Aus dem Unterricht des ​CAS Digital Real Estate​ ​mit ​Dr. Matthias Standfest berichtet ​Michael Isenring:

Science the Shit out of Architecture ist dann die direktere Form, die Dr. Matthias Standfest wählt:

Künstliche Intelligenz (AI) ist Realität und Gegenwart, so wie die Klimaerwärmung! Diese kannst du leugnen, oder dich aber damit aktiv befassen.

Mit eindrücklichen Bildern startet Dr. Matthias Standfest in den Morgen; Bilder, nicht weniger eindrücklich wie sein Lebenslauf. Gestartet im handwerklichen Möbelbau, ging er weiter zum Maschinenbau und Architektur. Weiter eine Vertiefung in Philosophie, Kulturwissenschaften und schliesslich zur Künstlichen Intelligenz (engl. Artificial Intelligence) – dies zeichnet Standfest heute als Fachexperte im Bereich Digitalisierung von Architektur. Als CEO und Founder von Archilyse AG beschäftigt er sich tagtäglich mit dieser Thematik und brachte sie uns an diesem Dienstagmorgen näher.

Digitalisierung braucht Graustufen

Wie in anderen Bereichen sind auch in der Digitalisierung einzelne Schritte nötig: Anfangs startet die Innovation meistens mit einem Hype. Nach einem Sturz ins Tal der Enttäuschung findet i.d.R. ein Paradigmenwechsel statt und die Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten.
Als gutes Beispiel erwähnt hier Dr. Matthias Standfest die Fa. Aditazz (link). Ursprünglich produzierte die Firma Elektronik-Chips. Heute kann die Firma optimale Spitäler entwerfen, da sie die Algorhythmen ihrer Chips erfolgreich auf Spitäler transformiert.

the aditazz wayBildquelle: Präsentation Dr. Matthias Standfest, Data Empowerment for Real Estate Decision Makers CAS2019

Künstliche Intelligenz oder intelligente Statistik?

Matthias hat eine eindeutige Meinung zur Künstlichen Intelligenz: das ist nichts weiter als intelligente Statistik. Das bedeutet, dass eine (grosse) Menge an gesammelter Daten die Grundlage bildet, um künftige Entscheidungen zu berechnen. Je grösser die gesammelte Datenmenge, desto genauer werden die Entscheidungen.

Sidefact: Google hat bei der Entwicklung der selbstfahrenden Fahrzeuge die Nase vorn, da sie über die grösste gesammelte Datenmenge verfügt – dank Ihnen! Mit dem Lösen von reCAPTCHA’s (welche immer einen Bezug zum Strassenverkehr haben) helfen Sie die Datenbank zu erweitern.

Nutzung der Daten

Eine grosse Herausforderung in der digitalisierten Architektur sind die Daten und deren Strukturierung. Um diese breit nutzen zu können bedarf es hier einer Homogenisierung. Dabei müssen die Daten möglichst clean und einfach (standardisiert) erfasst werden. Das bedeutet im Gegenzug, dass nicht jeder Spezialfall abgebildet werden kann und die Systeme offen sein müssen. Sobald sich dieser eine offene Standard durchsetzt, lässt sich die Digitalisierung von Architektur nicht mehr aufhalten.

Archilyse als Beispiel für automatisierte Planung

Die Fa. Archilyse AG sagt von sich, dass sie in der Lage sind, subjektive Faktoren rund um eine Immobilie greifbar zu machen und abzubilden: das bedeutet die Architekturqualität messen zu können. Diese Daten können alsdann bewertet werden und in ein Business Case abgeleitet werden. So können anhand der Daten diverse Funktionialitäten, wie z.B. der Weg vom jeweiligen Arbeitsplatz zum Ausgang, oder zur Kaffeemaschine, berechnet werden.

HeatmapAnalyse eines Bürolayouts mit Konferenzzimmer nach gesamtem Sichtvolumen aus einer Sitzhöhe von 1,2 Metern. Rote Hexagone deuten auf ein grosses Sichtvolumen, blaue auf ein geringeres Sichtvolumen hin. (Bild: Build-Ing.)

Archilyse beschränkt sich dabei aber nicht nur auf das Gebäude, sondern betrachtet auch die Umgebung. So kann heutzutage ein genauerer Preis für eine Immobilie berechnet werden; längst sind nicht mehr nur die Quadratmeter und Räume ausschlaggebend für den Preis, sondern ein komplexes Konstrukt vieler weiterer Faktoren wie Distanz zur nächsten Einkaufsmöglichkeit, Schulen (zielgruppenabhängig), Anbindung an ÖV, Aussicht (z.B. auf Grünfläche) und viele mehr.
Weitere Anbieter solcher automatisierter Planung sind Aditas und Spacemaker.

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