten unbedingt zu unserem Vorteil nutzen. Denn noch nie waren wir als Individuum so machtvoll!